Philipp Jakob Becker, Büste des Perikles, zwischen 1777 und 1784

Das Besondere Blatt
Philipp Jakob Becker

Büste des Perikles, zwischen 1777 und 1784

1. April – 30. Juni 2016

 

Alle drei Monate zeigt das Kupferstichkabinett aus seinem reichen Bestand an Zeichnungen und Druckgrafiken ein ausgewähltes Blatt. Den Besuchern werden so Einblicke in eine Sammlung ermöglicht, deren empfindliche Werke auf Papier nur selten zu sehen sind.

 

Das Kopieren nach Antiken bildete im 18. Jahrhundert die Grundlage der künstlerischen Ausbildung. Auch der aus Pforzheim stammende Philipp Jakob Becker nutzte seinen Aufenthalt in Rom zwischen 1777 und 1784, um sich mit den Werken der antiken Kunst vertraut zu machen. Die während dieser Jahre entstandenen Zeichnungen dürften ihm neben den Gipsabgüssen nach antiken Werken, die er auf Wunsch des Großherzogs Carl Friedrich in Italien und später von Karlsruhe aus in großer Zahl erwarb, als Grundlage seines Unterrichts an der Karlsruhe Zeichenschule gedient haben. Ihre Leitung hatte er von 1785 bis zu seinem Tod 1829 inne.

Wie in der Bezeichnung angegeben, handelt es sich bei dem dargestellten Motiv um eine Büste des Perikles (495-429 v. Chr.). Die kaiserzeitliche Marmorreplik bezieht sich vermutlich auf eine ganzfigurige, um 430 entstandene Bronzestatue des Bildhauers Kresilas, die noch zu Lebzeiten des Staatsmanns auf der Akropolis aufgestellt worden war. Perikles gehörte zu den hoch geschätzten und besonders einflussreichen Politikern Athens. Er bekleidete über längere Zeit das Amt des Militärbefehlshabers – des Strategen, worauf der korinthische Helm verweist. Sein Gesicht lässt ausgeprägte individuelle Züge vermissen, es ist von ruhiger Gelassenheit bestimmt. Bekannt für das hohe Maß an Gefasstheit und Selbstbeherrschung, verkörperte Perikles die Vorstellungen aristokratischen Verhaltens. Mit der gewählten Profilansicht betont Becker nicht nur die Ebenmäßigkeit der Gesichtszüge, sondern auch den nachdenklichen Ausdruck des Politikers. Auf dunklem Papier mit schwarzer und weißer bzw. gelber Kreide gezeichnet, gelingt dem Künstler eine überzeugende Wiedergabe der Plastizität seines marmornen Modells.

 

 

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