LEIKO IKEMURA

i-migration

9.3. – 16.6.2013

 

Leiko Ikemura ist eine international tätige Künstlerin, die in den letzten dreißig Jahren als Malerin,
Bildhauerin und Zeichnerin ein umfangreiches Werk geschaffen hat. Die Ausstellung „Leiko Ikemura.
i-migration“ in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe richtet mit ca. 140 Arbeiten den Fokus auf das
jüngere, von zeitgeschichtlichen Ereignissen inspirierte Werk der japanisch-schweizerischen Künstlerin.

Seit Mitte der 1990er-Jahre hat Ikemura das Sujet ihrer Kunst gefunden: in sich versunkene anonyme
Figuren, schemenhafte weiblichen Wesen und kosmische Landschaften mit der Horizontlinie als Schwelle in den unendlichen Raum. Ikemuras Figuren bewohnen eine elementare Welt aus Licht und Farbe, Land und Meer. Landschaftliche Formen werden anthropomorph interpretiert, Gesichter und Felsen
verschmelzen zu hybriden Naturbildern. Ihre Kunst ist der Versuch, der rationalen Kontrolle und den
herandrängenden Bildern des Alltags zu entkommen, um sich den Kräften der Intuition zu überlassen. „Augen sind fragwürdige Organe, die unbemerkt sich der Welt verschließen ...“, schreibt die Künstlerin;
das Verschließen der Augen provoziert das Auftauchen innerer Bilder.

In Japan geboren und aufgewachsen, hat sich Ikemura als junge Studentin entschlossen, in Europa zu leben, zunächst in Spanien, dann in der Schweiz, schließlich in Deutschland. Hier bilden seit vielen Jahren Köln und Berlin ihre Lebens- und Arbeitsräume. Oft wurde der besondere Reiz der Kunst Ikemuras aus der Begegnung zweier Kulturen erklärt: aus dem Gefühl der Fremdheit, aus dem anderen, nicht-westlichen Verständnis von Person und Raum. Die Künstlerin verzichtet zumeist auf die Darstellung eines
abgegrenzten Individuums, wie es dem westlichen Denken entspricht. Ihre Figurationen sind keine
fixierten und abgegrenzten Gestalten, kein Ausdruck in sich ruhender Identität. Ihnen liegt ein anderes Vorstellungsbild zugrunde: Ikemuras Kunst verweist auf ein Leben vor der Trennung von Subjekt und
Objekt oder auf einen imaginären Ort nach der Überwindung des Subjekt-Objekt-Dualismus.

Neuland betritt die Ausstellung mit Ikemuras bislang noch nicht öffentlich gezeigten Aquarellzyklen
„Artists Popes & Terrorists“ von 2008, ihren „Contemporary Faces Mexican“ sowie der durch Kriegsbilder des Jahres 1941 ausgelösten Bildfolge „Asuka“. In diesen Werkzyklen bezieht sich Ikemura auf konkrete Ereignisse sowie Kunst- und Medienbilder. Ihr Werk gewinnt dadurch eine neue Dimension. 

 

Kuratorin: Pia Müller-Tamm

Assistentin: Sonja Maria Krämer

Ausstellungsarchitektur: Philipp von Matt

Katalog

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hatje Cantz Verlag mit Texten von Renate Berger, Andreas Beyer, Sonja Maria Krämer und Pia Müller-Tamm zum Preis von € 35,-.

Die Ausstellung wird unterstützt von