Max Beckmann, Portrait von Minna Beckmann-Tube, 1911, Lithografie

Das Besondere Blatt
- Max Beckmann

Max Beckmann (1884 – 1950),

Portrait von Minna Beckmann-Tube, 1911

1. Juli bis 30. September 2013

 

Alle drei Monate zeigt das Kupferstichkabinett aus seinem reichen Bestand an Zeichnungen und Druckgrafiken ein ausgewähltes Blatt. Den Besuchern werden so Einblicke in eine Sammlung ermöglicht, deren empfindliche Werke auf Papier nur selten zu sehen sind.

 

Die Darstellung Minna Beckmann-Tubes (1881-1964) zeugt von der großen Empathie Max Beckmanns für seine junge Frau. Die angedeuteten freien Schultern der büstenhaft portraitierten „Mink“ bilden eine Diagonale wodurch der Eindruck entsteht, sie neige ihr Haupt leicht zur Seite. Tatsächlich aber begegnet sie dem Künstler „auf Augenhöhe“, folgt ihre aufrechte Kopfhaltung doch der vertikalen Bildachse.

 

In schnellen, weich skizzierenden Strichen erfasst Beckmann 1911 ihre zur Hälfte verschatteten Gesichtszüge. Das hochgebundene Haar der Portraitierten moduliert ihr Gesicht. Dunkle, kluge Augen blicken ihr Gegenüber mit wacher Eindringlichkeit an. Betonte Schatten unter den Augen, die Beckmann ähnlich einer rituellen Bemalung andeutet, komplementieren Minnas hypnotisierenden Ausdruck. Ihr leicht geöffneter Mund impliziert eine persönliche Nähe zum Künstler, die an einige Portraits denken lässt, die Rembrandt von seiner Frau Saskia malte.

 

Minna Beckmann-Tubes Portrait ist ein bedeutendes Zeugnis der frühen Zeichenkunst Max Beckmanns, abgebildet in der Technik der Lithografie auf Japanpapier.