Martin Schongauer, Die Große Kreuztragung, um 1475

Das Besondere Blatt
Martin Schongauer

Die Große Kreuztragung, um 1475

1. April – 30. Juni 2014

 

Alle drei Monate zeigt das Kupferstichkabinett aus seinem reichen Bestand an Zeichnungen und Druckgrafiken ein ausgewähltes Blatt. Den Besuchern werden so Einblicke in eine Sammlung ermöglicht, deren empfindliche Werke auf Papier nur selten zu sehen sind.

 

Der großformatige Kupferstich des deutschen Malers und Grafikers Martin Schongauer gehörte zu den hoch geschätzten Andachtsbildern seiner Zeit, sein Einfluss reichte bis ins 19. Jahrhundert.

 

Dargestellt ist eine fünfzigköpfige Prozession, die von rechts hinten aus dem hellen Jerusalem nach links in eine bedrohlich bewölkte Hügellandschaft zieht. Im Zentrum findet sich der zusammengesunkene Christus mit dem Kreuz auf der Schulter, der als Einziger aus dem Bild heraus direkt auf den Betrachter schaut, als wolle er diesen still zur Andacht auffordern. Er ist eingebettet in einen lärmenden Menschenzug von Schaulustigen und Peinigern, darunter der Hohepriester Annas. Sein Jünger Johannes und die drei Marien hingegen sitzen wehklagend auf einem Hohlweg in der Ferne.

 

Die geistige Durchdringung der religiösen Szene und die virtuose technische Umsetzung verleihen dem Kupferstich eine bis dahin unbekannte Bildhaftigkeit.