Die Meister-Sammlerin

Karoline Luise von Baden

Große Landesausstellung Baden-Württemberg

30.05. 2015 – 06.09.2015 

 

Eine Meister-Sammlerin war Markgräfin Karoline Luise von Baden (1723-1783) in doppeltem Sinne, denn sie trug Werke älterer und neuerer Meister zusammen, und sie tat dies in meisterlicher Weise – mit großen Kenntnissen und erlesenem Geschmack, Geschick und guten Beziehungen. Durch ihre bedeutenden Erwerbungen begründete sie den internationalen Ruf, den die Karlsruher Sammlung niederländischer und französischer Malerei genießt. Ein Großteil der über 200 Gemälde, die sie kaufte, gehört noch heute zum Bestand der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, darunter Meisterwerke von Teniers und Rembrandt, Vernet und Chardin. Dieser Bilderschatz wird nun vollständig gezeigt, teilweise in den prachtvollen historischen, frisch restaurierten Rahmen. Als Leihgaben kehren andere Gemälde aus Karoline Luises Besitz nach Karlsruhe zurück, so etwa ein grandioses Porträt von Anton van Dyck (Washington), ein dramatischer „Seesturm“ von Willem van de Velde (London), die anmutige Darstellung einer Köchin von Gabriel Metsu (Madrid) und ein üppiges Blumenstillleben von Maria van Oosterwyck (Denver).

 

Die zeitgenössischen Künstler François Boucher und Jean-Etienne Liotard, der Karoline Luise in der Pastellmalerei unterrichtete, sind durch signifikante Werke vertreten. Die Markgräfin schätzte den nüchternen Realismus Liotards und der Niederländer ebenso wie das verspielte Rokoko und den aufkommenden Klassizismus. Eine besondere Vorliebe hatte sie für sehr fein ausgeführte Gemälde, die sie gerne eigenhändig kopierte.

 

Der gebildeten, aufgeklärten und überaus regsamen Markgräfin ist es zu verdanken, dass die Stadt Karlsruhe schon fünfzig Jahre nach ihrer Gründung europaweit als ein Ort der Wissenschaften und Künste anerkannt war. Sie pflegte die Verbindung zu zahlreichen bedeutenden Menschen ihrer Zeit, und so begegnet man in der Ausstellung, in der rund 130 Leihgaben aus zahlreichen Museen Europas und der USA zu sehen sind, der Kaiserin Maria Theresia, dem Philosophen Voltaire, der Kunstfreundin und königlichen Mätresse Madame de Pompadour, dem Botaniker Linné, dem Kunstagenten Jean-Henri Eberts und dem Sammler Comte de Vence. Mit analytischem Verstand und ästhetischem Empfinden sammelte Karoline Kunst, aber auch Porzellan und Naturalien – Bereiche, die in der Ausstellung durch hervorragende Beispiele ebenfalls anschaulich werden.

 

Die Ausstellung, ein Kooperationsprojekt der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, des Landesarchivs Baden-Württemberg und der Università della Svizzera italiana, steht unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, und Seiner Königlichen Hoheit Prinz Bernhard von Baden.

Forschungsprojekt

 

Die Karoline Luises Mahlerey-Cabinet steht im Zentrum eines interdisziplinären Forschungsprojektes, in dem ein Team von Wissenschaftler/innen der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, des Generallandesarchivs Karlsruhe ( Prof. Dr. Wolfgang Zimmermann, Dr. Thorsten Huthwelker) und der Università della Svizzera italiana (Prof. Dr. Christoph Frank) zusammenarbeiten. Neben den Bildern des  Mahlerey-Cabinets gibt die umfangreiche, größtenteils nicht publizierte schriftliche Korrespondenz der Markgräfin mit mehr als 750 Persönlichkeiten aus ganz Europa einen faszinierenden Einblick in die Sammelpraxis und die kunsttheoretischen Diskurse der Aufklärung. Finanziell wird das Forschungsprojekt getragen von der VolkswagenStiftung, Hannover, und der Kulturstiftung der Länder, Berlin.

Begleitprogramm

Vorträge

Do., 27.8., 19 Uhr

Jean-Etienne Liotard, Karoline Luise und die widerstreitenden Ideale von Malerei im 18. Jahrhundert

Prof. Dr. Marianne Koos, Fribourg / Schweiz

1745/46 engagierte die junge Prinzessin Karoline Luise von Hessen-Darmstadt den in Genf geborenen, in Paris ausgebildeten und bis ins osmanische Reich gereisten, an den wichtigsten Höfen in ganz Europa tätigen „peintre turc“ und „peintre de la vérité“ Jean-Étienne Liotard (1702-1789) als ihren Lehrer – eine für ihre große Kennerschaft wie spätere Sammeltätigkeit als Markgräfin von Baden prägend Begegnung. Was aber war es, was Jean-Étienne Liotard seiner Schülerin damals so eindringlich vermittelte? Ausgehend von einem kurzen Überblick über die Besonderheit von Liotards Malereiidealen im Vergleich zum dominanten Kunstdiskurs des 18. Jahrhunderts wird sich der Vortrag auf die Analyse eines Bildes konzentrieren, das besonders gut geeignet ist vor Augen zu führen, wie sehr Liotard mit seiner Kunst nicht nur bei den von Karoline Luise so gerne gesammelten Fijnschilders (der Niederlande des 17. Jahrhunderts) anschließt, sondern bis in die Moderne vorausweist. Der Vortrag wird verdeutlichen, was Karoline Luise mit ihrem Engagement von Liotard auch gewagt hat.

 

Eintritt jeweils € 4 / ermäßigt € 2

Themenführung

Di., 25.08., 19 Uhr

Das Pastell – Karoline Luise als Schülerin, Künstlerin und Sammlerin

Dr. Astrid Reuter

€ 2,– zuzügl. Eintritt.

Öffentliche Führungen

Täglich (außer Mo) 15:30 Uhr

Teilnahmegebühr / Tarif € 2

Weitere Informationen aktuell im „Kalender“

Ausstellung im Generallandesarchiv Karlsruhe

En voyage. Die Europareisen der Karoline Luise von Baden

Juni – Oktober 2015

Im Generallandesarchiv werden Sie eingeladen, mit Markgräfin Karoline Luise auf Europa-Reise zu gehen. Paris, Venedig und Nimes, Antwerpen und Dresden, Mannheim und Düsseldorf sind nur einige Stationen - Stadtansichten, Landkarten und Tagebücher veranschaulichen die Reisen der Markgräfin.

Karoline Luise und der Stadtgeburtstag


Das Jubiläumsjahr 2015 in Karlsruhe, das sind 365 Tage im Zeichen des Stadtgeburtstags und 15 Wochen Festivalsommer vom 17.06.2015 bis zum 24.09.2015.