Grandville, Daumier, Traviès – « L’Association mensuelle »

Daumiers eindrucksvolle Komposition nimmt Bezug auf die dramatischen Aprilunruhen im Jahr 1834.

Grandville, Daumier, Traviès –
« L’Association mensuelle »

Werke aus dem Kupferstichkabinett, Vorlegesaal

7. Februar – 14. Juni 2015

Grandville, Honoré Daumier, Charles Joseph Traviès – diese Namen sind eng mit der Blüte der Karikatur in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbunden. Scharfsinnig traten diese Künstler für Meinungs- und Pressefreiheit ein und bezogen mit ihren Blättern Stellung in den politischen Debatten der Zeit. Nach der Julirevolution 1830 kam es zu weiteren Unruhen und innenpolitischen Krisen. Die Presse sah sich unter dem neuen König Louis-Philippe durch Beschlagnahmungen, Prozesse und Geldstrafen wegen Majestätsbeleidung und kritischer Berichte in ihrer Existenz bedroht. Charles Philipon, Herausgeber der wöchentlich erscheinenden Zeitschrift „La Caricature“ mit Kommentaren und Karikaturen zur aktuellen Politik, suchte nach neuen Wegen zur Unterstützung seines Blattes und gründete 1832 die „Association mensuelle pour la liberté de la presse“. Die Subskribenten der „Caricature“ erhielten gegen einen Aufpreis monatlich eine exklusive Grafik, die nicht in den freien Verkauf gelangte. Zwischen 1832 und 1834 erschienen insgesamt 24 Blätter.

Die Lithographien von Grandville, Daumier und Traviès zeichnen sich sowohl durch ihre hohe künstlerische Qualität als auch ihre Schärfe aus, die weder politische noch religiöse Rücksichten kennt, um für die öffentliche Meinungsfreiheit einzutreten. In dieser Tradition stehen die französischen Karikaturisten bis heute, ihnen fühlten sich auch die Zeichner von „Charlie hebdo“ verpflichtet. Wie hoch der Preis für Satire und schonungslose Kritik sein kann, haben die Ereignisse der jüngsten Zeit in schrecklichster Weise gezeigt.

Grandvilles Blatt zeigt wie Talleyrand vor dem Altar die Birne als Reliquie in die Höhen erhebt, gestützt rechts und links von Innenminister Adolphe Thiers und Unterrichtsminister Guillaume Guizot. Weitere Politiker schwenken in Gestalt von Ministranten die Weihrauchfässer. Die Erhebung der Birne ist das Symbol für König Louis-Philippes Regierung. Sie wird als eine leere Staatsreligion kritisiert, die sich vom Geist der Julirevolution von 1830 verabschiedet hat.

König Louis-Philippe und seine Anhänger überfallen die Werkstatt der Pressefreiheit in ihrer Druckerwerkstatt. Die Allegorie der «Liberté» mit einer phrygischen Mütze steht vor der Druckerpresse und wird vom König frontal angegriffen. Grandvilles Komposition spielt auf die existenzbedrohenden Justizurteile der Regierung an, die die oppositionelle Presse durch Haft- und Geldstrafen zum Schweigen zu bringen suchte.