Krieg und Frieden

Radierungen von Jacques Callot aus dem Kupferstichkabinett

Bis 3. Oktober 2015

 

Der Lothringer Künstler Jacques Callot gehört zu den bedeutendsten Grafikern der Kunstgeschichte. 1592 in Nancy geboren, schuf er bis zu seinem Tod im Jahr 1635 rund 1.400 Radierungen sowie zahlreiche Zeichnungen, die ein breites Themenspektrum aufweisen. Bereits zu Lebzeiten waren seine Blätter sehr gefragt – höfische Fest- und Theaterszenen, Porträts und Herrscherbildnisse, aber auch Landschaften, Stadtansichten und Genrebilder wurden zu Tausenden verlegt und verkauft.

 

Die nachhaltigste Wirkung rief jedoch seine Große Kriegsfolge aus dem Jahr 1633 hervor, Les misères et les malheures de la guerre (Elend und Unglück des Krieges): Zum ersten Mal wurden Kriegsereignisse nicht als triumphale Erfolge eines Siegers ästhetisiert, sondern mit all ihren Gräueltaten und dem Leid, das sie verursachen, geschildert. Anlass war der Einzug der Truppen Ludwig XIII. in Lothringen, in dessen Folge die französische Soldateska in Stadt und Land des unabhängigen Herzogtums grausam marodierte. Rund 200 Jahre später sollten diese Blätter als Vorbild für Francisco de Goyas berühmte Serie "Los desastres de la Guerra" (Die Schrecken des Krieges) dienen.
Im Karlsruher Kupferstichkabinett befinden sich rund 400 Blätter aus dem Werk Jacques Callots. Sie gehören zum ältesten Bestand der Sammlung und wurden wahrscheinlich von Markgraf Friedrich V. (1594 – 1659) zu Lebzeiten des Künstlers erworben.