Erworben aus „jüdischem Vermögen“

Grafische Blätter der Sammlung Haymann

16. April - 17. Juli 2016


Die Kunsthalle hat im Jahr 1943 ein großes Konvolut an Büchern und Grafikmappen vom Finanzamt Müllheim erworben. Der jüdische Arzt  und Kunstsammler Hermann Haymann aus Badenweiler  musste die Papierarbeiten 1938 verpfänden, um mit  dem Erlös die Judenvermögensabgabe und die bei seiner Ausreise aus Deutschland in die USA obligatorisch zu leistende Reichsfluchtsteuer zu begleichen. Nach dem Krieg wurde diese Erwerbung ordnungsgemäß bei der US ­amerikanischen Militärregierung als Ankauf aus „jüdischem Vermögen“ gemeldet und die Kunstwerke 1951 an Hermann Haymann restituiert. Im Rahmen der Provenienzforschung  wurden acht Grafikmappen mit 75 expressionistischen Druckgrafiken und ein Kunstbuch gefunden, die man damals offenbar vergessen hat.
Es ist gelungen, die rechtmäßige Erbin nach Hermann Haymann zu ermitteln. Frau Rina Lior Alexander aus Israel ist seine Nichte und letzte noch lebende Verwandte. Da sie auf eine Rücknahme der Kunstwerke verzichtet hat, wurden sie nun von der Kunsthalle zurückgekauft.
Diesem besonderen Sammlungszugang wird vom 16. April bis 3. Juli 2016 eine  Ausstellung gewidmet, um die Erinnerung an Herrmann  Haymann und das Schicksal der Juden in Baden ­Württemberg  zu wahren.