Zeichnungen und Druckgrafik

Eines der ältesten Kupferstichkabinette

Das Karlsruher Kupferstichkabinett zählt zu den ältesten, bis heute fortlaufend gewachsenen Grafiksammlungen Europas. Den Grundstein für die rund 100.000 Blätter umfassende Sammlung legten die Markgrafen und späteren Großherzöge von Baden.

 

Schon früh bildeten sich dabei zwei Schwerpunkte heraus: Zum einen wurden Zeichnungen und Druckgrafik der altdeutschen, insbesondere am Oberrhein tätigen Meister wie Martin Schongauer, Albrecht Dürer, Matthias Grünewald und Hans Baldung Grien gesammelt und ein Konvolut von rund 1100 oberrheinischen Scheibenrissen erworben. Zum anderen richtete sich das Interesse auf Radierungen der Barockzeit aus verschiedenen europäischen Schulen, beispielsweise von Jacques Callot, Wenzel Hollar und Stefano della Bella. Ergänzt wurden diese Bestände später durch umfangreiche Werkkomplexe großer Radierer des 18. Jahrhunderts, so etwa Giovanni Battista Piranesi oder Jean Jacques de Boissieu, sowie einer repräsentativen Auswahl englischer Schabkunstblätter.

 

Besonders stark wuchs die Sammlung im 19. Jahrhundert. Die Großherzöge Leopold und Friedrich suchten ihre Residenzstadt Karlsruhe durch die Gründung der Kunsthalle 1837 und der Kunstschule (Akademie) 1854 zu einem Kunstzentrum von überregionaler Bedeutung und Ausstrahlung zu machen. Umfangreiche Zeichnungsbestände von Künstlern, die zumindest zeitweise in Karlsruhe tätig waren, spiegeln diese Absicht. Das Kabinett besitzt über 8.400 Einzelblätter sowie 127 Skizzenbücher von Künstlern wie Johann Wilhelm Schirmer, Anselm Feuerbach, Hans Thoma, Ferdinand und Gustav Kampmann. Das badische Kunstschaffen blieb während des 19. Jahrhunderts im Fokus der Aufmerksamkeit.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg gewannen internationale Tendenzen deutlich an Gewicht. Durch staatliche Ankäufe und private Schenkungen entstanden neue Schwerpunkte, zu denen die Kunst der „Brücke“ (Zeichnungen und Drucke vor allem von Erst Ludwig Kirchner und Erich Heckel), die Neue Sachlichkeit in ihren unterschiedlichen Ausprägungen (Otto Dix, Georg Scholz, Karl Hubbuch) sowie die Druckgrafik der klassischen französischen Moderne zählen. Mit Hilfe von Lottomitteln konnte eine qualitätvolle Sammlung französischer Zeichnungen von Claude Lorrain bis Fernand Léger, darunter auch meisterliche Blätter von Jean-Honoré Fragonard und Edgar Degas, zusammengetragen werden. Heute spielt auch die Gegenwartskunst, vornehmlich die des deutschsprachigen Raums, eine herausgehobene Rolle für die Sammlungs- und Ausstellungstätigkeit.

 

Der von Moritz von Schwind ausgemalte Vorlegesaal mit seinen alten Sammlungsschränken befindet sich im 1846 eröffneten Ursprungsbau der Kunsthalle. Jeweils für drei Monate wird dort ein Werk des Kupferstichkabinetts – „Das besondere Blatt“ – gezeigt, das auch auf unserer Homepage vorgestellt wird.

 

Darüber hinaus besteht jeden Mittwoch zwischen 14 – 17 Uhr die Möglichkeit, sich individuell Grafiken vorlegen zu lassen. Termine sind auch nach Vereinbarung möglich.

 
© 2014 Staatliche Kunsthalle Karlsruhe