Camille Corot

Natur und Traum

29.9.2012–20.1.2013 

 

Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe stellt erstmals in Deutschland das Werk des französischen Künstlers Camille Corot (1796 – 1875) vor. Rund 180 Gemälde, Zeichnungen und druckgrafische Arbeiten geben einen Überblick über die Vielfalt seines Schaffens – von lichthaltigen Freilichtstudien zu lyrischen Landschaften und großformatigen Dekorationen, von empfindsamen Porträts zu rätselvollen Fantasiefiguren. Neben Werken aus dem eigenen Sammlungsbestand sind über 170 internationale Leihgaben u.a. aus dem Louvre, dem Metropolitan Museum in New York, den Uffizien in Florenz und der National Gallery in London zu sehen.

 

Mit der Corot-Ausstellung richtet die Kunsthalle den Fokus auf eine Künstlerpersönlichkeit, die sich den gängigen Vorstellungen – Traditionalist oder Avantgardist – entzieht. Seine frühen Ölstudien im Freien deuten auf seine klassizistische Ausbildung hin, die sich an der historischen Landschaftsauffassung des 17. Jahrhunderts orientierte. Innerhalb der zeitgenössischen Strömungen von Klassizismus, Romantik und Realismus entwickelte Corot eine eigenständige Bildsprache, die wegweisend für nachfolgende Künstlergenerationen werden sollte.

 

Neben seinen von vielen Reisen inspirierten Landschaften schuf Corot Porträts seiner Familie und Freunde sowie Fantasiefiguren, in denen er sich auch Vorbildern der Renaissance und des 17. Jahrhunderts verpflichtet fühlte. Schließlich werden erstmals in Deutschland die Serien seiner großformatigen Dekorationen zu sehen sein, mit denen er die Wohnungen seiner Freunde ausstattete. Die für Corots Malstil charakteristische Modernität wird zudem in einer Auswahl seiner Zeichnungen und Druckgrafiken offenbar, deren bisweilen ungebändigter, sich vom Gegenstand lösender Duktus, überrascht.

 

Um Corots künstlerischen Rang wie seine Individualität gleichermaßen sichtbar zu machen, wird die Ausstellung sowohl ausgewählte Werke seiner unmittelbaren Vorgänger und Zeitgenossen wie Pierre-Henri de Valenciennes, Achille-Etna Michallon und Jean-Victor Bertin einbeziehen, als auch exemplarisch Vorbilder aus der großen französischen Malereitradition von Nicolas Poussin, Claude Lorrain und Antoine Watteau. In einem Ausblick soll die Wirkung von Corots Werk für die nachfolgende Generation durch Arbeiten von Pissarro, Cézanne und Odilon Redon anschaulich werden.

 

Was Corot für den heutigen Betrachter interessant macht, ist seine Entdeckung der Stimmung als übergeordnetes Bildthema. Als Künstler der Tradition und der Moderne markiert sein Werk zudem den Übergang in eine Malerei, die sich aus neuen Quellen speiste. So ist Corots außergewöhnliches Oeuvre nicht ohne seine Liebe zur Musik zu denken. Über die biografische Tatsache seines Interesses am Pariser Musik- und Theaterleben hinaus wird in der Ausstellung seine strukturelle Affinität und gestalterische Neigung zur Variation und Paraphrase im Hinblick auf Formen der Musik verständlich. Dies ist sowohl Thema eines Essays im Katalog, als auch Inhalt des Begleitprogramms. Gleiches gilt für Corots Verhältnis zur Literatur. Heute ist die Vielseitigkeit und Seriosität seiner Lektüren bekannt, ebenso wie seine persönlichen Beziehungen zu zeitgenössischen Dichtern und Schriftstellern wie Théophile Gautier und Gérard de Nerval. Eine Schlüsselfigur in diesem Kontext ist Charles Baudelaire, mit seiner Vorstellung einer Korrespondenz zwischen Dichtung, Musik und Malerei.

 

SWR2 Treffpunkt Klassik extra mit Corot-Kuratorin Prof. Dr. Margret Stuffmann

 

BNN-Sonderbeilage "Camille Corot. Natur und Traum" vom 22.09.2012

 

Informationen zum Ausstellungskatalog

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