Walter Stöhrer

Der Mensch ist ein Augentier

bis 21. Oktober, Orangerie

 

Die Kunsthalle zeigt eine Kabinettausstellung in der Orangerie. Sie rückt die bislang kaum beachteten Skizzenbücher des in vielen Kunstmuseen vertretenen Künstlers in den Vordergrund. Zu sehen sind 39 Skizzenbücher, sechs Gemälde sowie einige ergänzende Radierungen und Zeichnungen. Zeitgleich mit der Ausstellung erscheint ein opulenter Bildband, in dem der Autor Gerd Presler in Zusammenarbeit mit der Walter Stöhrer-Stiftung und der Kunsthalle Karlsruhe die Skizzenbücher Stöhrers dokumentiert hat.

 

Bei den im Buch und in der Ausstellung vorgestellten Werken handelt es sich um Walter Stöhrers sogenannte Kladden, mit Nadel und Faden vom Künstler Anfang der 1960er-Jahre zu Heften zusammengenähte Skizzenblätter, übermalte Kataloge und Prospekte sowie Notiz- und Skizzenhefte. Sie geben Einblick in seine Denk- und Arbeitsprozesse und zeigen einen Künstler, dessen Bildsprache am Übergang von Schreiben und Zeichnen entsteht. Ausschnitthaft verkürzt oder auch frei montiert, dienen ihm die Texte als Reibungsfläche und Impulsgeber seines künstlerischen Gestaltens. Dabei schließt das inhaltliche Spektrum des „Bücherverschlingers“ Walter Stöhrer unterschiedlichste Autoren ein, es reicht von der Antike bis zu den französischen Surrealisten und der Avantgarde der Nachkriegszeit.

 

Der 1937 in Stuttgart geborene Künstler, der seit Mitte der 1950er-Jahre an der Karlsruher Akademie der Bildenden Künste bei HAP Grieshaber studiert hat, gilt als Einzelgänger. Zu vielgestaltig ist sein Werk, um es einer speziellen Kunstrichtung zuzuordnen. Figurative ebenso wie abstrakte Formen, die impulsive freie Geste, aber auch skripturale Bildelemente kennzeichnen das Schaffen des Malers, der wichtige Impulse im Berlin der 1960- und 1970er-Jahre erhalten hat. Der Künstler wurde 1984 zum Mitglied der Akademie der Künste gewählt. Obwohl Stöhrer seit 1984 eine Professur an der Berliner Hochschule der Künste innehatte, zog er sich in dieser Zeit immer öfter nach Scholderup in Schleswig-Holstein zurück. Dort starb er 2000 nach längerer Krankheit.

 
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