Forschung

Forschungsprojekt
Aufgeklärter Kunstdiskurs und höfische Sammelpraxis.
Das Malereikabinett Karoline Luises von Baden (1723-1783) im europäischen Kontext

Laufzeit: Juni 2013 – Oktober 2016

Ein Kooperationsprojekt der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe mit dem Landesarchiv Baden-Württemberg und der Università della Svizzera italiana

Das Malereikabinett der Markgräfin Karoline Luise von Baden-Durlach (1723-1783) ist das außergewöhnliche Beispiel einer höfischen Kunstsammlung des späten 18. Jahrhunderts. Sein Kernbestand von ca. 150 Gemälden ist heute noch in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe erhalten. Er bildet zusammen mit dem umfangreichen, im Generallandesarchiv Karlsruhe vollständig überlieferten Nachlass in 154 Bänden eine einzigartig dichte Quellenüberlieferung, die paradigmatisch die kunsthistorische und ideengeschichtliche Analyse und Erforschung dieser Sammlung ermöglicht. Das private Sammeln der kosmopolitisch gesonnenen Markgräfin erweist sich als Übergangsphänomen vom dynastischen Kunstgenuss hin zum öffentlichen und demokratischen Museum.

Das von der VolkswagenStiftung geförderte Forschungs- und Editionsprojekt leistet nicht nur einen Beitrag zur Erforschung der Genese und Funktion europäischer Kunstsammlungen im 18. Jahrhundert, sondern deckt darüber hinaus die Mechanismen des zeitgenössischen Kunstmarktes auf und beleuchtet die Formulierung ästhetischer Grundsätze durch aufgeklärte Kommunikation.

Die Leitfragen des Projekts wurden 2014 auf einer internationalen Konferenz in Karlsruhe zur Diskussion gestellt und in den europäischen Forschungskontext eingeordnet. Die Große Landesausstellung Baden-Württemberg „Die Meister-Sammlerin. Karoline Luise von Baden“ in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe (30. Mai bis 6. September 2015) und die ergänzende Themenausstellung „En Voyage. Die Europareisen der Karoline Luise von Baden“ im Generallandesarchiv Karlsruhe (17. Juni bis 16. Oktober 2015) konnten bereits auf den Forschungsergebnissen aufbauen und diese zugleich an ein breiteres Publikum vermitteln. Die Online-Plattform „Kunst und Korrespondenz. Karoline Luise von Baden“ präsentiert in technisch und inhaltlich innovativer Form die umfangreiche Materialbasis, indem sie Korrespondenzen und Gemälde miteinander verknüpft und somit der Wissenschaft vielfältige Forschungsmöglichkeiten eröffnet.

Publikationen:

Holger Jacob-Friesen/Pia Müller-Tamm in Verbindung mit Christoph Frank und Wolfgang Zimmermann (Hg.): Die Meister-Sammlerin. Karoline Luise von Baden, Ausstellungskatalog, Berlin/München 2015. Geb. 544 S.

Christoph Frank/Wolfgang Zimmermann in Verbindung mit Holger Jacob-Friesen und Pia Müller-Tamm (Hg.): Aufgeklärter Kunstdiskurs und höfische Sammelpraxis. Karoline Luise von Baden im europäischen Kontext, Berlin/München: Deutscher Kunstverlag 2015. Geb. 280 S.

Online-Präsentation:

Karoline Luise von Baden. Kunst und Korrespondenz: http://www.karoline-luise.la-bw.de/

Provenienzforschung

Provenienzforscherin Tessa Rosebrock fand die Erben der restituierten Grafiken von Marcus de Bye


Auf der internationalen Konferenz über Holocaust-Vermögenswerte, die im Dezember 1998 in Washington stattfand, wurden von 44 Ländern elf Prinzipien verabschiedet, die zur Lösung offener Fragen im Zusammenhang mit durch die Nationalsozialisten beschlagnahmten Kunstwerken beitragen sollen.

Washingtoner Prinzipien

 

Seitdem sehen sich öffentliche Museen, Bibliotheken und Archive insbesondere in Deutschland der Aufforderung gegenübergestellt, ihre Sammlungen auf möglicherweise verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut zu durchsuchen. Dieser Verpflichtung kommt die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe nach. Für die Provenienzforschung am Haus ist seit April 2010 die Kunsthistorikerin Tessa Rosebrock zuständig. Diese Wissenschaftlerstelle wurde für drei Jahre finanziell von der Arbeitsstelle für Provenienzrecherche/-forschung in Berlin unterstützt. Seit Oktober 2013 werden die Mittel vollständig vom Land Baden-Württemberg gestellt.

Arbeitsstelle für Provenienzforschung

 

Unter Provenienzforschung versteht man die wissenschaftliche Untersuchung der Herkunft von Kunstwerken und ihrer Geschichte bevor sie ins Museum gelangen. Ein lückenloser Beleg der Eigentümerschaft ist in diesem Zusammenhang oberstes Ziel. Überprüft werden Sammlungseingänge in die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe seit 1933, die vor 1945 entstanden sind. Im Vordergrund stehen dabei Gemälde, die während des Zweiten Weltkriegs von der Generalverwaltung der oberrheinischen Museen erworben wurden.

 

Durch intensive Beschäftigung mit den Objekten und die systematische Aufarbeitung von Quellenmaterial in eigenen und fremden Archiven wird ergründet, auf welchem Weg eine Arbeit das Künstleratelier verlassen hat, ob und auf welche Weise sie den Kunsthandel durchlief und wer ihre Eigentümer waren. Unvollständige Provenienzen sollen komplettiert und eventuelle illegitime Eignerwechsel aufgedeckt werden.

 

Die aus der Forschungsarbeit hervorgehenden Ergebnisse finden Eingang in die hauseigenen Bestandskataloge, von denen zwei in näherer Zeit publiziert werden. Außerdem werden sie in die Objektdatenbank IMDAS eingepflegt.

Jahrbuch der Staatlichen Kunstsammlungen in Baden-Württemberg

Seit 1964 erscheint das „Jahrbuch der Staatlichen Kunstsammlungen in Baden-Württemberg“ im Deutschen Kunstverlag. Es enthält wissenschaftliche Aufsätze sowie Berichte zu den aktuellen Neuerwerbungen der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, des Badisches Landesmuseums Karlsruhe, der Staatsgalerie Stuttgart sowie des Landesmuseums Württemberg und des Linden-Museums in Stuttgart.

Der 50. Band setzt einen inhaltlichen Schwerpunkt auf die aktuell in Kunstgeschichte und Öffentlichkeit breit diskutierte Provenienzforschung, etwa mit Beiträgen zur Staatsgalerie Stuttgart in der Zeit des Nationalsozialismus, zur Herkunft eines Goya-Porträts in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, und zu Raub, Entschädigung und Restitution einzelner Werke aus weiteren landeseigenen Sammlungen.

 
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