Blick in die Sammlung

Leiko Ikemura: Fuku

Pia Müller-Tamm: Leiko Ikemuras “Fuku”

Leiko Ikemura ist bekannt für Bilder von elementaren Welten aus Land und Meer, Licht und Farbe. Fuku ist ein Ausnahmewerk im Werk der japanischen Künstlerin: das frontale, vom Schmerz verzerrte Gesicht einer weinenden Frau. Das Aquarell verzichtet auf alle erzählerischen Momente und ist doch gekoppelt an eine historisch einschneidende Erfahrung: Fukushima. Mit dem Namen der Stadt verbinden sich die Naturkatastrophe des Erdbebens und des Tsunami vom März 2011, die Havarie des Atomkraftwerks, die Verwüstung weiter Landstriche mit gravierenden Folgen für über 300 Tausend Menschen. Kann die Kunst auf die Gewalt der Gefühle von Schock, Trauer, Angst und Ohnmacht angemessen reagieren? Kann ästhetische Verdichtung gelingen in einer Aktualität, die sich in einem diffusen Geflecht von Augenzeugen- und Medienberichten herstellt? 

Fuku ist Leiko Ikemuras singuläre künstlerische Antwort auf die Katastrophe: ein Bild von hoher Expressivität, abgefasst in jenem abstrakten Modus, der die Motive rein aus der Farbe heraus entstehen lässt und sie kurz vor der Auflösung hält. Fuku – der Aufschrei einer Grenzgängerin zwischen den Kulturen, die unter dem besonderen Druck der tödlichen Ereignisse eine existentielle Antwort formuliert hat. 

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