Neuerwerbungen

Bedeutende Ankäufe für die Kunsthalle Karlsruhe

Mit Unterstützung der Museumsstiftung Baden-Württemberg und der Kulturstiftung der Länder konnten drei hochrangige Werke vom Meister von Meßkirch und Karls Hofer angekauft werden.

Die Tafeln des Meisters von Meßkirch

Die beiden Tafelgemälde "Der Heilige Johannes der Täufer mit der Stifterin Apollonia von Henneberg" und "Die Heilige Maria Magdalena" bildeten ursprünglich die Vorder- und Rückseite des rechten Drehflügels des ehemaligen Hochaltars der Kirche St. Martin in Meßkirch.

 

Sie entstanden zwischen 1535 und 1538. Der Notname des anonym gebliebenen Malers bezieht sich auf diesen Ort, für dessen Kirche er zahlreiche Altarbilder schuf. Die originelle Kombination von spätmittelalterlichen Darstellungsformen und neuzeitlichen Stilmitteln in seinen Altarbildern ist ein Zeitzeuge der frühen Gegenreformation. Seit 2013 ist die Tafel "Der Heilige Martin mit Bettler und dem Stifter Gottfried von Zimmern" in Besitz der Kunsthalle. Graf Gottfried Werner von Zimmern war Bauherr der Kirche und Auftraggeber ihrer Ausstattung. Die seiner Ehefrau Apollonia gewidmete Tafel konnte nun gemeinsam mit der Darstellung Maria Magdalenas erworben werden. 

Meister von Meßkirch: Der Heilige Martin von Tours mit dem Stifter Gottfried Werner von Zimmern (2013 erworben) Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Meister von Meßkirch: Der Heilige Johannes der Täufer mit der Stifterin Apollonia von Henneberg, um 1538 Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Meister von Meßkirch: Die Heilige Maria Magdalena, um 1538 Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Das Selbstbildnis Karl Hofers

Karl Hofers Gemälde "Selbstbildnis mit Dämonen" ist für die Sammlungsgeschichte der Kunsthalle von großer Bedeutung: Das Selbstbildnis des gebürtigen Karlsruhers wurde 1923 durch den damaligen Kunsthalle-Direktor Willy Storck angekauft. Hofer - in einem weißen Malerkittel gekleidet - ist in diesem Werk als relativ kleine Figur dargestellt, die von allen Seiten durch übergroße, grellfarbige Fratzen bedrängt wird.

 

Das Werk "Selbstbildnis mit Dämonen", das 1922/23 entstand, lässt sich als künstlerischer Kommentar auf Politik und Gesellschaft deuten. Aufgrund der Befürchtung einer potenziellen Beschlagnahmung des Werkes im Rahmen der nationalsozialistischen Aktion "Entartete Kunst" tauschte Museumsdirektor Kurt Martin das Gemälde 1936 gegen ein unverfänglicher wirkendes Landschaftsgemälde des Künstlers. "Selbstbildnis mit Dämonen" überstand den Krieg unbeschadet im Besitz Hofers Familie.

 

1992 gelangte es von dort in die Kunstsammlung Rolf Deyhles, der es 1999 versteigern ließ. Seitdem war es in Besitz der Galerie Pels-Leusden AG in Zürich. Im Rahmen der Rückerwerbung wurde das Werk durch die Kunsthalle technologisch untersucht und seine Geschichte wissenschaftlich aufgearbeitet. Die Ergebnisse finden sich im Band 2 der Reiche "Spurensuche. Provenienzforschung an der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe".

Karl Hofer: Selbstbildnis mit Dämonen, 1922/23 © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Die Erwerbungen konnten mit großzügiger Unterstützung der Museumsstiftung Baden-Württemberg und der Kulturstiftung der Länder realisiert werden.