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Ein Stadtpalast in bester Lage

Weinbrenners Zeichnung des geplanten Palastes für die zweite Ehefrau des Markgrafen und die gemeinsamen Kinder zeigt den Schnitt durch das Gebäude, die Fassade zum Garten und die Fassade zum Rondellplatz hin. Der Plan gibt den Stand wieder, der zur Ausführung bestimmt war. Dies bestätigte der Auftraggeber durch seinen Vermerk in der rechten oberen Ecke des Ausführungsentwurfs. Dort heißt es:

„Da ich für meine Gemahlin und meine gräflichen Kinder eine Wohnung von diesem Umfang […] nothwendig erachte, so gebe ich dem Baudirektor Weinbrenner den Auftrag diesen von mir gebilligten […] Plan auszuführen. […] Carl Friedrich Kurfürst.“

Blick in die Vergangenheit

Eine vor 1872 aufgenommene Fotografie zeigt die Ansicht des Rondellplatzes mit dem Markgräflichen Palais mit Blickrichtung auf das Ettlinger Tor. In der Platzmitte steht die ebenfalls von Weinbrenner entworfene Verfassungssäule.

Fotografie: Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XIIIb 44

In prominenter Nachbarschaft

Die Blickrichtung in einer Zeichnung von J. J. Berger folgt dem Straßenverlauf auf das Ettlinger Tor zu. Neben dem nach Weinbrenners Entwurf erbauten Stadttor stand rechts sein Privathaus. Alle Bauten benutzten die klassizistische Formensprache mit ihren ausgewogenen Proportionen und symmetrischen Gliederungen. Das klassizistische Bauen unterrichtete Weinbrenner in seiner Bauschule, die auch in seinem Haus untergebracht war.

Zeichnung des Ettlingertors mit Säulenportikus. Daneben steht ein ebenfalls klassizistisches an die römische Architektur angelehntes Wohnhaus, in dem Friedrich Weinbrenner lebte.

Weinbrenners Vision

Die Gesamtansicht der digitalen Rekonstruktion zeigt den prachtvollen Mitteltrakt des Markgräflichen Palais‘, der von den Seitenflügeln flankiert wird. Die Fassade besitzt eine einheitlich helle Farbe, die Fensterläden und Türen setzen sich leicht davon ab.

Rekonstruktion: © Prof. Dr.-Ing. Julian Hanschke

Das Gesicht zur Stadt

Die rekonstruierte Hauptfassade, die mit ihrer tempelartig gestalteten Eingangsfront den Karlsruher Rondellplatz dominierte.

3d visualisierte Rekonstruktion des Markgräfliches Palais Haupttrakts mit Säulen Portikus © Prof. Dr.-Ing. Julian Hanschke

Im idyllischen Garten

Diese fotografische Aufnahme zeigt die eingewachsene Gartenseite des Markgräflichen Palais‘ mit altem Baumbestand um 1900.

Fotografie: Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart, Bildarchiv Karlsruhe

Harmonie in Stein

Die detailreichen digitalen Visualisierungen zeigen den Mitteltrakt der eleganten Gartenfassade und die vollständige Gartenfront des Palais‘. Die Gestaltung der Seitenflügel ist nicht streng symmetrisch, sondern hier links, zum Ettlinger Tor hin, um einen Gebäudeteil erweitert.

3d visualisierte Rekonstruktion des Markgräflichen Palais aus Perspektive der Gartenfassade. Mit einem Langbau, zwei Seitenflügeln und zwei Querbauten. © Prof. Dr.-Ing. Julian Hanschke
3d visualisierte Rekonstruktion des Markgräflichen Palais aus Perspektive der Gartenfassade. Mit einem Langbau, zwei Seitenflügeln und zwei Querbauten. © Prof. Dr.-Ing. Julian Hanschke

Grandeur im Detail

Auch die Zeichnung des Grundrisses wurde im August 1804 vom Auftraggeber „Carl Fridrich Kurfürst“ durch seinen Vermerk zur Ausführung freigegeben (links oben, auf dem Kopf stehend). Die Aufteilung der Räume ist um das zentrale Treppenhaus und um zwei Innenhöfe in den Seitenflügeln organisiert, dort befanden sich die Privaträume der Familie. Der Plan sah bereits die verschiedenen Muster der Fußböden vor.

Repräsentative Strenge

Die digitale Rekonstruktion des Vestibüls gibt einen Eindruck von der Eingangssituation: Beim Eintreten in das Palais gelangte man in eine von Säulen gestützte Eingangshalle. Zwei Treppenläufe führten von dort aus ins obere Geschoss.

3d visualisierte Rekonstruktion des Markgräflichen Palais, Blick in den Innenraum, in ein sogenanntes Vestibül, mit Karofliesen, Säulen und einem Treppenaufgang © Prof. Dr.-Ing. Julian Hanschke

Ein Treppenhaus als Inszenierung

Die Zeichnung eines unbekannten Schülers von Weinbrenner (KIT, saai) dokumentiert die Treppenhalle im ersten Geschoss. Dort öffnete sich das Treppenhaus in einen luftigen, weiten Raum, über dem sich eine halbrunde Decke mit einem Oberlicht wölbte.

3d visualisierte Rekonstruktion des Markgräflichen Palais, Blick in eine tonnengewölbte Halle im ersten Obergeschoss. © Prof. Dr.-Ing. Julian Hanschke

Die digitale Rekonstruktion zeigt die Ansicht der tonnengewölbten Treppenhalle von der gegenüberliegenden Seite des Raumes. Weinbrenners Entwurf nutzte die Proportionen des Raums, die Lichtführung und das Farbkonzept, um eine erhabene Wirkung zu erzeugen.

Ein Palast par excellence

Auf der Grundlage vieler einzelner Informationen lassen sich die Raumfolge und die Ausstattung des Palasts wieder digital zusammenführen. Diese Informationen stammen z. B. aus Zeichnungen von Weinbrenner und seinen Schülern, Quellen wie alten Fotografien oder wenigen erhaltenen Bruchstücken der Ausstattung. Hier lässt der perspektivische Schnitt durch das rekonstruierte Palais das Volumen der Räume im Mitteltrakt erahnen. Im ersten Geschoss befanden sich auf beiden Seiten der zentralen Treppenhalle prächtig ausgestattete, große Säle.

3d visualisierte Rekonstruktion perspektivischer Schnitt durch den Mitteltrakt mich Blick in die einzelnen Räume © Prof. Dr.-Ing. Julian Hanschke

Ein rosafarbener Gartensaal – oder ein grüner?

Auf der dem Park zugewandten Seite und dem kühlen blauen Festsaal gegenüberliegend befand sich der Gartensaal. Seine Rekonstruktion gleicht einem Puzzle der Architekturgeschichte: Die farbige Wandgestaltung und der Fries mit den Greifen folgen einer Zeichnung von Carl Kuntz (Kunsthalle Mannheim). Andere Dokumente deuten auf eine zunächst geplante grüne Wandfarbe hin. Die Deckenmalerei orientiert sich an historischen Fotografien im Archiv des Denkmalamts und das Muster des Fußbodens an den Ausführungsplänen der Kunsthalle Karlsruhe.

3D Visualisierung des Gartensaal im Obergeschoss des Markgräflichen Palais mit rosafarbenen Wänden, Historien- und Landschaftsmalerei an den Wänden, Kassettendecke mit aufwändiger Gestaltung und karierten Fliesenmuster-Boden. © Prof. Dr.-Ing. Julian Hanschke

Nahe der Natur

Der Blick in den rekonstruierten unteren Gartensaal zeigt den hellen Raum mit direktem Zugang in den Garten. Die Folge der Fenstertüren mit rundem Abschluss lässt das Licht ins Innere strömen, das wohl auf dem hellen Marmorboden reflektierte.

3d visualisierte Rekonstruktion des Gartensaals im unteren Stockwerk des markgräflichen Palais. Rundbogen Fenster mit Sprossen führen in einen grünen Garten. Der Saal hat rote Wände. © Prof. Dr.-Ing. Julian Hanschke

Wo einst gefeiert wurde

3d visualisierte Rekonstruktion des Festsaals im oberen Stockwerk des markgräflichen Palais. Bodentiefe Fenster mit Sprossen führen den Blick nach Draußen. Der Saal hat blaue Wände und einen aufwändig verzierten Fries. © Prof. Dr.-Ing. Julian Hanschke

Auf der Fassadenseite und mit Blick auf den Rondellplatz befand sich ein prächtig ausgestatteter Festsaal. Die Rekonstruktion zeigt die zunächst von Weinbrenner geplante Farbgestaltung in leuchtendem Blau, den Fries aus hellem Stuck und die reich skulptierten Kapitelle. Weinbrenner konnte dafür aus seinem reichen Fundus von antiken Dekorationselementen schöpfen.

3d visualisierte Rekonstruktion des Festsaals im oberen Stockwerk des markgräflichen Palais. Bodentiefe Fenster mit Sprossen führen den Blick nach Draußen. Der Saal hat blaue Wände und einen aufwändig verzierten Fries. © Prof. Dr.-Ing. Julian Hanschke

Die zweite Rekonstruktion der zum Platz gerichteten Fensterfront zeigt eine alternative Version des Frieses mit farbigem Hintergrund.

Fotografie mit Blick in den Festsaal des Markgräflichen Palais, der zu dieser Zeit als Polizeiposten genutzt wurde. Im Raum stehen Aktenschränke und ein Ofen. Fotografie: Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart, Bildarchiv Karlsruhe

Eine Fotografie aus dem Jahr 1912 zeigt die Details der Stuckfriese und der bemalten Kassettendecke. Nachdem das Palais nicht mehr von der großherzoglichen Familie bewohnt wurde, wurde es unter anderem als Polizeiwache genutzt.

Das Palais in Trümmern

Eine Luftaufnahme dokumentiert die schwere Kriegszerstörung des Palais‘ im Jahr 1942. Das Dach und viele Fenster sind verschwunden, so dass noch einmal die Raumstruktur zu erkennen ist – doch nun in Trümmern. Damit war das opulenteste Bauwerk Weinbrenners und ein Höhepunkt unter den klassizistischen Bauten in Karlsruhe verloren. Nur die dem Rondellplatz zugewandte Fassade mit dem Säulenportikus hat sich bis in die Gegenwart erhalten.

Fotografie: Stadtarchiv Karlsruhe

Inzwischen ist die Liegenschaft im Besitz eines privaten Investors. Unter Einbezug der historischen Fassade wird ein neuer Gebäudekomplex nach dem Entwurf des Berliner Architekturbüros Staab Architekten errichtet.