Tabea Schwarze, 15. April 2020

100 Tage mit Baldung

Etwa sechs Wochen ist es her, dass die 100-tägige Große Landesausstellung Hans Baldung Grien zu Ende gegangen ist. Zeit für ein Resümee.


Es ist 1959, die Besucher*innen strömen in die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe um den Renaissancemaler Hans Baldung Grien zu sehen. Einen Meister seiner Zeit, keine Frage, aber einer, der im Vergleich mit seinen Zeitgenossen und Wegbegleitern wie etwa Albrecht Dürer immer etwas weniger Beachtung erfährt. Die Besucher*innen sind von der Ausstellung begeistert – ganz gleich, ob sie sie aufgrund des Mangels von Alternativen im Karlsruhe der späten 1950er Jahre oder aufgrund der Faszination dieser einzigartigen Kunst besucht haben. So begeistert, dass sie sich 2018, als wir auf der art Karlsruhe einen Ausblick auf das Jahresprogramm 2019 geben, noch immer in die Ausstellung 1959 zurückversetzen können und von da an auf die Eröffnung der Großen Landesausstellung 2019 hinfiebern.

Und das kommt nicht von ungefähr: In den 60 Jahren, die zwischen den beiden großen Baldung-Ausstellungen liegen, gab es keine weitere umfassende Schau des bedeutenden Renaissance-Malers. Dr. Holger Jacob-Friesen, Sammlungsleiter der Kunsthalle und Hauptkurator der Baldung-Ausstellung, entwickelte vor knapp 10 Jahren die Idee, Hans Baldung Grien – von dem er seit Studientagen fasziniert ist – nach 60 langen Jahren wieder eine Ausstellung in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zu widmen. 

Jahrelange intensive Forschungsarbeit, die im Baldung-Team der Kunsthalle geleistet wurde, mündete in Vorbereitung auf die Große Landesausstellung zunächst in einem internationalen Symposium, das im November 2018 stattfand. Die Ergebnisse der verschiedenen Positionen sind in einem Tagungsband veröffentlicht.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu Besuch in der Großen Landesausstellung

Ein Jahr später – es war gefüllt mit umfangreichen Vorbereitungsarbeiten in den verschiedenen Arbeitsbereichen der Kunsthalle und mit dem Transport zahlreicher Leihgaben aus den wichtigsten Baldung-Sammlungen der Welt nach Karlsruhe –konnte die Große Landesausstellung Ende November 2019 in Anwesenheit des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann eröffnet werden. 100 Tage erfreute sich die Ausstellung großer Beliebtheit: Über 60.000 Besucher*innen machten sich auf den Weg nach Karlsruhe in die Kunsthalle.

Der Umstand, dass beide Baldung-Ausstellungen in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe stattfinden, kommt nicht von ungefähr: Wer den Treppenaufgang der Kunsthalle aufmerksam betrachtet, kann in einem der kleineren Fresken Schwinds Hans Baldung Grien entdecken, wie er den Markgrafen Christoph I von Baden porträtiert. Diese Szene verweist auf eines der wichtigsten Werke in der Sammlung der Kunsthalle: Die s.g. Markgrafentafel Baldungs. Aber auch zahlreiche weitere bedeutende Werke Baldungs sind Teil unserer Sammlung. Das für Baldungs Werk zentrale Karlsruher Skizzenbuch sei hier nur beispielhaft erwähnt. Im Sommer 2019 konnte mit den drei Fragmenten des Gemäldes Lot und seine Töchter ein weiteres wichtiges Werk Baldungs durch die Unterstützung der Museumsstiftung Baden-Württemberg, die Ernst von Siemens Kunststiftung sowie eine private Mäzenin für unsere Sammlung erworben und so den Besucher*innen auch dauerhaft präsentiert werden.

Allen, die der Großen Landesausstellung nachtrauern, die hier ihre Affinität zur Kunst Baldungs (wieder)entdeckt haben und die sich weiter mit diesem eigenwilligen Renaissancemaler beschäftigen wollen, werden auch zukünftig mit unserer Sammlung die Gelegenheit hierzu haben. Wer sich auch zuhause mit Baldung beschäftigen möchte, dem seien neben dem im Buchhandel weiterhin erhältlichen Katalog und dem Tagungsband, das digitalisierte und kommentierte Skizzenbuch Baldungs, das kurzweilige Format Baldung in a nutshell, Baldung in unserer Onlinesammlung oder die Ausstellungsfilme empfohlen.

Wenn Sie Ihre Erlebnisse aus der Großen Landesausstellung teilen möchten, freuen wir uns auf Ihren Kommentar!