Die Serpentara bei Olevano
Beschreibung
Mit seiner Italienbegeisterung stellte sich der aus Weimar stammende Künstler Edmund Kanoldt in die Nachfolge seines Lehrers Friedrich Preller d.Ä. sowie dessen Lehrer Joseph Anton Koch. Zu den bevorzugten Orten, die Kanoldt wiederholt aufsuchte, gehörte das östlich von Rom gelegene Bergstädtchen Olevano. Die vorliegende Zeichnung zeigt das oberhalb des Ortes gelegene Eichenwäldchen, das bereits Koch gezeichnet hatte und das zu einem der besonders häufig dargestellten italienischen Motive wurde.
Mit weichem Bleistift sind die vom Sonnenlicht beleuchteten Bäume moduliert, die sich über den Berghang im Zentrum ziehen. Kanoldt vermittelt einen lebendigen Eindruck von den sanft an- und abschwellenden Formen des Hügels, die in der Bergkette im Hintergrund ein verhaltenes Echo finden. Den geschlossenen runden Baumkronen mit ihren weich auslaufenden Schatten stehen die kantigen Felsformationen kontrastreich gegenüber. Die klaren geometrischen Formen der links im Hintergrund gelegenen Stadt Olevano verstärken den fast idyllischen Charakter der Serpentara, eines Wäldchens, um dessen Rettung sich Edmund Kanoldt in besonderer Weise verdient gemacht hatte.
Der Waldbesitz der Brüder Spolentini sollte an die italienische Eisenbahn verkauft, abgeholzt und aus dem Material Gleisschwellen hergestellt werden. Kanoldt bat deutsche und italienische Freunde um Unterstützung. Er konnte dank der zahlreichen Spenden schließlich den Kaufbetrag aufbringen und damit die Zerstörung dieses identifikationsstiftenden Ortes deutscher Künstler verhindern. Das Waldstück wurde 1873 erworben und als Schenkung an Kaiser Wilhelm I. in Reichsbesitz übergeben. Die Zeichnung fertigte Kanoldt für den damaligen Direktor der Berliner Nationalgalerie, der sich für die Erhaltung der Serpentara eingesetzt hatte.
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1992: Edmund Kanoldt : Leben und Werk
Müller-Scherf, Angelika
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2010: Viaggio in Italia
Hrsg.: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe; Red.: Reuter, Astrid
Künstler auf Reisen, 1770 - 1880; 11.9. - 28.11.2010, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe -
1994: Edmund Kanoldt, Landschaft als Abbild der Sehnsucht
Hrsg.: Stadt Karlsruhe - Städtische Galerie. Red.: Ursula Merkel; Erika Rödiger-Diruf]
Städtische Galerie im Prinz-Max-Palais Karlsruhe, 10. Dezember 1994 bis 19. Februar 1995