Ölskizze zu "Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden reitet am Abend der Schlacht von Slankamen in das Zelt des sterbenden Mustafa Köprili"
Beschreibung
Diese Ölskizze zeigt einen entscheidenden Arbeitsschritt auf dem Weg zu Ferdinand Kellers monumentalem Historiengemälde »Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden reitet am Abend der Schlacht von Slankamen in das Zelt des sterbenden Mustafa Köprili«, das 1878/1879 für die Großherzogliche Kunsthalle entstand. Keller prägte als Professor und späterer Direktor der Karlsruher Kunstschule die akademische Malerei im Großherzogtum Baden ebenso wie dessen repräsentative Bildkultur. Die Studie dokumentiert seine intensive Suche nach der endgültigen Kompositionsform für die triumphale Darstellung des badischen Feldherrn Markgraf Ludwig Wilhelm, dessen Sieg über die Osmanen 1691 in der Schlacht von Slankamen im 19. Jahrhundert politisch erheblich aufgeladen wurde.
Die Ölskizze entstand im Winter 1877/1878, kurz vor der Ausführung des monumentalen Historienbildes für die Kunsthalle. Keller war zu dieser Zeit fest an der Karlsruher Kunstschule etabliert, zunächst als Lehrer, dann als Professor und später als Direktor. Seine enge Verbindung zum Hoftheater lieferte ihm wertvolle Impulse für Kostüme und Bühnenbild, die er in seine großformatigen Kompositionen einfließen ließ.
Die Entstehungsjahre fallen in eine politisch sensible Phase nach der Reichsgründung. Rivalitäten deutscher Höfe zeigten sich besonders im Kulturbereich, wo künstlerischen Wettbewerben symbolpolitische Bedeutung zugeschrieben wurde. Ein prominentes Beispiel ist Kellers überraschender Erfolg im anonymen Wettbewerb für den Vorhang des neuen Dresdner Opernhauses. Sein Entwurf wurde zunächst für ein Werk von Hans Makart gehalten – einem der wichtigsten Künstler der Zeit. Der Erfolg verschaffte Keller Bekanntheit, eine Audienz beim sächsischen König und einen Ruf an die Akademie – Anlass genug für den badischen Hof, Keller durch neue Aufträge in Karlsruhe zu halten.
Das große Historienbild, auf das die Ölstudie vorausweist und das ebenfalls zur Sammlung der Kunsthalle gehört, verherrlicht den Sieg des Markgrafen Ludwig Wilhelm in der Schlacht von Slankamen. Im 19. Jahrhundert wurde dieser Sieg zur dynastischen Heldenerzählung stilisiert. Die Darstellung folgt der gängigen orientalistischen Stereotypisierung: Das Osmanische Reich wird als exotisch, effeminiert und dekadent dargestellt – im Kontrast zum heroisierten, männlich konnotierten Abendland. In diesem Sinne wurde der siegreiche Markgraf jovial auch „Türkenlouis“ genannt, was ihm den Anstrich eines verwegenen Helden gab. Auch das großformatige Gemälde Kellers war unter dieser Betitelung Markgraf Ludwig Wilhelms bekannt, trägt heute jedoch wieder den Titel, der in den historischen Akten zu finden ist.
Die Ölskizze bietet einen seltenen Einblick in Kellers kompositorisches Ringen. Abweichungen vom finalen Gemälde – etwa die stärker betonte Pferdedynamik, die anders gesetzte Kavallerie oder das Fehlen der später ergänzten Frauengestalten – zeigen seine methodische Erprobung von Figurenkonstellationen, ethnisierenden Zuschreibungen und dramaturgischem Gewicht. Auch die Variation der Gefolgsleute des sterbenden Großwesirs verweist auf seine Suche nach der wirkungsvollsten Typisierung.
Duktus, Farbigkeit und Material der Skizze entsprechen eindeutig Kellers Arbeitsweise der späten 1870er-Jahre. Die Studie ist ein eigenhändiger, experimenteller Zwischenschritt und ein wichtiges Dokument für das Verständnis von Kellers künstlerischer Methodik und repräsentationsorientierter Historienmalerei der Gründerzeit.
Daten und Fakten
| Titel | Ölskizze zu "Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden reitet am Abend der Schlacht von Slankamen in das Zelt des sterbenden Mustafa Köprili" |
|---|---|
| Künstler*in | Ferdinand Keller |
| Entstehungszeit | Unbekannt |
| Inventarnummer | 2956 |
| Maße Gesamtwerk | H 47,0 cm B 71,0 cm |
| Maße Rahmen | H 58,0 cm B 83,0 cm T 4,0 cm |
| Material | Leinwand |
| Technik | Ölfarbe |
| Gattung | Gemälde |
| Abteilung | Neue Malerei (nach 1800) |
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