Rast auf der Flucht nach Ägypten
Albani schuf zahlreiche variierende Darstellungen des Sujets. Das Karlsruher Bild gehört zu einer Gruppe von 13 motivisch und kompositorisch weitgehend identischen Gemälden auf Kupfer (Puglisi 1999, S. 111–112, Nr. 32). Als Hauptwerk der Gruppe benennt Catherine Puglisi eine Version im Besitz des Earl of Yarborough, Brocklesby Park, Habrough in Lincolnshire (37,5 x 28,5 cm), das im Karlsruher Bild getreu wiederholt ist.
Ausgehend von fehlerhaften Maßangaben identifizierte Sotheby’s New York das Karlsruher Exemplar anlässlich seiner Versteigerung am 28. Januar.2000 (Aukt.-Kat. New York 2000, S. 146, LOT 61 A) als dasjenige aus der Sammlung des Duc d’Orléans (bei Puglisi 1999 Nr. 32.LV.b mit unbekanntem Verbleib). Eine frühe Beschreibung dieses Werks findet sich bei de Saint-Gelais 1727 (S. 132), ein Nachstich in Jacques Couchés Grafikband nach Gemälden der Galerie du Palais Royal (Couché/de Bonafons Fontenai 1786, Nr. IV). Der Stich gleicht dem Karlsruher Bild stark, nur Blickrichtung und Physiognomie Marias weichen leicht ab. Die Maße des Karlsruher Gemäldes stimmen im Übrigen mit keiner der von Puglisi gelisteten Versionen überein.
Die wissenschaftliche Diskussion konzentriert sich vor allem auf das Werk in Habrough: Carlo Volpe (Ausst.-Kat. Bologna 1962, S. 134, Kat.-Nr. 36), Eric van Schaack (1969) sowie Daniele Benati (mündl. Auskunft an Maria Grazia Bernadini, publ. in: Ausst.-Kat. Rom 1996, S. 550, Kat.-Nr. 98) datieren es aufgrund der stilistischen Ähnlichkeit zu Albanis Fresken im Palazzo Giustiniani in Bassano di Sutri auf 1609–1610, während Puglisi 1983 (S. 237–238, Nr. 75) noch eine größere Nähe zu den Tondi Albanis in der Galleria Borghese (Inv. 35, 40, 45, 49) sieht und so zunächst eine Entstehung um 1613–1615 annimmt. In ihrem späteren Werkverzeichnis (Puglisi 1999) folgt sie dagegen der Einschätzung Volpes, van Schaacks und Benatis. Bernadini verweist auf die Parallelen in der Figurenauffassung zu Annibale Carraccis Rast auf der Flucht nach Ägypten in der Eremitage St. Petersburg (Inv. ГЭ-138), das um 1604 möglicherweise sogar unter Beteiligung Albanis entstand (vgl. hierzu auch Ausst.-Kat. London 2001, S. 130, Kat.-Nr. 41), und kommt so zu einer Datierung um 1604–1609.
Auch im Fresko auf dem Steinsockel sieht Bernadini den Einfluss Carraccis; die Darstellung deutet sie als Allegorie der Temperantia, basierend auf Vergleichen mit einem Gemälde Carpaccios im High Museum of Art, Atlanta (Inv. 58.35), den sogenannten Mantegna-Tarocchi (Museum of Fine Arts Boston, Inv. 15.1389) sowie einem Stich Raimondis (Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig, Inv. MRaimondi AB 3.64). In der antikisierenden Bildsprache des Reliefs sieht Clare Robertson Albanis Begeisterung für die Antike während seiner Zeit in Rom zum Ausdruck gebracht Ausst.-Kat. London 2001, S. 130, Kat.-Nr. 41).
Das Art Instiute of Chicago bewahrt eine Zeichnung nach Albani (Inv. 1922.3326), die motivisch und kompositorisch den Versionen in Habrough und Karlsruhe entspricht, in den Abmessungen jedoch von beiden abweicht.
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1727: Description des tableaux du Palais Royal
de Saint-Gelais, Du Bois
avec la vie des peintres à la tête de leurs ouvrages -
1786: Galerie du Palais Royal:
Couché, Jacques; de Bonafons Fontenai, Louis-Abel
gravée d'après les tableaux des différentes écoles qui la composent … -
1962: L ' ideale classico del Seicento in Italia e la pittura di Paesaggio
Palazzo dell'Archiginnasio, Bologna/V. Mostra Biennale d'Arte Antica, 08.09.-11.11.1962
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1973: England and the Seicento
Whitfield, Clovis (Hg.)
A Loan Exhibition of Bolognese Paintings from British Collections -
1983: A study of the Bolognese Roman Painter Francesco Albani
Puglisi, Catherine R.
(Diss., New York, 1983) -
1996: Domenichino 1581 – 1641
Palazzo Venezia, Rom, 10.10.1996-14.01.1997
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1999: Francesco Albani
Puglisi, Catherine R.
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2000: Old Masters 2000
Sotheby’s New York
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2001: The Genius of Rome 1592–1623
Beverly Louise Brown (Hg.)
Royal Academy of Arts, London, 20.01.–16.04.2001; Palazzo Venezia, Rom, Mai–August 2001