Vogelhaus des Varro
Beschreibung
Die Zeichnung Friedrich Weinbrenners zeigt eine Gebäudeanlage, die der Architekt in mehreren Zeichnungen mit dem Titel »Vogelhaus des Varro« (Inv. 1944-60, 1944-61) entwickelte. Die Darstellung auf diesem Blatt ist klar gegliedert: Im oberen Bereich befindet sich ein Schnitt durch den Baukörper, in der Mitte der Grundriss der Anlage, eingebettet in einen Lageplan, und im unteren Teil eine ausführliche Textpassage. Unter der Überschrift »Entwurf des Vogelhauses von M. T. Varro« erläuterte Weinbrenner die antike Quelle seines Entwurfs und die architektonische Ausgestaltung. Obwohl die Zeichnungen die Architektur anschaulich vor Augen führen, wurde sie nie realisiert.
Während seines Italienaufenthalts von 1792 bis 1797 beschäftigte sich der spätere Badische Baudirektor Weinbrenner intensiv mit der Geschichte des Bauens, die einerseits in historischen Bauten von der Antike bis zum Barock und andererseits in Texten überliefert war. Es galt als Übung und Nachweis architektonischer Fähigkeiten, ausgehend von literarischen Beschreibungen nicht mehr bestehender Bauten Pläne zu zeichnen.
Zu den aus Quellentexten der Architekturgeschichte bekannten Objekten zählt auch das »Vogelhaus des Varro«. Der römische Gelehrte Marcus Terrentius Varro beschrieb es in seinem Dialog »De re rustica« (Über die Landwirtschaft, 37 v. Chr.) als Teil seines Anwesens. Es bestand aus zwei Volieren, einem Rundbau und einem rechteckigen Gebäude, in einer achsensymmetrischen Gartenanlage mit Wasserbecken, die in dieser Zeichnung in der Draufsicht zu erkennen sind.
Die Kombination von Text und Bild sowie die Kombination von Ansichten in unterschiedlichem Maßstab vermitteln einerseits konstruktive Aspekte wie Maße, Proportionen oder Wasserzuleitungen. Andererseits werden auch Nutzung und Ausstattung der Anlage beschrieben: Zwischen den Säulen gespannte Netze sollten Vögel aller Arten – darunter Amseln und Nachtigallen – aufnehmen, in den Bassins waren Fische vorgesehen. In der Kuppel des Rundbaus zeigte eine Uhr die Stunden an, während auf dem Dach ein mythologisches Mischwesen mit menschlichem Oberkörper und flossenartigem Unterkörper – eine sogenannte Tritonenfigur – die Windrichtung markierte. Baumgesäumte Spazierwege entlang des begradigten Flusses Lyris erschlossen die Anlage landschaftlich. Die Zeichnung lädt damit zu einem imaginären Rundgang durch eine idealisierte Gartenanlage ein.
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Friedrich Weinbrenner 1766-1826. Architektur und Städtebau des Klassizismus
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe 27.06.-04.10.2015
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2015: Friedrich Weinbrenner, 1766-1826:
Kabierske, Gerhard/Kleinmanns, Joachim
Architektur und Städtebau des Klassizismus; Ausstellung der Städtischen Galerie Karlsruhe und des Su¿dwestdeutschen Archivs für Architektur und Ingenieurbau am KIT, 27. Juni 2015 bis 4. Oktober 2015 /