Le Moulin de la Galette
Beschreibung
So stellt man sich die Belle Époque vor! Die Betrachter dieser bildmäßig ausgeführten Zeichnung sind mitten auf der Tanzfläche des berühmten Lokals Moulin de la Galette auf dem Montmarte, einer der vielen ehemaligen Windmühlen auf dem Hügel im Norden von Paris. Im 19. Jahrhundert produzierte der dort tätige Müller aus dem Mehl ein schmackhaftes braunes Brot, eine „galette“, und gründete ein Tanzlokal, das von zahlreichen Bürgern, Bohémiens und Künstlern frequentiert wurde.
Leroux schildert das ausgelassene Treiben aus der Sicht eines Tänzers mitten im Saal – von links und rechts nähern sich drehend eng umschlungene Paare und geben den Blick frei auf das ausladende Parkett, auf dem sich weitere Tänzer heiter zur Musik bewegen. Röcke, Mäntel und Pelerinen schaukeln hin und her, verschiedene Hüte und eine Federboa zeugen von den unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, die in dieser berühmten Vergnügungsstätte zusammenkamen. Im Hintergrund leuchten die zahlreichen Lampen, wobei die großflächigen Partien in Schwarz die nächtliche Stimmung unterstreichen. Hier und da blitzen starke farbige Akzente in Rot, Blau, Gelb und Weiß hervor und verleihen der quirligen Szene zusätzliche Lebendigkeit – fast meint man, die Klänge eines schwungvollen Walzers zu vernehmen. Und doch scheint die tanzende Gesellschaft nicht ganz unbeschwert, denn haftet den drängenden Bewegungen der Paare nicht auch etwas Grobes an – speziell dem handgreiflichen Mann, der links die junge Dame im roten Mantel bedrängt?
Leroux war ein äußerst erfolgreicher und vielseitig versierter Maler und Illustrator, der in jungen Jahren oftmals die Pariser Vergnügungsszene thematisierte. Nach seinen Erfahrungen als Soldat im Ersten Weltkrieg schuf er jedoch auch gänzlich andere, eindrucksvolle Bilder der grausig erlebten Kampfplätze.
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sehen denken träumen. Französische Zeichnungen aus der Kunsthalle Karlsruhe
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe 29.09.2018-13.01.2019
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Go! Kunst bewegt
Junge Kunsthalle & KunsthalleKarlsruhe@ZKM, Karlsruhe 21.10.2023-17.03.2024
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1995: Erwerbungsbericht 1994
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Kupferstichkabinett
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1994: Hazlitt, Gooden & Fox, London
Nineteenth Century French Drawings 9. - 24.06.1994
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2018: sehen denken träumen
Schäfer, Dorit (Hg.); Reuter, Astrid (Hg.)
Französische Zeichnungen aus der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe
Kunsthalle x Jaqueline Scheiber
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Hier spricht die Zerstreuung.
Wir sind mitten auf der Tanzfläche eines berühmten Pariser Lokals, umgeben von Bewegung, Licht, Nähe. Die Eindrücke rufen sofort die Belle Époque auf: Bürger*innen, Bohémiens, Künstler*innen, an einem Ort, an dem sich Milieus mischen und Rollen ausprobiert werden.
In Windeseile wird aus einem Satz eine Geschichte, die Erzählung eines Abends. Wer tanzt, wer beobachtet? Und wer darf sich verlieren und hingeben ohne Konsequenzen?
Die Masse kann befreien, hat die Fähigkeit die eigenen Gedanken unter dem Lärm verstummen zu lassen. Sie macht einzelne austauschbar, sie anonymisiert, jedes Gesicht kann zu einer Vermutung werden.
Was bleibt am nächsten Tag von einem großen Aufgebot wie diesem? Das Gefühl von Zugehörigkeit, vielleicht auch Dankbarkeit darüber sich für einige Stunden von täglichen Herausforderungen abgewendet haben zu können.
Hier spricht die Kraft des Kollektivs, das zeigt, wie wichtig es ist von Zeit zu Zeit mit einer Menge zu verschmelzen.