Hans Baldung - Trunkener Bacchus

Trunkener Bacchus

Hans Baldung

Maße:
H 22,2 cm  B 14,9 cm  
Jahr:
um 1520
Ort:
nicht ausgestellt

Beschreibung

Dem antiken Weingott Bacchus geht es gar nicht gut: Nackt und betrunken ist er vor einem großen Weinfass zusammengesunken und will seinen Rausch ausschlafen. Doch seine kleinen Begleiter, sieben freche und quirlige Putti, treiben ihren Schabernack mit ihm wie mit einer leblosen Gliederpuppe: Einer der Schelme hat sich seine rechte Hand auf den Kopf gelegt und prostet uns mit einem hohen Kelch zu. Ein weiteres Kerlchen schiebt der linken Hand des Gottes eine Flasche zu, während ein anderer ihm etwas laut ins Ohr ruft. Vorne zieht ihn ein Bursche am Lendentuch, um ihn vollends zu entkleiden, doch der Putto auf dem Fass setzt allem die Krone auf.

Geschmückt mit einem ornamentierten Kopfputz und mit einer Fackel in der Hand, uriniert er genüsslich auf das Haupt des bewusstlosen Trunkenbolds. Und als sei dies immer noch nicht genug, ist daneben ein weiterer Schlingel dabei, ihm einen Bottich Wein über den Kopf zu schütten. Neben dieser lebendigen und humorvollen Erzählung zeugen auch die anderen Elemente von der herausragenden Holzschneidekunst Baldungs: Prächtige Reben mit dicken Trauben und üppigen Blättern umranken links neben dem Fass einen Stamm, rechts oben hängt eine Tafel mit dem Monogramm des Künstlers. Eine hügelige Landschaft hinterfängt die Szene, in der links ein kleiner, spitzer Kirchturm erkennbar ist.

Für Baldungs Motiv konnte der Einfluss italienischer Druckgrafik ausgemacht werden, insbesondere der von Andrea Mantegna und seiner Schule. In der italienischen Renaissance wurden die Putti im Gefolge des Bacchus »Spiritelli« genannt und verkörperten als kleine Weingeister eine ausgelassene Lebensfreude. So spaßig und unterhaltsam Baldungs Darstellung wirken mag, so stellt sie doch mit dem fettleibigen und maßlos betrunkenen Weingott auch mahnend eine der sieben Todsünden dar: Die Völlerei, gegen die der im Hintergrund verschwindend kleine Kirchturm als Symbol für Frömmigkeit und Mäßigung kaum etwas entgegenzusetzen vermag.

Dieser im Abdruck und in der Erhaltung prächtige Holzschnitt wurde 2020 vom Förderkreis im Anschluss an die Große Landesausstellung Hans Baldung Grien - heilig|unheilig angekauft. Für den herausragenden Karlsruher Bestand von rund 90 Kunstwerken Baldungs ist das Werk eine bedeutende Ergänzung und zeigt anschaulich die für seine Bilderwelt charakteristischen Ambivalenzen.

Künstler*in
Hans Baldung
Titel
Trunkener Bacchus
Entstehungszeit
um 1520
Technik
Holzschnitt
Material
Büttenpapier
Maße Blatt
22,2 × 14,9 cm
Inventarnummer
FK 63
Abteilung
Kupferstichkabinett
Genre
Historie
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