Harlekin mit Klarinette
Beschreibung
Jacques Lipchitz wurde 1891 im heutigen Litauen als Chaim Jacob Lipschitz in eine jüdische Familie geboren. In Paris entwickelte er sich zu einem prägenden Bildhauer des Kubismus. Sein »Harlekin mit Klarinette« aus dem Jahr 1919 zeigt die Figur des Harlekins als vielschichtiges Sinnbild zwischen Spiel, Identität und künstlerischer Selbstbefragung. Die Plastik verbindet kantige Volumen mit dynamischen Linien und erzeugt in ihrer Rhythmik eine Analogie zur Musik.
Mit seiner Ankunft in Paris 1909 trat der junge Lipchitz in ein Umfeld radikaler künstlerischer Neuerungen ein, das seine Bildsprache entschieden prägte. Während viele Bildhauer*innen noch an traditionellen Modellen festhielten, wandte er sich konsequent einer konstruktiven, architektonisch geprägten Formauffassung zu. Er experimentierte weniger mit der Figur als erzählerischem Motiv, sondern vielmehr mit ihren räumlichen Bedingungen. Im Zentrum seiner kubistischen Plastiken stand die Frage, wie sich ein Körper gleichzeitig als Volumen, Fläche und Rhythmus begreifen lässt.
In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg gewann die Harlekinfigur in Lipchitz’ Werk neue Bedeutung. Sie diente als Projektionsfläche, um das Verhältnis von Masse und Leere, die Spannung zwischen Stabilität und Bewegtheit sowie die Frage nach dem Gleichgewicht von Durchlässigkeit und Verdichtung zu erproben.
Der »Harlekin mit Klarinette« ist ein prägnantes Beispiel dafür. Die Klarinette ist hier weniger Attribut eines Musikers, sondern ein lineares Element, das den plastischen Aufbau strukturiert. Sie akzentuiert die diagonalen Bahnen der Skulptur wie steinerne Faltungen. Bemerkenswert ist auch, wie das Werk zwischen Offenheit und Geschlossenheit vermittelt: Die kompakte Gesamtform behält durch die ineinander verschobenen Volumina ihre Dynamik. Damit steht der Harlekin an der Schwelle zu Lipchitz’ späteren Arbeiten, in denen Pathos und expressive Dynamik stärker werden.
Neben der formalen Auseinandersetzung spiegelt die Skulptur das geistige Klima der Nachkriegszeit, in dem Künstler*innen nach neuen Ausdrucksformen suchten, um die brüchigen Identitätsvorstellungen zu reflektieren. Die Maskenfigur des Harlekins ermöglicht es Lipchitz, Distanz und emotionale Ambivalenz zugleich anklingen zu lassen – Eigenschaften, die in der kubistischen Skulptur oft hinter formalen Fragestellungen zurücktraten, hier aber subtil mitschwingen.
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Daten und Fakten
| Titel | Harlekin mit Klarinette |
|---|---|
| Künstler*in | Jacques Lipchitz |
| Entstehungszeit | 1919 |
| Inventarnummer | P 167 |
| Maße Plastik | H 73,4 cm B 25,3 cm T 24,5 cm |
| Material | Kalksandstein |
| Gattung | Plastik |
| Abteilung | Plastik |
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