Bildniskopf König Heinrichs III. von Frankreich
Beschreibung
Von einem ambitionierten Kunstliebhaber einmal Tizian zugeschrieben – worauf die durchgestrichene Beschriftung unten links verweist –, ist die tatsächliche Autor*innenschaft dieses Porträts bis heute ungeklärt. Die feine Zeichenweise in schwarzer und roter Kreide entspricht jedoch der höfischen Porträtkunst des 16. Jahrhunderts in Frankreich, die durch Jean Clouet und seinen Sohn François maßgeblich geprägt worden ist.
Der hier als möglicher Urheber genannte Jean Decourt ist historisch nur in Umrissen fassbar. Vermutlich wurde er in der Werkstatt der Clouets ausgebildet. Fest steht, dass er ihre Kunsttradition fortführte und nach mehreren Aufträgen für Maria Stuart sogar deren Amt und Titel als Hofmaler übernahm.
Während die Frage der Autor*innenschaft offenbleibt, lässt sich der Dargestellte aufgrund von zeitgenössischen Vergleichsporträts eindeutig identifizieren: Es handelt sich um Henri III., den letzten König aus dem Hause Valois, der vor seinem gewaltsamen Tod die Erbfolge an Heinrich von Navarra (späterer Henri IV.) und damit an das Haus Bourbon weitergegeben hatte.
Er bestieg 1574 nach dem Tod seines Bruders Karl IX. den französischen Thron und sah sich unmittelbar mit den eskalierenden Religionskriegen konfrontiert, die 1572 in der Bartholomäusnacht ihren brutalen Höhepunkt erreicht hatten. 1585 verbannte er die Hugenotten, 1588 ließ er die Führer der katholischen Liga, Henri de Guise und dessen Bruder Louis, ermorden, bevor er 1589 selbst von einem Dominikanermönch erstochen wurde.
Das Blatt vermittelt in feinster Kreidezeichnung Physiognomie und Charakter des letzten Valois. Das angedeutete spitze Lächeln aus dem scharf geschnittenen Mund und der leicht verhangene Blick unter einer gekrümmten Augenbraue lassen feine Ironie sowie ausgeprägtes Bewusstsein der eigenen Macht und Stellung vermuten.
Zugleich spiegeln die Halskrause, die kostbare Agraffe auf dem Kopf, die große Perle am Ohr sowie das sorgfältig frisierte Haar seine überlieferte Vorliebe für aufwendige Kleidung und Schmuck. All diese Accessoires hinterfangen jedoch nur skizzenhaft das präzise wiedergegebene Gesicht, das durch den behutsamen Einsatz von roter Kreide lebendig wirkt.
Daten und Fakten
| Titel | Bildniskopf König Heinrichs III. von Frankreich |
|---|---|
| Künstler*in (zugeschrieben) | Jean Decourt |
| Entstehungszeit | um 1580 |
| Inventarnummer | 1968-29 |
| Maße Blatt | H 34,1 cm B 22,9 cm |
| Maße Trägerkarton | H 34,6 cm B 23,4 cm |
| Material | Papier |
| Technik | schwarze Kreide rote Kreide |
| Gattung | Zeichnung |
| Abteilung | Kupferstichkabinett |
1570 bemühte sich der französische Hof um eine Heirat zwischen Henri III. und Elisabeth I. von England. Die deutlich ältere englische Königin nutzte die Verhandlungen jedoch strategisch, um Spanien – den politischen Feind – in Unruhe zu versetzen.
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