Komposition 226
Beschreibung
John Xeron, ein aus Griechenland stammender Künstler und Vertreter der geometrischen Abstraktion, entwickelte in den 1930er-Jahren eine klar strukturierte, konstruktivistische Bildsprache. In Paris wurde er Mitglied der Gruppe »Abstraction-Création« und fand dort zu einer Malerei mit einer betont strengen Form aus Linien, Flächen und rhythmisch gesetzten Farben.
Das Gemälde »Komposition 226« steht beispielhaft für diese Schaffensphase. 1951 gelangte das Werk als Schenkung von Hilla von Rebay – der damaligen Direktorin des Guggenheim Museum New York und Cousine des ehemaligen Karlsruher Kunsthallendirektors Kurt Martin – in die Sammlung der Staatlichen Kunsthalle und wurde zu einem sichtbaren Zeichen des Neuanfangs nach dem Zweiten Weltkrieg.
»Komposition 226« entstand zu einer Zeit, in der sich Xeron endgültig von gegenständlichen Motiven löste und eine autonome, konstruktivistisch geprägte Malerei entwickelte. Nach seiner frühen Ausbildung an der Corcoran School of Art in Washington, die noch auf eine akademische Zeichenpraxis ausgerichtet war, fand Xeron über erste Begegnungen mit dem amerikanischen Modernismus zu einer zunehmend abstrakten Auffassung von Form und Farbe. Den entscheidenden Impuls erhielt er in Paris, wo er ab 1927 als Kunstkritiker und Maler Teil der avantgardistischen Kreise um die Künstler Jean Hélion, Hans Arp und Theo van Doesburg wurde.
Seine intensive Auseinandersetzung mit der von den Niederlanden ausgehenden Kunstbewegung »De Stijl« und den Konzepten von Struktur, Balance und linearer Ordnung führte ihn schrittweise zu einer starken Reduktion. In seinen Werken zeichnet sich diese durch flächige Farbsegmente und rhythmische, klar gefasste Achsen aus.
Die Werke der frühen 1930er-Jahre zeigen Xeron im Übergang von einer noch kubistisch beeinflussten, figural orientierten Formsprache hin zu einer konstruktivistischen Klarheit. »Komposition 226« gehört zu jener Phase, in der das Verhältnis von Linie, Fläche und Farbsetzung zu einem präzisen, ausgewogenen Bildgefüge verdichtet wird. Die Komposition verfolgt keine erzählende oder ikonografische Absicht, sondern basiert vielmehr auf einer autonomen, nicht-gegenständlichen Ordnung, wie sie die internationale Avantgarde der Zwischenkriegszeit entwickelte. Xeron knüpft damit an künstlerische Tendenzen an, die sowohl im Umfeld von »Abstraction-Création« als auch in den geometrisch orientierten Strömungen der Pariser Moderne eine maßgebliche Rolle spielten.
1937 kehrte Xeron in die USA zurück. Im Guggenheim Museum New York arbeitete er als Aufsicht, blieb daneben aber weiterhin als Künstler aktiv und durchaus erfolgreich. Hilla von Rebay, Guggenheim-Direktorin und leidenschaftliche Befürworterin nicht-gegenständlicher Kunst, erkannte Xerons Position innerhalb der abstrakten Avantgarde und förderte ihn über viele Jahre hinweg. Ihre Schenkung von Xerons »Komposition 226« an die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe im Jahr 1951 steht exemplarisch für die programmatische Öffnung der Institution in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.
Daten und Fakten
| Titel | Komposition 226 |
|---|---|
| Künstler*in | John Xeron |
| Entstehungszeit | um 1935 |
| Inventarnummer | 2271 |
| Maße Bildträger | H 65,2 cm B 54,2 cm |
| Maße Rahmen | H 82,3 cm B 71,3 cm T 6,0 cm |
| Material | Leinwand |
| Technik | Ölfarbe |
| Gattung | Gemälde |
| Abteilung | Neue Malerei (nach 1800) |
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Vorbilder. Kunst in Karlsruhe 1950-1988
Badischer Kunstverein 1988, S. 9, 124, Nr. 117
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Gegenstandslose Malerei in Amerika
Kunsthalle Karlsruhe 1948, Nr. 52
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1971: Katalog Neuere Meister
Hrsg.: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe; Bearb.: Lauts, Jan
19. und 20. Jahrhundert -
1971: Katalog Neuere Meister
Hrsg.: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe; Bearb.: Lauts, Jan
19. und 20. Jahrhundert