Porträt von Eugène Isabey
Beschreibung
Das großformatige Kinderbildnis zeigt den Maler Eugène Isabey als etwa siebenjährigen Jungen. Bereits zu Lebzeiten wird dieser als Marine- und Historienmaler der Romantik geschätzt. Mit jüngeren Kunstschaffenden in seinem Umfeld ist er bestens vernetzt: Zu seinen Schüler*innen zählen Maler wie Eugène Boudin oder Johan Barthold Jongkind. Boudin und Jongkind entwickelten das Genre der Marinemalerei durch neue malerische Techniken und zeitgemäße Bildthemen weiter. Das Kinderporträt selbst stammt von Louis-André-Gabriel Bouchet, einem Pariser Porträt- und Historienmaler.
Bouchet ist ein Schüler des bedeutenden Klassizisten Jacques-Louis David und arbeitet im Stil des Empire, der vorherrschenden Stilrichtung während der Regierungszeit Napoleon Bonapartes. Von seinem Lehrer David übernimmt Bouchet vor allem dessen klare, strenglinige Form und die reduzierte Farbpalette. Das Kinderbildnis des jungen Eugène Isabey ist ein typisches Beispiel für die stilistische Nähe Bouchets zu seinem Lehrer.
Bouchet ist vor allem mit seinen Bildnissen von Kindern und Familien erfolgreich. Zwischen 1791 und 1819 zeigt er seine Werke regelmäßig im sogenannten Salon, der damals wichtigsten Pariser Kunstausstellung. Das Porträt des etwa siebenjährigen Eugène Isabey wurde hier vermutlich 1810 zusammen mit Bildnissen seiner drei älteren Geschwister – Alexandrine, Lucie und Hector – ausgestellt. Auftraggeber der vier Kinderbildnisse ist der Miniaturmaler Jean-Baptiste Isabey, Freund Bouchets und ebenfalls Schüler Davids.
Der junge Eugène Isabey steht im Bild vor einem opulenten, antikisierenden Empire-Stuhl, dessen Vorderbeine als kunstvoll verzierte, geflügelte Löwen gestaltet sind. Das Modell gleicht einem etruskischen Thron und wurde in nahezu identischer Form von den renommierten Möbelwerkstätten Jacob Frères hergestellt. Der Junge trägt eine Tracht, inspiriert von mamelukischen Kämpfern Napoleons, die nach dem Ägyptenfeldzug nach Paris kamen und dort durch ihre Präsenz Mode machten. Das Porträt dokumentiert so auch die Kultur-, Zeit- und Sozialgeschichte des Ersten Kaiserreichs.