Matthias Grünewald - Kreuztragung Christi
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Kreuztragung Christi

Matthias Grünewald

Maße:
H 195,5 cm  B 152,5 cm  
Jahr:
1523/1524
Ort:
Kunsthallenpräsentation im ZKM

Beschreibung

Das großformatige Tafelbild zeigt eine Szene der Passion Christi: die Kreuztragung. Dargestellt ist der Moment, in dem Christus auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte unter der Last des schweren Holzkreuzes zusammenbricht.

Matthias Grünewald verlegt das Geschehen in den engen Zwingerbereich eines Jerusalemer Stadttores. Die Spitze des Kreuzes, das Christus von der Schulter zu gleiten droht, verweist deutlich auf das Ziel des Zuges aus Soldaten und Schergen: den Berg Golgotha.

Obwohl der räumliche Verlauf – das Verlassen der Stadt mit dem Ziel Golgotha – klar markiert ist, wirkt die Szene alles andere als transitorisch. Der kurze Augenblick, in dem der Zug ins Stocken gerät, wird zur Ewigkeit gedehnt: Der Moment wird Monument. Grünewald erzielt diese Wirkung, indem er weitgehend auf erzählerische Details verzichtet und die Darstellung auf die unmittelbaren Gefühlsäußerungen konzentriert: die Aggression der Peiniger und das körperliche wie seelische Leiden Christi.

Die Inschrift auf dem Gebälk über der Szene kommentiert das Geschehen: Die Weissagung des Propheten Jesaja verweist auf das Sühneopfer Christi für die Menschheit. Bemerkenswert ist, dass die Inschrift nicht in lateinischer, sondern in deutscher Sprache verfasst ist. Zeitgleich mit Martin Luthers Kreuzestheologie gewinnt die Aussage der Inschrift an Aktualität. Daher wurde die Darstellung häufig als reformatorisches Bekenntnisbild interpretiert – eine Lesart, die in der Forschung jedoch umstritten bleibt.

Ursprünglich war die Darstellung Teil einer beidseitig bemalten Tafel. Sie bildete die Rückseite von »Christus am Kreuz zwischen Maria und Johannes« (Inv. 994), die ebenfalls von Grünewald stammt und sich auch im Bestand der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe befindet. Die vorder- und rückseitig bemalte Tafel stand vermutlich einst frei und ohne Seitenflügel zentral am Eingang zum Chor der Tauberbischofsheimer Stadtkirche St. Martin.

1883 wurden Vorder- und Rückseite im Zuge einer Restaurierung voneinander getrennt – eine aus heutiger Sicht unsachgemäße, damals jedoch verbreitete Praxis. Beide Werke gelangten 1900 unter dem damaligen Direktor Hans Thoma in die Sammlung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Als die spätesten erhaltenen Arbeiten Matthias Grünewalds zählen sie heute zu den Hauptwerken des Museums.

Weitere digitale Angebote zu Matthias Grünewalds "Kreuztragung Christi"

Foto des Podcasters Jakob Schwerdtfeger, hinter ihm ist das Stilleben mit Orangen, Bananen, Zitronen und Tomate der Künstlerin Modersohn-Becker zu sehen.

Episode 66: Zersägtes Meisterwerk: Christus am Kreuz und Kreuztragung Christi von Matthias Grünewald

Der bedeutende Renaissance-Maler Matthias Grünwald wollte die Betrachter*innen mit diesem Werk so richtig erschüttern – denn sie sollten das Leiden Christi eindrücklich nachempfinden. Mit dieser geschickten Inszenierung war Grünwald seiner Zeit voraus. Warum das zweiteilige Werk zersägt wurde und was Jesus mit Kermit dem Frosch zu tun hat, erklärt Jakob Schwerdtfeger in dieser Folge des Kunstsnack.

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Zum Audiotranskript der Kunstsnack-Episode zu Matthias Grünewald

Daten und Fakten

Titel Kreuztragung Christi
Künstler*in Matthias Grünewald
Entstehungszeit 1523/1524
Inventarnummer 993
Maße Bildträger H 195,5 cm  B 152,5 cm  T 5,0 cm  
Maße Rahmen H 223,0 cm  B 180,0 cm  T 12,0 cm  
Material Nadelholz
Technik Mischtechnik
Gattung Gemälde
Abteilung Alte Malerei (vor 1800)
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