Die Heilige Familie mit dem Johannesknaben
Beschreibung
Die kleine Kupfertafel zeigt die Heilige Familie mit dem Johannesknaben in einer kargen Landschaft. Der junge Täufer Johannes kniet vor dem Christuskind und reicht ihm weiße Rosen. Jesus sitzt auf dem Schoß seiner Mutter Maria und greift nach den Blumen. Maria stützt ihr Kind sanft. Neben Maria sitzt ihr Mann Josef, der die Szene beobachtet.
Geschaffen wurde das Gemälde von Orazio Gentileschi, dem Vater und Lehrer der berühmten Malerin Artemisia Gentileschi. Die intime Größe sowie das religiöse Motiv sprechen dafür, dass das Bild als privates Andachtsstück diente. Darstellungen der Heiligen Familie mit dem Johannesknaben waren in der Frühen Neuzeit sehr beliebt und gehörten zu den typischen Motiven von Andachtsbildern.
Die Figuren sind in einer leichten Dreiecksform angeordnet. Das liebevolle Miteinander erinnert an Kompositionen der Hochrenaissance, wie sie auch Raffael schuf. Im Vergleich zu diesen verschiebt Gentileschi die Figurengruppe leicht nach links. Dadurch wirkt die Szene weniger streng und eher wie ein spontaner Moment kindlicher Interaktion. Die Darstellung gewinnt so an Wärme und Natürlichkeit.
Die lebhafte Haltung des Christuskindes zeigt eine Nähe zu einem Werk des Bologneser Malers Annibale Carracci, das sich heute in der National Gallery of Canada befindet. Die beiden Künstler dürften sich während Carraccis Aufenthalt in Rom begegnet sein. Dieser klassizistische Einfluss zeigt sich auch in den hellen Farben, die vor allem an den Gewändern der Figuren deutlich werden.
In anderen Werken folgt Gentileschi stärker dem Stil Caravaggios. Dazu zählt auch der intensive Kontrast der Helldunkelmalerei, der als »Chiaroscuro« bezeichnet wird. Trotz dieser Nähe wird Gentileschi nie wirklich zu einem Caravaggisten – einem Nachfolger Caravaggios. Mit seinem Stil verbindet er den Realismus Caravaggios mit dem klassizistischen Einfluss der Bologneser Schule. Diese Verbindung ist auch auf der Karlsruher Kupfertafel deutlich zu sehen.
Das Gemälde kam 2023 als Schenkung des Kunstliebhabers und -mäzen Dr. Hermann Röchling in die Sammlung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe.
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Orazio e Artemisia Gentileschi
Museo del Palazzo di Venezia 15.10.2001–06.01.2002
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Orazio and Artemisia Gentileschi: Father and Daughter Painters in Baroque Italy
Metropolitan Museum of Art 14.02.– 12.05.2002
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Orazio and Artemisia Gentileschi: Father and Daughter Painters in Baroque Italy
Saint Louis Art Museum 15.06.– 15.09.2002
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Kunsthalle@ZKM. Ein neuer Blick auf die Sammlung
Highlight-Präsentation ZKM ab 29.04.2023
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2000: Old Master Paintings
Sotheby's
Sotheby’s London 06.07.2000 -
2002: Orazio and Artemisia Gentileschi
Christiansen, Keith; Mann, Judith W.
Metropolitan Museum of Art, New York, 14.02.–12.05.2002 (u. a.)