Der Sämann
Beschreibung
Auf den ersten Blick wirkt diese Zeichnung einer kahlen Landschaft etwas unbedarft. Schräg nach oben erstrecken sich Felder, die seitlich von einem Wald und einer Mauer begrenzt werden.
Kurze Bäume mit gezackten Ästen sowie ein Zaun gliedern das sanft ansteigende Gelände. Wellenförmige Linien und unterschiedliche Binnenzeichnungen teilen die Geländefläche in einzelne Abschnitte. Rechts der Bildmitte ist ein Bauer dargestellt, der mit gesenktem Kopf das gepflügte Feld säht, seine Hand steckt tief im Beutel mit dem Saatgut.
Paul Sérusier, eine zentrale Figur der postimpressionistischen Künstler*innengruppe der »Nabis«, breitet die Landschaft zeichnerisch in der Fläche aus. Mit ausdrucksstarken Pinsellinien schafft er eine sorgfältig ausbalancierte Komposition: Die diagonalen Feldbegrenzungen werden durch zwei entgegengesetzte Linien im Himmel ausgeglichen, während eine Wolke einen zusätzlichen Gegenakzent setzt. In diesem Naturausschnitt stehen Spannung und Harmonie in einem ausgewogenen Verhältnis.
Sérusier hatte 1888 durch die Begegnung mit Paul Gauguin in der Bretagne den synthetischen Stil der »Schule von Pont-Aven« kennengelernt, der durch farbige Flächen und betonte Linien gekennzeichnet ist. Diesen Ansatz entwickelte er über Jahrzehnte hinweg weiter. In seiner 1921 veröffentlichten kunsttheoretischen Schrift »ABC de la Peinture« (»Das ABC der Malerei«) formulierte er seine Vorstellungen allumfassender Kompositionsprinzipien, die mathematisch begründet sind.
Auch diese Landschaft folgt Sérusiers Streben nach einer überzeitlichen Darstellung mit symbolischem Gehalt. Die Figur des Sämanns fungiert dabei als Sinnbild für den Menschen im Kreislauf von Werden und Vergehen der Natur.
Ausgeführt ist die Zeichnung auf nahezu transparentem Japanpapier, durch das die schwarze Tusche auf der Rückseite sichtbar wird. Ein mittiger Knick zeigt, wie das Blatt einst gefaltet war. Die besondere Wertschätzung Sérusiers für diese Komposition zeigt sich darin, dass er das Motiv auch in einer Farblithografie umsetzte.
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Unsere Moderne
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe 29.04.-03.10.11
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sehen denken träumen. Französische Zeichnungen aus der Kunsthalle Karlsruhe
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe 29.9.2018 – 13.1.2019
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1989: Paul Sérusier
Marcel Guicheteau
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2018: sehen denken träumen
Schäfer, Dorit (Hg.); Reuter, Astrid (Hg.)
Französische Zeichnungen aus der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe