Pierre Bonnard - Mutter und Kind

Mutter und Kind

Pierre Bonnard

Maße:
H 24,6 cm  B 16,3 cm  
Jahr:
um 1892
Ort:
nicht ausgestellt

Beschreibung

Der kleine Junge mit seinen melancholischen Augen wirkt wenig glücklich. Vielleicht liegt es am Getränk, das er mit beiden Händen umfasst? Sein Gesicht ist verschmiert, die Haare stehen ihm zu Berge. Von rechts nähert sich seine Mutter liebevoll und aufmunternd, die ihm offensichtlich helfen möchte. Anrührend und humorvoll zeigt Pierre Bonnard hier eine intime familiäre Szene – seinen kleinen Neffen und seine Schwester in ihrem Alltag.

Die Zeichnung wird vor allem durch den geschwungenen Pinsel bestimmt, mit dem Bonnard die Formen konturiert und weitgehend auf eine Binnenzeichnung verzichtet. Das mit Deckweiß wiedergegebene Fenster im Hintergrund erzeugt ein Gegenlicht, das die Figuren näher an die Betrachtenden heranrückt.

Eine umlaufende Linie rahmt die Szene und verleiht dem Moment eine zeitlose Bildhaftigkeit. Eine ähnliche Komposition verwendete der Künstler in einer 1893 erschienenen Farblithografie, für die er mit dem Blatt »Mutter und Kind« offensichtlich erste Ideen entwickelte.

Die lineare, ornamental wirkende Struktur und die angeschnittene, verkürzte Darstellung der Mutter sind charakteristische Elemente des Stils der Künstler*innengruppe der »Nabis«. Deren Mitglieder wandten sich vom Impressionismus ab und ließen sich stark von japanischen Holzschnitten inspirieren.

In diesem Blatt wird Bonnards außerordentliche Begabung als Plakatkünstler und Illustrator erkennbar: Mit scheinbar ungelenken, aber präzise kalkulierten Linien und Kompositionen gelingt es ihm, ungewöhnliche Stimmungen und Emotionen zu erzeugen.

Künstler*in
Pierre Bonnard
Titel
Mutter und Kind
Entstehungszeit
um 1892
Technik
Pinsel in Grau Pinsel in Deckweiß Pinsel in Violett
Material
Papier hellbraun
Maße Blatt
24,6 × 16,3 cm
Inventarnummer
1978-10
Abteilung
Kupferstichkabinett
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