Kaiserin Joséphine Bonaparte, stehend in ganzer Figur
Beschreibung
Wie eine römische Aristokratin steht Kaiserin Joséphine Bonaparte in antikisierender Kleidung und mit Bändern im hochgesteckten Haar auf einer Terrasse. Ihre schmale, hohe Gestalt strahlt Anmut und Würde aus, wobei ihr direkter Blick in Richtung der Betrachtenden etwas melancholisch wirkt.
Die grazile Erscheinung der Kaiserin wird durch die zarten Blumenzweige in ihren Händen unterstrichen. Sie posiert vor einer Balustrade, auf der eine Amphore mit weiteren Blumen sowie ein kleiner Springbrunnen stehen. Vermutlich liegt dahinter eine Parklandschaft.
Joséphine de Beauharnais heiratete 1796 General Napoleon Bonaparte. Ihre gesellschaftlichen Verbindungen trugen unter anderem zu seinem rasanten politischen Aufstieg bei. 1804 krönte Napoleon – in Anwesenheit des Papstes – erst sich selbst und dann auch Joséphine zur Kaiserin.
Fünf Jahre später ließ Napoleon sich scheiden, da die Ehe kinderlos geblieben war. Joséphine Bonaparte zog sich daraufhin gänzlich in ihr Schloss Malmaison zurück, dessen weitläufigen Parkanlagen sie bereits zuvor viel Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Diese Anlagen könnten auch im Hintergrund dieses gezeichneten Porträts zu sehen sein.
Die Zeichnung entstand vermutlich in Vorbereitung eines 1805 begonnenen großen Porträts der Kaiserin, das sich heute im Louvre befindet. Beiden Werken Pierre-Paul Prud’hons ist die schwermütige Atmosphäre gemein. Einerseits kennzeichnet diese die Emotionalität der beginnenden Epoche der Romantik, andererseits könnte sie auch auf die innere Verfassung der Dargestellten hinweisen.
Prud’hons Kunst bewegt sich zwischen Klassizismus und Romantik und war in der Ära Napoleons höchst erfolgreich. Er zeichnete bevorzugt mit schwarzer und weißer Kreide auf blauem Papier. Mithilfe eines Wischers (französisch: »estompe«) lässt er Modellierungen sanft verschwimmen und schafft so höchst sinnliche Oberflächenreize und träumerische Stimmungen.
Auch in seiner Zeichnung der Kaiserin setzt er diese Technik ein. Prud’hon verwandelt Joséphine Bonaparte in ihrer zeitgenössischen Mode »à la grecque« in eine antike Heroin, die die Betrachtenden aus dem Dämmerlicht anzublicken scheint.
Rund um die Darstellung verlaufen rahmende Linien, die zeigen, dass es sich um einen wohl überlegten Entwurf handelt, der weit über eine gedankliche Skizze hinausgeht und auf eine Ausführung im größeren Format hindeutet.
Daten und Fakten
| Titel | Kaiserin Joséphine Bonaparte, stehend in ganzer Figur |
|---|---|
| Künstler*in | Pierre-Paul Prud'hon |
| Entstehungszeit | um 1804/1805 |
| Inventarnummer | 1979-17 |
| Maße Blatt | H 32,8 cm B 23,4 cm |
| Maße Darstellung | H 29,0 cm B 19,5 cm |
| Material | Naturpapier blau |
| Technik | schwarze Kreide weiße Kreide unfixiert |
| Gattung | Zeichnung |
| Abteilung | Kupferstichkabinett |
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