Provenienzforschung

Kurz zusammengefasst

Unter Provenienzforschung versteht man die wissenschaftliche Rekonstruktion der Geschichte von Kunstwerken und anderen Sammlungsobjekten, die schon immer Teil der wissenschaftlichen Museumsarbeit ist.

Hintergrund für die neue Bedeutung von Herkunftsforschung ist die Internationale Konferenz über Holocaust-Vermögenswerte, die im Dezember 1998 in Washington abgehalten wurde. Dort wurden elf Prinzipien formuliert, die zur Lösung offener Fragen und Probleme im Zusammenhang mit den durch die Nationalsozialisten beschlagnahmten Kunstwerken beitragen sollen.

Seither sind öffentliche Museen in Deutschland aufgefordert, ihre Bestände auf verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut zu überprüfen. Untersuchungsgegenstand sind sämtliche Sammlungszugänge seit 1933, die vor 1945 entstanden sind.

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Durch die intensive Beschäftigung mit den Objekten und die systematische Aufarbeitung von Quellenmaterial in Archiven wird ermittelt, in wessen Besitz sich ein Werk in seiner Geschichte befunden hat und auf welchem Weg es ins Museum gelangt ist.

Ziel ist das Schließen von lückenhaften Provenienzen, das Erkennen illegitimer Besitzwechsel sowie die Restitution von betroffenen Werken an ihre rechtmäßigen Eigentümer.

Baden-Württemberg bekennt sich zu den Washington Principles und der darauf folgenden Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz vom 14. Dezember 1999.

Das Land hat zur Beschleunigung der Aufgaben der Provenienzforschung 2015 drei Stellen für die Landesmuseen dauerhaft eingerichtet.

Provenienzforschung in der Kunsthalle Karlsruhe

Die Kunsthalle verwaltet ca. 3.200 Gemälde, 350 Plastiken und rund 90.000 Arbeiten auf Papier.

Die wichtigste Aufgabe der Provenienzforschung besteht in der systematischen und anlassbezogenen Aufarbeitung der Sammlungsbestände und der Überprüfung aller Werke, die in Sammlungs- oder Ausstellungskatalogen der Kunsthalle veröffentlicht werden.

Herkunftsforschung ist somit integral in die Arbeitsabläufe des Museums eingebunden.

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Darüber hinaus zielt die Arbeit der Provenienzforschung auch auf die Vermittlung der Ergebnisse an die Fach- und die breitere Öffentlichkeit in Vorträgen, Ausstellungen, Führungen, in Aufsätzen und über das Internet.

Seit 2016 existiert die Publikationsreihe Spurensuche. Provenienzforschung an der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, mit der die Kunsthalle gegenüber der Öffentlichkeit Rechenschaft über das Geleistete ablegt.

Seit April 2010 widmet sich die Kunsthistorikerin Dr. Tessa Friederike Rosebrock der Provenienzforschung in der Kunsthalle. Die Stelle der Wissenschaftlerin wurde zunächst für drei Jahre von der Arbeitsstelle für Provenienzforschung, Berlin, gefördert, die mittlerweile in der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, Magdeburg, aufgegangen ist. Seit Oktober 2013 werden die Personalmittel vollständig vom Land Baden-Württemberg bereitgestellt; seit 2015 ist die Stelle der Provenienzforscherin verstetigt.

Ein neues Leitbild für das Museum im 21. Jahrhundert

Neben die weiterhin zentrale Aufgabe der Erforschung von ehemals jüdischem Kunstbesitz treten in jüngerer Zeit andere Aufgaben der Herkunftsforschung, die Enteignungen in der DDR und die Erwerbungsumstände des kolonialen Erbes betreffend.

Provenienzforschung ist heute keine Sonderaufgabe, sondern Kernaufgabe des Museums. In diesem Sinne kommt ihr eine integrale Funktion bei der Entwicklung eines neuen Leitbildes für das Museum des 21. Jahrhunderts zu.

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Im Kunstmuseum begreifen wir die uns überlieferten Artefakte nicht nur als auratische Meisterwerke, sondern als dynamische Gefüge, die von jeder Generation neu zu erschließen sind.

Die Kunsthalle versteht sich als eine symbolische Institution der Zivilgesellschaft, die ihren Umgang mit den Objekten transparent gestaltet, ihren wissenschaftlichen Auftrag interdisziplinär auslegt und ethisch verankert.

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