Körper, Raum, Bewegung

Befindlichkeit im Raum

Wie stehen, wie bewegen sich Köper im Raum?

In vier Kapiteln hinterfragen die Künstler*innen Kristina König, Anna Sewanian, Lilith Schumann und Florian Musolff bei diesem Abschnitt der Tour die Grundbestandteile eines Gemäldes.

Kapitel 1: Reduziert

Aristide Maillol, Der Sommer (Torso), 1911
Wenn Sie in der Ausstellung sind:

Der rote Punkt auf der Karte zeigt Ihnen den Ort der nächsten Plastik.

Grundriss der Ausstellungsfläche der Präsentation See You, bei dem ein roter Punkt kennzeichnet, wo das Werk ausgestellt ist.
Handschriftlicher Text von Jonas Ludwig; Volltext im Transkript

 

GUTE FIGUR VOM MENSCHEN
IST GLEICH EINE FRAU GUT GEBAUT
MIT SCHÖNEN BRÜSTEN UND GUTEM
BAUCHNABEL, LEIDER OHNE PIERCING
HÜFTE SEXY SCHWUNG
BEINE SIND PERFEKT; FÜßE OK
SCHÄTZUNG DES ALTERS IST SO
UNGEFÄHR 20 ODER 30 JAHRE
DER POPO IST KNACKIG WIE EIN
GUTER GEREIFTER APFEL
DIE ARME WURDEN IM KRIEG ABGERISSEN ??
ES WURDE VERMUTLICH DER KOPF ABGESCHLAGEN,
VIELLEICHT WAR DIE FRAU UNTER DER GUILLOTINE GEFANGEN

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Gute Figur vom Menschen ist gleich eine Frau, gut gebaut, mit schönen Brüsten und gutem Bauchnabel, leider ohne Piercing, Hüfte, sexy Schwung, Beine sind perfekt, Füße okay, Sitzung des Alters ist so ungefähr Mitte 20, 30 Jahre, der Popo ist knackig wie ein guter gereifter Apfel, die Arme wurden beim Krieg abgerissen, es wurde unermüdlich der Kopf abgeschlagen, vielleicht war die Frau unter Quarantäne gefangen.

Jonas Ludwig im Gespräch mit Tamara Engert (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe) und Anna Sewanian über seinen Text.

Tamara Engert: Jonas, Du hast Dir Gedanken gemacht, warum die Figur keine Arme und keinen Kopf hat. Du hast geschrieben, sie könnte sie durch Gewalt – Krieg und Guillotine – verloren haben. Was könnte es noch für Gründe haben?

Anna Sewanian: Eine Unterstreichung. Wenn was fehlt, dann ist es eine Unterstreichung.

Tamara Engert: Genau. Es lenkt den Blick. Man schaut viel mehr auf das, was Du gerade alles beschrieben hast, Jonas. Der Künstler hat den weiblichen Körper und seine Merkmale genau so in den Vordergrund gestellt, wie Du es in Deinem Gedicht mit Worten getan hast. Anna, was Du vorhin erwähnt hast, dass Du solche Figuren mit fehlenden Gliedmaßen schon einmal in Rom gesehen hast: Was waren das für Figuren?

Anna Sewanian: Eros zum Beispiel.

Tamara Engert: Also antike Skulpturen. Da kann es dann sein, dass Stücke fehlen, weil sie kaputtgegangen sind über die Jahrhunderte.

Anna Sewanian: Das sieht man aber.

Tamara Engert: Und bei dieser Figur von Maillol, sieht man es da?

Anna Sewanian: Da sieht man, dass es extra gemacht worden ist.

Tamara Engert: Stimmt. Man sieht, dass es Absicht war. Es war also nicht Krieg oder die Guillotine, keine körperliche Gewalt. Aber trotzdem reduziert der Künstler sein weibliches Modell auf den Körper und nimmt ihm bewusst die Individualität, die Persönlichkeit. Es ist keine bestimmte Person gemeint, der Künstler hat den Körper als Bild für den Sommer verstanden.

 

Welche Gefühle oder Bilder löst es in Ihnen aus, wenn eine menschliche Figur als Torso, also nicht vollständig vor Ihnen steht?

Wenn Sie in der Ausstellung sind:

Zum nächsten Bild gelangen Sie, wenn Sie sich nach links wenden und den schmalen Gang entlang gehen, bis sie an der letzten Wand angekommen sind.

Kapitel 2: Theaterkulisse

Gemälde, das eine Treppe mir mehreren Winkeln hoch zu einem historischen Gebäude zeigt.
Karl Schmidt-Rottluff, Die weiße Treppe, 1929
Wenn Sie in der Ausstellung sind:

Der rote Punkt auf der Karte zeigt Ihnen den Ort des nächsten Gemäldes.

Grundriss der Ausstellungsfläche der Präsentation See You, bei dem ein roter Punkt kennzeichnet, wo das Werk ausgestellt ist.
Kubistisch anmutende Bleistiftzeichnung einer Architekturlandschaft mit Treppen, Säulen und Dächern.
Marie-Jo Seemann im Gespräch mit Isabel Dotzauer (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe) zu Karl Schmidt-Rottluffs Gemälde
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Isabel Dotzauer: Was gefällt Dir da dran? 

Marie-Jo Seemann: Was mir da dran gefällt? Da kann man ein gutes Theaterstück zusammenlegen oder so.

Isabel Dotzauer: Was für eins zum Beispiel? Hast Du eine Idee?

Marie-Jo Seemann: Da kann man wohnen.

Isabel Dotzauer: Aha.

Marie-Jo Seemann: Man kann im Theater spielen. Zum Beispiel Romeo und Julia zum Beispiel. –

Isabel Dotzauer: Super Idee. Da kommt auch eine Treppe vor, oder?

Marie-Jo Seemann: Ja, genau. Da habe ich gedacht, vielleicht kommt oben runter meine Freundin. Runter als Romeo oder so. Habe ich gedacht. Und ich komme von da unten. Genau.

Isabel Dotzauer: Wie ein Bühnenbild.

Marie-Jo Seemann: Genau. Das ist für mich ein Bühnenbild. Was sehr Abstraktes von einem Künstler. Bestimmt ist da so ein Hof. Da kann man sich gut versammeln. Ja.

 

Dieses Transkript wurde KI-gestützt erstellt und anschließend redaktionell überarbeitet.

Wenn Sie in der Ausstellung sind:

Der nächste Halt ist vor einer Plastik. Drehen Sie sich um und gehen Sie einige Meter, bis Sie vor einer Vitrine stehen.

Kapitel 3: Vom Raum in die Fläche in den Raum

Eine Konstruktivistische Skulptur, bestehend aus einer transparenten, birnenförmigen Acrylform, in der feine, helle Nylonfäden von einem zentralen, trichterförmigen schwarzen Element sternförmig zum äußeren Rand gespannt sind. Die Skulptur steht auf einem glänzenden, schwarzen Sockel, der sie spiegelt, vor einer weißen Wand.
Naum Gabo, Sphärisches Thema (2. Variation), 1937/1938
© The Work of Naum Gabo © Nina & Graham Williams/Tate
Wenn Sie in der Ausstellung sind:

Der rote Punkt auf der Karte zeigt Ihnen den Ort des nächsten Gemäldes.

Grundriss der Ausstellungsfläche der Präsentation See You, bei dem ein roter Punkt kennzeichnet, wo das Werk ausgestellt ist.

Wie kann man dreidimensionale Objekte auf einem flachen Stück Papier abbilden? Und was greift man dabei auf?

Laetitia Bihler haben vor allem das Größenverhältnis und der Aufbau interessiert, sie hatte aber bei Betrachtung der Kugel im Zentrum auch die Assoziation an sich selbst als kleines Kind.

In einer farbigen Version variiert sie das ursprüngliche, schwarz-weiß gestaltete Objekt. In einem weiteren Schritt übersetzt sie die Zeichnung wieder in den Raum.

Wie hätten Sie das Raumobjekt in die Fläche gebannt?

Zeichnung eines organischen Körpers mit feinen Linien, in der Mitte eine organische Figur mir einem kleinen, dunklen Detail
Farbige Zeichnung: Ein von einem weiß-rosa-schwarz gestreiften Oval umgebener brauner Innenbereich mit dunklen Formen, eingefasst von einer braunen Fläche mit blauen Rändern links und rechts.
Laetitia Bihler mit Brigitte Reisz (AHOI studios) im Gespräch darüber, was sie an Naum Gabos Plastik interessiert hat.
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Brigitte Reisz: Guck mal, das war die Skulptur, die Du Dir ausgesucht hast, und die hast Du abgezeichnet.

Laetitia Bihler: Ja, ja, kann sein. Sieht nicht so groß aus.

Brigitte Reisz: Weil sie groß ist? 

Laetitia Bihler: Ja, ja, so groß ist, ja.

Brigitte Reisz: Und was hat Dir noch an ihr gefallen?

Laetitia Bihler: Der kleine Hubbel, der kleine.

Brigitte Reisz: In der Mitte, der schwarze? Den fandst Du gut? 

Laetitia Bihler: Ja, genau. Der sieht sehr klein aus.

Brigitte Reisz: Weil die Skulptur groß ist und in der Mitte so ein kleiner, dunkler Punkt ist, ein Hubbel.

Laetitia Bihler: Ja, ein Hubbel, ja.

Brigitte Reisz: Und kannst Du noch irgendwas sagen, warum sie Dich angezogen hat?

Laetitia Bihler: Die sieht so süß aus, die kleinen Striche.

Brigitte Reisz: Diese Striche, die von der Mitte ausgehen? Wie Strahlen, ne? Fandst Du süß?

Laetitia Bihler: Ja, genau, lustig.  Sieht lustig aus.

Brigitte Reisz: Und die Form?

Laetitia Bihler:  Sie ist so groß, sehr groß. Ein bisschen jünger, der kleine, große. Die ist so groß. Die ist so groß mit mir.

Brigitte Reisz: Wie, Du meinst, das ist was Kleines und was Großes? Wie wenn man von kleinem Kind groß wächst, so irgendwas. Das hat Dich erinnert.

Laetitia Bihler: Ja, genau, die ist sehr groß. 

Brigitte Reisz: Genau, die ist groß geworden. Sie hat immer aber noch den kleinen Kern in sich drin. 

Laetitia Bihler: Ja, genau.

 

Dieses Transkript wurde KI-gestützt erstellt und anschließend redaktionell überarbeitet.

Eine abstrakte, organisch geformte Skulptur, hängend an einem Faden. Sie besteht aus einem breiten, unregelmäßigen Ring mit radialen, schwarz-weißen Streifen und einer zentralen, schwarzen, unregelmäßigen Form, die von Drahtschlaufen umgeben ist.
Wenn Sie in der Ausstellung sind:

Um zum nächsten Werk zu gelangen, wenden Sie sich nach rechts und gehen Sie rechts um die Ecke. Wenn Sie ein Stück an der rechten Wand entlanggegangen sind, stehen Sie vor dem Gemälde des letzten Kapitels.

Kapitel 4: In den Raum geritzt

Dichte, kratzende Malerei in Braun-Schwarz-Ocker mit maskenhaftem Gesicht in der Mitte und vielen kleinen Figuren.
Wenn Sie in der Ausstellung sind:

Der rote Punkt auf der Karte zeigt Ihnen den Ort des nächsten Gemäldes.

Grundriss der Ausstellungsfläche der Präsentation See You, bei dem ein roter Punkt kennzeichnet, wo das Werk ausgestellt ist.
Anna Sewanian im Gespräch mit Isabel Dotzauer (Kunsthalle) zum Museum allgemein und zu Jean Dubuffets Bild.
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Ach, das ist von Jean Dubuffet. Das ist doch ein Art Brut-Künstler… Das ist der Begründer der Outsider-Art. Das ist das, was ich mache! Anna Sewanian

Isabel Dotzauer: Anna, warum gehst Du gerne ins Kunstmuseum?

Anna Sewanian: Also ich gehe gerne ins Kunstmuseum, weil hier ist geballte Kunst überall zu sehen. Die Rahmen sind alles sehr, sehr schön und die Bilder sind auch toll. Und ich kann fast nicht sagen, was mir mehr gefällt. Das Alte oder das Neue.

Isabel Dotzauer: Hast Du ein Lieblingsbild?

Anna Sewanian:  Ganz viele. Aber das mit der Struktur da vorne, mit den Fußabdrücken, das finde ich sehr faszinierend.

Isabel Dotzauer:  Das von Jean Dubuffet, wo die Fußabdrücke im Sand sind. Was fasziniert Dich daran?

(…)

Anna Sewanian: Die Technik ist halt toll, dass man durch Ritzen auch Sachen zum Vorschein bringen kann. Also, dass die Farbe, die drunter liegt, auch vorne liegen kann. Und die Farbigkeit. Sehr viele Farben. Sehr unruhig.

Isabel Dotzauer: Und wie wirkt das Bild auf Dich?

Anna Sewanian: Toll. Ich finde es toll, wie die Nase und die Zähne und das Auge dahin platziert ist. Richtig so. Mit Wut und Wildnis und Grobheit.

Isabel Dotzauer: Und ist eher die Figur grob oder ist der Maler, der es gemalt hat, grob und wütend?

Anna Sewanian: Der Maler, der es gemacht hat, hat hier die zwei Arme herausgestreckt, vom Körper, vom Oberkörper und das aufgeteilt – eins, zwei, drei vier. Und dann die Zuschauer hier, die Kamele, die Zuschauer hier und hier.

Isabel Dotzauer: Und hast Du selber, wenn Du malst, kommst du auch in so einen Zustand? Keine Ahnung, wenn Du sagst, dass Du mal wütend bist, zeichnest Du dann?

Anna Sewanian: Also ich müsste eigentlich sagen, dass ich es düster finde, aber ich finde es nicht düster. Wenn sie Farben sprechen, eigentlich eine andere Sprache.

Isabel Dotzauer: Welche?

Anna Sewanian: Arabisch. Ne, ich weiß es nicht. Warum nicht Arabisch? Da sind auch Kamele zu sehen und der Horizont ist gebogen. Also mir gefällt es total.

 

Dieses Transkript wurde KI-gestützt erstellt und anschließend redaktionell überarbeitet.

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