Eine Frage der Perspektive

Magnetismus des Halbdunkel

Jeder Mensch hat seine eigene Sichtweise auf ein Kunstwerk. Für jede*n tritt etwas anderes in den Vordergrund, bei jede*m löst ein Bild andere Gefühle aus.

In den drei Kapiteln dieser Station werfen die Künstler*innen Klaus Höflmeier, Lilith Schumann, Fabian Roth-Neda, Marie-Jo Seemann und Anna Sewanian ihren je speziellen Blick auf ein Gemälde.

Welche Perspektive würden Sie dem noch hinzufügen wollen?

Kapitel 1: Licht und Dunkelheit

Symbolistisches Nachtbild: klassizistisches Mausoleum mit Harfenspielerin im Eingang, umgeben von dunklen Zypressen, im Vordergrund Wasser mit Schaum.
Farbige Nachzeichnung (Ölpastell auf Blau) von Kellers „Böcklins Grab“: Mausoleum zwischen Tannen, dunkle Gestalt am Eingang.
Klaus Höflmeier zu der Frage, warum er Ferdinand Kellers Gemälde gewählt hat
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Weil es mich irgendwie inspiriert hat, wegen des Eingangs, weil da oben drauf so ein Gesicht da ist und unten dran ist ein Mann, wo er so mir auswirkt wie schwarze Magie, ne?

Und es ist auch zu dunkel das Bild und Dämmerung und deswegen ist es so düster und das Wasser ist nicht mehr so bläulich, dann ist es eher schwarz-weiß-gräulich.

Und deswegen, weil es so düster ist, habe ich dieses Bild, weil ich so oder so Vampirbilder mache und so, deswegen war mir gerade so.

Aber ich merke es in der rechten Seite, aber von der anderen Seite ist es nichts. Es ist ein Engel, da ist nichts mit düsterig zu tun. Aber von oben das Gesicht und der Mann da und dann noch hintendran, das ist eher so düsterige Gesichter.

Ich war auch ein bisschen aufgeregt von gestern Abend und deswegen bin ich auch ein bisschen leicht angespannt. Aber ich bin runtergekommen damit und deswegen hat mich auch das Bild fasziniert.

 

Dieses Transkript wurde KI-gestützt erstellt und anschließend redaktionell überarbeitet.

Monochrome Kreidezeichnung auf Schwarz: Grabbau in dichtem Gehölz mit Harfenspielerin, vorn bewegtes Wasser mit Spiegelung.
Handschriftlicher Gedichtentwurf von Lilith Schumann in mehreren Varianten; lesbare Fassungen im Transkript.
Handschriftlicher Gedichtentwurf von Lilith Schumann mit Korrekturen; Volltext (lesbare Teile) im Transkript.
Handschriftlicher Gedichtentwurf von Lilith Schumann mit Korrekturen und Streichungen; transkribierbare Passagen im Transkript.
Lilith Schumann zu der Frage, was für einen Ort sie in Ferdinand Kellers Gemälde sieht.
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Das ist so ein Ort der Zuflucht, weil ja, da ist sehr viel Düsteres in diesem Bild, aber was im Mittelpunkt steht, ist dann nicht mehr das Dunkle, sondern das Helle.

Und das ist im Zentrum des Bildes und das macht es für mich so besonders, weil vor allem, ich habe die Perspektive vom Wasser aus und ich gucke vom Wasser auf diesen Ort und das ist für mich auch nochmal ein interessanter Aspekt, weil ich weiß gar nicht, was ist da hinter mir, überall im Wasser, um mich herum, wo bin ich überhaupt im Wasser?

Und dann ist es für mich so, okay, da ist jetzt das Land und da ist auch irgendwo das Licht und das zieht mich total an und es beruhigt mich total, wenn ich da hingucke. Und das ist irgendwie sehr tröstlich. Ich glaube, das ist vielleicht ein ganz guter Begriff.

Also eben dieses Loslassen von dieser Dunkelheit. Und wie immer noch von einer relativ düsteren Gestalt auch empfangen werden, aber mit der Harfe und da habe ich dann auch drüber geschrieben, ein Stück weit, mit dieser Musik und was es auch für, also echt mehr so dieses Gefühl der Musik.

Und was ich mitbekommen habe, geht es da ja auch schon um so einen Grab. Und da auch ein Stück weit diese Reise vielleicht, dieses Verabschieden, aber gleichzeitig empfangen werden von was Schönerem und das Dunkle hinter sich lassen. Das ist so ein bisschen, was mich daran interessiert hat.

Und jetzt hier bei dem Bild wollte ich nämlich auch praktisch als Basis das Dunkle haben und eben mich genau nur noch auf dieses Helle, auf das Licht konzentrieren und gucken, wo ist das Licht und was kann ich rausholen, wenn ich wirklich nur noch mit Dunkel und Hell spiele. Und das hat auch Spaß gemacht, fand ich wirklich sehr interessant, habe ich so noch nicht gemacht in dem Sinn vorher.

 

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Handschriftlicher Gedichtentwurf von Lilith Schumann mit Korrekturen und Streichungen; transkribierbare Passagen im Transkript.

Lilith Schumann hat sich nach dieser ersten Reaktion weiter intensiv mit Ferdinand Kellers Gemälde auseinandergesetzt.

Im zeichnerischen Dialog mit dem Werk sind Gedanken und Gefühle aufgekommen, die die Künstlerin in die Form eines Gedichts gebracht hat.

 

Eingehüllt in mattes grau
hüllt der Schleier mich ein
dick und nass

Blind + leer

bedrängt von der Stille
die lauert im Nebel

Flüstern

Gleite ich durch die Unsicherheit
Getragen vom Sog
schweben die Töne durch den kalten
Vorhang aus Nebel

still und schwer

von Kälte durchdringen die Kälte meine
Erreicht ein schmaler Faden aus
Licht meine beiden Augen

 

Eingehüllt in mattes grau
dick und nass hüllt der Schleier mich ein
Bedrängt von der Stille
die lauert im Nebel
Gleite ich durch die Unsicherheit
leise, nur ein Gefühl
Dringt ein Hauch zu mir hindurch
Ein Hell und sanft
schwebt es durch den Nebel
erfüllt die Stille
mit zarten Fingern
Trägt einen Ton durch den die das bedrängende Schweigen
der den Vorhang durchscheint
Erreicht ein schmaler Faden aus Licht meine blinden Augen

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Handschriftlicher Gedichtentwurf von Lilith Schumann mit Korrekturen; Volltext (lesbare Teile) im Transkript.

Still und schwer
wartet die Nacht
Hat ihre eisernen Finger
nach mir ausgestreckt
ein unsichtbares Raubtier
dass sich an mich schmiegt
mich mit Kälte durchdringt
einen dichten
Schleier aus Angst über mich legt,
der die Welt vor meinen Augen langsam
verbirgt. Ich starre ins Nichts
Erwartungsvolle Stille lauert im Nebel
betäubt meine Ohren,
lässt leere zurück
Friert die Welt um mich ein
zweifelt an ihr
während die Zeit still steht.

Nur noch mich selbst zurücklässt.
und die Schläge in meiner Brust,
die sich an das Leben klammern.
Durch das Nichts
dringt eine regung nur ein Gefühl
Dringt ein Hauch zu mir hindurch.

 

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Handschriftlicher Gedichtentwurf von Lilith Schumann in mehreren Varianten; lesbare Fassungen im Transkript.

durchdrungen von Kälte, die Glieder taub
Dick und nass hüllt ein Schleier mich ein
Bedrängt von der Stille die lauert im Nebel
Gleite ich durch die Unsicherheit
leise, nur ein Gefühl
Dringt ein Hauch zu mir hindurch
Hell und sanft
Schwebt durch den Nebel
erfüllt die Stille mit zarten Fingern
Trägt einen Ton durch das bedrückende /bedrängende Schweigen
der den Vorhang durchscheint
Erreicht ein schmaler Faden aus Licht meine blinden Augen
Lässt mich frösteln
etwas spüren

ein Raubtier
unberechenbar

Still und schwer wartet die Nacht
ihre eisernen Finger nach mir ausgestreckt

Ein unsichtbares Raubtier
dass sich an mich schmiegt
mich mit Kälte durchdringt

Still und schwer
wartet die Nacht.
Hat ihre eisernen Finger
nach mir ausgestreckt
Ein unsichtbares
Raubtier
dass sich an mich
schmiegt
mich mit Kälte
durchdringt
betäubt meine Ohren
Und einen Schleier
aus Angst um mich
legt. / Erwartungsvolle
Stille lauert
im Nebel

 

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Lilith Schumann, Gedicht, entstanden in Reaktion auf Ferdinand Kellers Gemälde.
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Still und schwer wartet die Nacht
hat ihre eisernen Finger nach mir ausgestreckt.
Ein unsichtbares Raubtier, das sich an mich schmiegt,
mich mit Kälte durchdringt,
einen dichten Schleier aus Angst über mich legt,
der die Welt vor meinen Augen langsam verbirgt.

Ich starre ins Nichts, erwartungsvolle Stille lauert im Nebel,
betäubt meine Ohren, lässt Leere zurück.
Friert die Welt um mich ein, zweifelt an ihr,
während die Zeit still steht,
nur noch mich selbst zurücklässt
und die Schläge in meiner Brust, die sich an das Leben klammern.

In diesem Nichts erwacht eine Regung,
ein Hauch, der zu mir schwebt,
spannt seine Fäden wie eine Spinne ihr Netz,
so dünn, fast weich,
streckt sich nach mir eine neue Kraft,
bettet mich ein in sanftes Licht.

Doch es gibt nichts zu sehen außer mich selbst,
ganz nah und doch unendlich weit weg.

Ich will es spüren, irgendwas spüren,
was mich von der Leere befreit,
die mein Innerstes gefangen hält.

Und dann durchdringt es mich,
wird eins mit mir, ich kann es hören,
das Echo meiner Seele,
das in mir und um mich herum erklingt,
die Fäden entlang aus mir fließt,
die zu dichten, warmen Wellen werden,
die mich davontragen,
während ich den Schmerz endlich loslasse,
endlich angekommen bin.

 

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Kapitel 2: Ansichtssache

Kubistisches Gemälde von Robert Delaunay: fragmentierter, dynamisch zerlegter Eiffelturm zwischen Wolkenformationen über Pariser Dächern.
Wenn Sie vor Ort sind:

Der rote Punkt auf der Karte zeigt Ihnen den Ort des nächsten Gemäldes.

Grundriss der Ausstellungsfläche der Präsentation See You, bei dem ein roter Punkt kennzeichnet, wo das Werk ausgestellt ist.

Robert Delaunay hat bei seinem Gemälde das feste Gefüge des Eiffelturms malerisch zerlegt: Man sieht ihn von oben, von unten und von der Seite – alles gleichzeitig.

Fabian Roth-Neda und Marie-Jo Seemann fügen noch weitere Perspektiven auf den Bau und Delaunays Gemälde hinzu.

Bleistiftskizze einer turmartigen Struktur mit rotem Herz und handschriftlichen Namen „FABIAN“, „LAURA“, „PARIS“.
Bunte Stiftzeichnung des Eiffelturms mit Schriftzügen „PARIS“ und „FABIAN“
Schlichte Bleistiftskizze des Eiffelturms mit Wolken und der Beschriftung „PARIS“.
Rhythmische Kreideskizze in Blau und Rot auf Rosa: Eiffelturm in Froschperspektive, nur Konstruktionslinien.

Kapitel 3: Beschreibung mit Farben und Worten

Expressionistisches Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner: geschwungene Bahntrasse mit Zug, links Häuserzeile, rechts Gasometer mit blauen Kuppeln.
Ölpastell-Nachzeichnung des Kirchner-Motivs: gelbe Bahnkurve mit Lok, Fabriken mit Schornstein, violette Gasometer.
Gespräch zwischen Anna Sewanian und Tamara Engert (Kunsthalle) zur Komposition von Ernst Ludwig Kirchners Gemälde
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Anna Sewanian: Das Bild gefällt mir sehr gut, weil die Raumaufteilung so schön ist, die runde Gleis- und den Zug, der darunter rattert, und rechts davon die Silouans in wunderschönen Farben, hellblau und lila, das gefällt mir sehr gut. Und im Hintergrund links oben sind ein paar Häuser angedeutet und der Schornstein qualmt und das ist echt sehr schön geworden, finde ich, deswegen male ich das jetzt ab. 

Tamara Engert: Du hast gerade gesagt, dass dir die Aufteilung gut gefällt, was findest du an der so gelungen?

Anna Sewanian: Es ist halt außergewöhnlich, dass es so ein Schwung ist, wo der Zug entlang lang fährt. Also so eine runde Bahn habe ich vorher noch nicht gesehen gehabt, deswegen. Und Ernst Ludwig Kirchner ist auch ein sehr bekannter Brücke-Künstler, und das gefällt mir halt auch, dass er da mitgemacht hat.

 

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Pastellzeichnung einer bunten Modelllandschaft aus hoher Vogelperspektive mit einem lila Turm, gelben Häusern und einer kurvenden Eisenbahn.
Klaus Höflmeier im Gespräch mit Isabel Dotzauer (Staatliche Kusnthalle Kunsthalle) zu der Frage, was ihn an Ernst Ludwig Kirchners Gemälde fasziniert.
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Klaus Höflmeier: Erstmal die Landschaft und die Wassertonne, wo um die über 100 oder Tonnen Liter Wasser sind. Und es ist eher so mehr zur Industrie und Landschaft, so wie im Rheinhafen, wo ich gewohnt habe, in Karlsruhe, bei meinen Eltern früher und das hat mich gerade so inspiriert. Ich habe in der Stadt gemacht was, von meinem Lade ein Stück von der Südstadt, das ist aber Richtung Innenstadt, und das hat mich fasziniert, und da habe ich das auch gemacht, fotografiert und abgemalt.

Isabel Dotzauer: Vom Foto abgemalt? Und wäre es auch spannend, das in der Natur zu malen, oder ist das schwierig?

Klaus Höflmeier: Könnte schon, aber am besten wäre das mit Fotografie, und dann das vergrößern lassen, im Computer, und dann das abzumalen, als bevor ich in Natur, und die Natur bewegt sich, deswegen kann man das nicht identisch machen. Deswegen macht man lieber ein Foto, und dann kann man das identisch machen.

Isabel Dotzauer: So eine Sekundenaufnahme von dem Moment?

Klaus Höflmeier: Von dem Moment, ja.

 

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