Joseph und das Weib des Potiphar
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Ein Mann und eine Frau in einem Raum. Sie versucht, ihn festzuhalten. Er will weg. Schon diese kurze Konstellation erzeugt Spannung. Was ist hier los.
Die Geschichte stammt aus dem Alten Testament, aus dem Buch Genesis. Sie erzählt von Joseph, der im Dienst eines hohen ägyptischen Beamten namens
Potiphar steht.
Der schöne und ehrgeizige Angestellte Joseph
Joseph ist jung, ehrgeizig und auffallend attraktiv. Die Bibel beschreibt ihn ausdrücklich als schön von Gestalt und Angesicht. Er lebt im Haus seines Arbeitgebers und verwaltet dessen Besitz.
Zwischen Begehren und List: Die namenlose Frau Potiphars
Die Ehefrau Potiphars, in der biblischen Erzählung namenlos, begehrt Joseph. Sie fordert ihn wiederholt auf, mit ihr zu schlafen. Joseph verweigert sich. Er beruft sich auf Loyalität, Moral und göttliche Ordnung.
Die Situation eskaliert. Die Frau stellt sich krank, lässt Joseph in ihr Gemach rufen und greift nach ihm. Als er flieht, bleibt ihr sein Gewand in der Hand.
Die körperliche Eskalation
In der barocken Bildfassung, die auf den italienischen Maler Carlo Cignani zurückgeht, steht genau dieser Moment der körperlichen Eskalation im Mittelpunkt.
Der Raum tritt zurück, die Nähe dominiert. Licht, Gestik, fliegende Haare und dramatisch bewegte Stoffbahnen folgen der theatralischen Bildsprache des
italienischen Spätbarock.
Haut als Zeichen für sozialen Status und Tugend
Der entblößte Oberkörper der Frau erscheint sinnlich und entschlossen. Schauen Sie auf die Haut. Was fällt Ihnen auf? Ihr Körper ist auffallend hell, beinahe leuchtend, während Joseph deutlich dunkler dargestellt ist. Diese Unterschiede sind kein Zufall.
Helle, makellose Haut galt in der Frühen Neuzeit als Zeichen von Weiblichkeit, sozialem Status und Tugend (was ironisch ist, weil hier die Tugend „gebrochen“
wird). Sie verweist auf ein Leben im Inneren, fern von körperlicher Arbeit und Sonne.
Männliche Haut hingegen durfte dunkler sein. Sie stand für Aktivität, Arbeit, Handlung im Außen.
Zwischen Versuchung und moralischer Standhaftigkeit
Josephs erhobene Arme und sein nach oben gerichteter Blick verraten Überforderung und Verzweiflung. Affekte und große Gefühle sind im Barock zentral,
doch sie dienen einem klaren Ziel. Moralischer Belehrung.
Die Üppigkeit des weiblichen Körpers, die Fülle kostbarer Stoffe und die Nähe der Körper stehen für Wollust und Luxuria. In dieser Bildlogik wird die Frau zur
Verkörperung der Versuchung. Joseph dagegen erscheint als moralisch standhafter, wenn auch bedrängter Held.
Ein barockes Drama über die Ordnung der Geschlechter
Das Bild erzählt damit weniger von individueller Schuld als von einer Ordnung der Geschlechter. Weibliches Begehren erscheint als Gefahr. Männliche Selbstkontrolle als Ideal.
Das barocke Drama ist nicht nur eine Geschichte über Verführung, sondern über Macht, Moral und die Inszenierung von Körpern.
Fragen Sie sich beim Betrachten dieses Werkes, wessen Perspektive hier erzählt wird. Und welche Rolle dem weiblichen Körper dabei zugeschrieben wird.
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Daten und Fakten
| Titel | Joseph und das Weib des Potiphar |
|---|---|
| Künstler*in | Carlo Cignani - Kopie |
| Entstehungszeit | 1575 - 1770 |
| Inventarnummer | 1771 |
| Maße Bildträger | H 98,0 cm B 100,0 cm |
| Maße Rahmen | H 115,5 cm B 112,5 cm T 9,0 cm |
| Material | Leinwand |
| Technik | Ölfarbe |
| Gattung | Gemälde |
| Abteilung | Alte Malerei (vor 1800) |
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1966: Katalog Alte Meister bis 1800
Bearb.: Lauts, Jan; Hrsg.: Vereinigung d. Freunde d. Staatl. Kunsthalle
Bildband -
1966: Katalog Alte Meister bis 1800
Bearb.: Lauts, Jan; Hrsg.: Vereinigung d. Freunde d. Staatl. Kunsthalle