Kunsthalle x KUNST + kaviar (7/9) Joseph und das Weib des Potiphar Details der Station
Carlo Cignani - Kopie - Joseph und das Weib des Potiphar
Weitere Abbildungen

Joseph und das Weib des Potiphar

Carlo Cignani - Kopie

Maße:
H 98,0 cm  B 100,0 cm  
Jahr:
1575 - 1770
Ort:
nicht ausgestellt

Kunsthalle x KUNST + kaviar

0:00
0:00

Ein Mann und eine Frau in einem Raum. Sie versucht, ihn festzuhalten. Er will weg. Schon diese kurze Konstellation erzeugt Spannung. Was ist hier los.

Die Geschichte stammt aus dem Alten Testament, aus dem Buch Genesis. Sie erzählt von Joseph, der im Dienst eines hohen ägyptischen Beamten namens
Potiphar steht.

Der schöne und ehrgeizige Angestellte Joseph

Joseph ist jung, ehrgeizig und auffallend attraktiv. Die Bibel beschreibt ihn ausdrücklich als schön von Gestalt und Angesicht. Er lebt im Haus seines Arbeitgebers und verwaltet dessen Besitz.

Detail des Kopfs des Joseph aus dem Ölgemälde „Joseph und das Weib des Potiphar“ (Kopie nach Carlo Cignani).

Zwischen Begehren und List: Die namenlose Frau Potiphars

Die Ehefrau Potiphars, in der biblischen Erzählung namenlos, begehrt Joseph. Sie fordert ihn wiederholt auf, mit ihr zu schlafen. Joseph verweigert sich. Er beruft sich auf Loyalität, Moral und göttliche Ordnung.

Die Situation eskaliert. Die Frau stellt sich krank, lässt Joseph in ihr Gemach rufen und greift nach ihm. Als er flieht, bleibt ihr sein Gewand in der Hand.

Detail der Frau des Potiphar aus dem Ölgemälde „Joseph und das Weib des Potiphar“ (Kopie nach Carlo Cignani)
Ölgemälde „Joseph und das Weib des Potiphar“ (Kopie nach Carlo Cignani) in einem achteckigen Goldrahmen. Die Szene zeigt die Frau des Potiphar mit entblößtem Oberkörper und blau-goldenem Brokattuch, wie sie den jungen Joseph am rote Manteltuch festhält. Joseph wendet sich erschrocken ab, blickt auf und hebt schützend die Hände.

Die körperliche Eskalation

In der barocken Bildfassung, die auf den italienischen Maler Carlo Cignani zurückgeht, steht genau dieser Moment der körperlichen Eskalation im Mittelpunkt.

Der Raum tritt zurück, die Nähe dominiert. Licht, Gestik, fliegende Haare und dramatisch bewegte Stoffbahnen folgen der theatralischen Bildsprache des
italienischen Spätbarock.

Haut als Zeichen für sozialen Status und Tugend

Der entblößte Oberkörper der Frau erscheint sinnlich und entschlossen. Schauen Sie auf die Haut. Was fällt Ihnen auf? Ihr Körper ist auffallend hell, beinahe leuchtend, während Joseph deutlich dunkler dargestellt ist. Diese Unterschiede sind kein Zufall.

Helle, makellose Haut galt in der Frühen Neuzeit als Zeichen von Weiblichkeit, sozialem Status und Tugend (was ironisch ist, weil hier die Tugend „gebrochen“
wird). Sie verweist auf ein Leben im Inneren, fern von körperlicher Arbeit und Sonne.

Männliche Haut hingegen durfte dunkler sein. Sie stand für Aktivität, Arbeit, Handlung im Außen.

Detail des Ölgemäldes „Joseph und das Weib des Potiphar“ (Kopie nach Carlo Cignani). Die Szene zeigt die Frau des Potiphar mit entblößtem Oberkörper, wie sie den jungen Joseph am rote Manteltuch festhält. Joseph wendet sich erschrocken ab, blickt auf und hebt schützend die Hände.

Zwischen Versuchung und moralischer Standhaftigkeit

Josephs erhobene Arme und sein nach oben gerichteter Blick verraten Überforderung und Verzweiflung. Affekte und große Gefühle sind im Barock zentral,
doch sie dienen einem klaren Ziel. Moralischer Belehrung.

Die Üppigkeit des weiblichen Körpers, die Fülle kostbarer Stoffe und die Nähe der Körper stehen für Wollust und Luxuria. In dieser Bildlogik wird die Frau zur
Verkörperung der Versuchung. Joseph dagegen erscheint als moralisch standhafter, wenn auch bedrängter Held.

Ein barockes Drama über die Ordnung der Geschlechter

Das Bild erzählt damit weniger von individueller Schuld als von einer Ordnung der Geschlechter. Weibliches Begehren erscheint als Gefahr. Männliche Selbstkontrolle als Ideal.

Das barocke Drama ist nicht nur eine Geschichte über Verführung, sondern über Macht, Moral und die Inszenierung von Körpern.

Fragen Sie sich beim Betrachten dieses Werkes, wessen Perspektive hier erzählt wird. Und welche Rolle dem weiblichen Körper dabei zugeschrieben wird.

Ölgemälde „Joseph und das Weib des Potiphar“ (Kopie nach Carlo Cignani) in einem achteckigen Goldrahmen. Die Szene zeigt die Frau des Potiphar mit entblößtem Oberkörper und blau-goldenem Brokattuch, wie sie den jungen Joseph am rote Manteltuch festhält. Joseph wendet sich erschrocken ab, blickt auf und hebt schützend die Hände.

Touren zu diesem Werk

Detail des Holzschnittes Die Hexen von Hans Baldung Grien. Mehrere weibliche Personen sind zusammen um einen Kessel abgebildet
Community-Tour

Kunsthalle x KUNST + kaviar


kurzweilig
ca. 30 min
zur Tour

Daten und Fakten

Titel Joseph und das Weib des Potiphar
Künstler*in Carlo Cignani - Kopie
Entstehungszeit 1575 - 1770
Inventarnummer 1771
Maße Bildträger H 98,0 cm  B 100,0 cm  
Maße Rahmen H 115,5 cm  B 112,5 cm  T 9,0 cm  
Material Leinwand
Technik Ölfarbe
Gattung Gemälde
Abteilung Alte Malerei (vor 1800)
Newsletter

Auch während der sanierungsbedingten Schließung informieren wir Sie hier über die Geschehnisse hinter den Kulissen der Kunsthalle.