Kunsthalle x KUNST + kaviar (8/9) Joseph und die Frau des Potiphar Details der Station
Willem van Mieris - Joseph und die Frau des Potiphar

Joseph und die Frau des Potiphar

Willem van Mieris

Maße:
H 46,2 cm  B 37,5 cm  
Jahr:
um 1700
Ort:
nicht ausgestellt

Kunsthalle x KUNST + kaviar

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Schauen Sie auf die Szene. Ein Mann und eine Frau in einem Raum. Er zieht sich zurück. Sie bleibt zurück. Schon diese Konstellation wirft Fragen auf. Was ist hier geschehen. Und was soll hier sichtbar werden.

Katholische Sinnlichkeit und protestantische Selbstkontrolle?

Dieses Bild entstand etwa zeitgleich mit dem zuvor betrachteten Werk, der Kopie nach Carlo Cignani,  jedoch unter völlig anderen Voraussetzungen.

Willem van Mieris lebt und arbeitet in Leiden, im protestantisch geprägten Kulturraum der niederländischen Republik. Während die katholische Bildtradition stark auf Affekt, Dramatik und sinnliche Überwältigung setzt, prägt den protestantische Kontext ein Ideal von Selbstdisziplin, Kontrolle und sozialer Ordnung.

Ölgemälde von Willem van Mieris, „Joseph und die Frau des Potiphar“. In einem prunkvollen Gemach lehnt die Frau des Potiphar fast nackt auf einem grünen Samtbett mit rotem Baldachin. Sie greift mit ausgestrecktem Arm nach dem lila Mantel von Joseph. Joseph, im braunen Gewand mit Römersandalen, weicht schockiert nach links aus, blickt hilfesuchend nach oben und drückt eine Hand an die Brust. Zu seinen Füßen liegt ein weiß-brauner Spaniel, der ihn anbellt.

Der vorbildliche Rückzug des Joseph

Richten Sie den Blick auf Joseph. Er flieht. Nur sein Gewand bleibt zurück, festgehalten von der Frau des Potiphar. Die eigentliche Eskalation sehen wir nicht,
doch wir können sie erahnen. Josephs Körper ist bereits auf Distanz. Sein Blick richtet sich nach oben. Der Rückzug wirkt kontrolliert, beinahe vorbildlich.

Detail, das den davon eilenden Joseph aus dem Ölgemälde von Willem van Mieris, „Joseph und die Frau des Potiphar“ zeigt.

Die männlichen Attribute der Frau des Potiphars

Nun schauen Sie auf die Frau. Sie bleibt zurück, spärlich bekleidet, auf dem Bett. Was fällt Ihnen auf. Der muskulöse Körperbau. Die kräftigen Arme. Der fordernde Blick. Solche körperlichen Merkmale wurden in der Frühen Neuzeit als männlich gelesen.

Sie markieren ein Verhalten, das als widernatürlich galt. Weibliche Aktivität wird hier zur Grenzüberschreitung.

Detail, das die den davon eilenden Joseph festhaltende, auf dem Bett liegende Frau des Potiphar aus dem Ölgemälde von Willem van Mieris, „Joseph und die Frau des Potiphar“ zeigt.

Weibliche Sexualität als Störung?

Das Problem ist in dieser Bildlogik nicht Sexualität an sich. Problematisch ist weibliches Begehren als aktive Handlung. Sobald die Frau handelt, begehrt und
zugreift, gerät die Ordnung ins Wanken. Weibliche Sexualität erscheint als Störung, nicht weil sie existiert, sondern weil sie Initiative zeigt.

Detail des nach oben blickenden, bellenden Hundes neben Joseph aus dem Ölgemälde von Willem van Mieris, „Joseph und die Frau des Potiphar“.

Der Hund als Verteidiger der moralischen Ordnung

Achten Sie nun auf ein scheinbar nebensächliches Detail. Den Hund im Bild. Er steht traditionell für Treue, Loyalität und moralische Ordnung. Sein Bellen wirkt wie ein Protest. Als akustisches Zeichen einer Grenzüberschreitung.

Der Hund reagiert dort, wo die Ordnung verletzt wird. Er fungiert als moralischer Zeuge der Szene.

Soziale Kontrolle statt individueller Schuld

So entfaltet sich hier keine Geschichte individueller Schuld, sondern ein Lehrstück über soziale Kontrolle. Der männliche Rückzug wird zum Ideal. Die weibliche Initiative zur Gefahr. Das Bild macht sichtbar, wie Moral nicht nur erzählt, sondern über Körper, Gesten und Symbole eingeschrieben wird.

Fragen Sie sich beim Betrachten dieses Werkes, wessen Ordnung hier verteidigt wird. Und wer in dieser Ordnung überhaupt handeln darf.

Touren zu diesem Werk

Detail des Holzschnittes Die Hexen von Hans Baldung Grien. Mehrere weibliche Personen sind zusammen um einen Kessel abgebildet
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kurzweilig
ca. 30 min
zur Tour

Daten und Fakten

Titel Joseph und die Frau des Potiphar
Künstler*in Willem van Mieris
Entstehungszeit um 1700
Inventarnummer 276
Maße Bildträger H 46,2 cm  B 37,5 cm  
Maße Rahmen H 74,2 cm  B 64,0 cm  T 8,0 cm  
Material Eichenholz
Technik Ölfarbe
Genre Historie
Gattung Gemälde
Abteilung Alte Malerei (vor 1800)
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