
Ängste (Ein Handschuh, Opus VI, Blatt 7)
Beschreibung
Als „Griffelkunst“ bezeichnet Max Klinger alle grafischen Künste, abgeleitet vom „gemeinsamen Werkzeug der vervielfältigenden Techniken, dem Griffel“, „dem symbolischen Wort für Feder und Stift“. In der Grafik zeigt er häufig das Problematische oder Fantastische. Im Laufe seiner Karriere schuf Klinger 14 druckgrafische Zyklen. Als bedeutendstes Werk gilt Opus VI „Ein Handschuh“, das durch ein autobiografisches Erlebnis inspiriert ist. Die zehnteilige Folge kreist um das Motiv des Handschuhs, der zunehmend zum erotischen Fetisch und Ursprung von Träumen und Ängsten wird.
Das siebte Blatt zeigt den Künstler im Bett liegend, bedrängt von einem Albtraum. Hinter ihm droht der überlebensgroß aufgeblähte Handschuh das Raumgefüge aufzubrechen. Zwei Fingerkuppen sind bereits zwischen Schlafzimmerwand und pechschwarzer Leere abgeknickt. Von links schwappen riesige Wassermassen mit Monstern sowie einem weiteren Handschuh heran. Panisch weist ein Glatzendämon mit beiden Zeigefingern auf die beiden bedrohlichen Handschuhe, ohne den zusammengekauerten Künstler aus dem Schlaf reißen zu können.
Es handelt sich bei dem Motiv um eine der frühesten Darstellung von Alpträumen, die Max Klinger geschaffen hatte. Alle Radierungen der Folge gehen auf Zeichnungen zurück, die der Künstler 1878 zum ersten Mal ausgestellt hatte.
Diese Grafikfolge ist der am stärksten in die Zukunft weisende Zyklus des Künstlers. Der ornamentale Schwung der Linien deutet die Nähe zum Jugendstil an. Dem Symbolismus kann die scheinbar willkürliche Verknüpfung von Bildelementen zugerechnet werden. Andere Gestaltungsprinzipien, wie der Wechsel der Proportionen, der Perspektive und die selbstständig handelnden Gegenstände weisen auf den Surrealismus voraus.
Daten und Fakten
Titel | Ängste (Ein Handschuh, Opus VI, Blatt 7) |
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Künstler*in | Max Klinger |
Entstehungszeit | 1881/zwischen 1893 und 1898 |
Inventarnummer | Bibliothek 1944-555-7 |
Maße Blatt | H 44,9 cm B 63,0 cm |
Maße Platte | H 14,4 cm B 26,7 cm |
Material | Kupferdruckpapier Chinapapier, aufgewalzt |
Technik | Radierung |
Gattung | Druckgrafik |
Abteilung | Kupferstichkabinett |
Max Klinger lebte anderthalb Jahre in Karlsruhe und besuchte dort die Kunstschule. Allerding war seine Meinung von der Stadt nicht durchweg positiv. So schreibt er 1874 in einem Brief „Das liebe Karlsruhe ist doch recht langweilig. Dieses ewige stille Leben war mir gestern ordentlich widerlich. Ich stürzte mich daher gleich in die Arbeit und habe auch viel geschaffen.“
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"Alle Register des Lebens" - Max Klinger 1857-1920
Käthe Kollwitz Museum, Köln 09.11.2007 - 20.01.2008
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Schönheit und Geheimnis. Der deutsche Symbolismus 1870-1920
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Ich bin hier! Von Rembrandt zum Selfie
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Autoportraits. De Rembrandt au selfie
Le musée des Beaux-Arts de Lyon 25.03. - 26.06.2016
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1909: Max Klingers Radierungen, Stiche und Steindrucke
Singer, Hans Wolfgang
Wissenschaftliches Verzeichnis -
1992: Max Klinger 1857-1920
Gleisberg, Dieter; Mehnert, Karl-Heinz u. a.
Städtische Galerie im Städelschen Kunstinstitut Frankfurt am Main, 12.02. - 07.06.1992; Von der Heydt-Museum Wuppertal, 28.06. - 06.09.1992 -
1996: Max Klinger
Birnie Danzker, Jo-Anne; Falk, Tilman; Scheffler, Gisela u. a.
Zeichnungen - Zustandsdrucke - Zyklen -
2007: Max Klinger
Jacob-Friesen, Holger; Wenn, Anja
Die druckgraphischen Folgen -
2013: Schönheit und Geheimnis - Der deutsche Symbolismus :
Hülsewig-Johnen, Jutta
Die andere Moderne -
2015: Ich bin hier!
Müller-Tamm, Pia (Hg.); Schäfer, Dorit (Hg.)
Von Rembrandt zum Selfie -
2022: Max Klinger und Max Beckmann
Jacob-Friesen, Holger