Architektur

Die Kunsthalle als Gesamtkunstwerk

Wer das Hauptgebäude der Kunsthalle Karlsruhe betritt, ist umgeben von einer Architektur, die den Museumsbesuch zu einem besonderen Raum-Erlebnis werden lässt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Heinrich Hübsch als Gesamtkunstwerk aus Architektur, Malerei und Skulptur konzipiert, flaniert der Besucher durch Räume, deren Gestaltung durch verschiedene Raumgrößen und Wandfarben auf das ästhetische Empfinden des Menschen einwirken sollte. Die Kunsthalle Karlsruhe ist einer der ersten Museumsbauten in Deutschland und einer der wenigen, die in seiner originalen Gestaltung noch weitgehend erhalten ist.

 

Die Kunsthalle als Gesamtkunstwerk (PDF, ~ 4 MB)

Der Architekt und sein Bauherr

Heinrich Hübsch hatte vor seiner Laufbahn als Architekt Philosophie und Mathematik studiert und bei dem Karlsruher Baumeister Friedrich Weinbrenner gelernt. Dem Architekten der Kunsthalle schwebte ein Ort vor, „wo Auge, Gefühl und Gedanke Hand in Hand gehen“. Dieser Ort der Kunst sollte nicht mehr nur einigen wenigen vorbehalten, sondern öffentlich zugänglich sein. 1830 entschloss sich der Großherzog Leopold von Baden neben dem vorhandenen Akademie-gebäude aus dem 18. Jahrhundert im „Interesse des öffentlichen Unterrichts“ eine Gemäldegalerie bauen zu lassen.

Inspiration aus Italien

Dem Architekten schwebte eine Vierflügelanlage vor, von der aber zunächst bis 1846 nur der erste Bauabschnitt entlang der heutigen Hans-Thoma-Straße umgesetzt wurde. Was die äußere und innere Erscheinung des Baus anging, setzte der Architekt auf die Wirkung unterschiedlicher Materialien. Stilistisch ließ sich Hübsch von seinen langen Italien-Aufenthalten inspirieren. In die Fassadengestaltung nahm er das „Venezianische Fenster“ auf, ein Rundbogenfenster, das seitlich von zwei rechteckigen Öffnungen begleitet wird.

Der Durm-Flügel

Rund vierzig Jahre später wandte man sich der Erweiterung der Kunsthalle zu. 1891 legte Josef Durm, der Baudirektor des Großherzogtums Baden, eine an Hübschs Gestaltung orientierte Planung vor, die ebenfalls eine Vierflügelanlage vorsah, wobei der Innenhof mit einer Glasdach-Konstruktion überwölbt werden sollte.  Auch Durm realisierte nur einen Flügel der von ihm geplanten Anlage. An der Ostfassade behielt der zweite Baumeister der Kunsthalle Hübschs Stil bei; lediglich die schmale, dem Schloss zugewandte Nordfassade entwarf er in einer aufwändigeren, neobarocken Formensprache.

Die Hans-Thoma-Kapelle

Um das Jahr 1904 sollte zu Ehren des damaligen Kunsthallen­direktors Hans Thoma ein eigenständiger Pavillon errichtet wer­den. Die Pläne wurden jedoch geändert. Oberbaurat Heinrich Amersbach legte 1908 Großherzog Friedrich II. Entwürfe für einen dreigeschossigen Nordflügel vor, deren Realisation wenig später begonnen wurde. Das Thoma gewidmete Erdgeschoss und eine oktogonale Kapelle im Hof wurden zu dessen 70. Geburtstag am 2. Oktober 1909 eingeweiht.

Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg

Die Verwüstungen des Zweiten Weltkriegs verschonten auch die Karlsruher Kunsthalle nicht. Die Sammlung war glücklicherweise bereits 1942 vollständig ausgeräumt und der Bau als Sitz einer städtischen Behörde genutzt worden.  Bei dem schweren Luftangriff am 27. September 1944 gingen Teile des Hauptgebäudes der Kunst­halle und die Orangerie in Flammen auf.  1948 konnte die erste Ausstellung im Erdgeschoß des Rückflügels gezeigt werden. Die festliche Wiedereröffnung des gesamten Museums fand erst 1951 statt.

Der Ergänzungsbau von Heinz Mohl

In den 1970er-Jahren wurde ein Wettbewerb für einen neuen Ergän­zungsbau ausgeschrieben. Der Karlsruher Architekt Heinz Mohl setzte sich mit einem Konzept durch, das die Idee des Vierflügelbaus von Heinrich Hübsch wieder aufnahm, aber eine zeitgenössische Formen­sprache einführte. Da der dreigeschossige Amersbach-Flügel für den vorgegebenen Rundgang auf zwei Etagen ungeeignet war, riss man diesen Gebäudeteil 1981/82 mit Ausnahme der Nordfassade ab. Bald darauf wurde der Neubau begonnen, der heute auf vier Geschos­sen über einem ausgebauten Keller das Kupferstichkabinett mit einem unmittelbar angegliederten Ausstellungsbereich, eine weitere Ausstellungsetage, Räume für Werkstätten, sowie wissenschaftliches Personal und Verwaltung umfasst. Die feierliche Eröffnung fand am 13.2.1990 statt. Insgesamt verfügte die Kunsthalle nun über 7474 Quadratmeter Nutzfläche.

Die Orangerie – Dependance der Kunsthalle

Während der Bauarbeiten an der „Großherzoglichen Kunsthalle“ wurde Heinrich Hübsch 1843 aufgefordert, Pläne für ein neues Orangerie-Gebäude vorzulegen. Es gab Vorgängerbauten aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, außerdem hatte schon sein Lehrer, Friedrich Weinbrenner, 1806 begonnen, eine Anlage aus Orangerie und Pflanzenhäusern zu konzipieren, die den Schlossgarten nach Süden und Westen abschließen sollte. Auf einer Reise nach England 1846 hatte sich Heinrich Hübsch mit den damals wegweisenden Errungenschaften für Gewächs­hausbauten vertraut gemacht, so erhielt die 1853 begonnene und 1857 fertig gestellte Orangerie ein bogenförmig gewölbtes Dach aus Glas, das jedoch während des Zweiten Weltkriegs zerstört wurde. In noch höherem Maße als beim Kunsthallenbau sah Hübsch bei der Gestaltung des Außenbaus der Orangerie verschiedenfarbige Materialien vor. Da die Orangenbaum-Kultur schon kurz nach der Errichtung der Orangerie wieder aufgegeben wurde, nutzte man den Bau bald für andere Zwecke. Im Sommer fanden hier die damals beliebten Kunst- und Industrieausstellungen statt. Um 1930 hatte die Gips-Sammlung der Kunsthalle dort für fünf Jahre eine Bleibe.

 

Im Zweiten Weltkrieg brann­te das Gebäude bis auf die Grundmauern nieder, so dass es erst 1952 wieder eröffnet werden konnte. Heute ist dort die zeitgenössische Sammlung der Kunsthalle oder eine Sonderausstellung zu sehen.

Die Junge Kunsthalle – ein neuer Ort für das Kindermuseum

Seit dem Frühjahr 2009 ist auch das dritte Gebäude von Heinrich Hübsch an der Hans-Thoma-Straße, ein zwischen Orangerie und Hauptgebäude gelegenes ehemaliges Wohnhaus, Teil der Ausstellungsfläche der Kunsthalle Karlsruhe. In der „Jungen Kunsthalle“ finden seitdem wechselnde Ausstellungen speziell für junge Besucher statt, die zuvor seit 1973 unter dem Namen „Kindermuseum“ in wechselnden Räumen der Kunsthalle untergebracht waren.

 

Das Gebäude wurde 1843 – noch vor der Planung der Orangerie und der Einweihung des Hauptgebäudes der Kunsthalle – als Wohnhaus des Hofgartendirektors nach Plänen von Heinrich Hübsch fertig gestellt. Der Baukörper ist ein einfacher Kubus mit einem flach geneigten Walmdach, dessen Architektur sich an der oberitalienischen Palastarchitektur orientiert. Es handelt sich um einen der wenigen Putzbauten des Baumeisters, der mit wenigen Strukturierungen durch Werksteine – etwa im Sockel und bei den Fenster- und Türrahmungen – auskommen musste. Aber auch in diesem Fall legte Hübsch Wert auf das Relief der Wände und entwarf für das Obergeschoß farblich abgesetzte Putzfelder. Das Haus ist eines der wenigen erhaltenen Wohngebäude von Hübsch. Bei der Sanierung 2009/2010 wurden die Innenräume im Obergeschoss der neuen Nutzung angepasst und die technische Infrastruktur ausgetauscht. Das Schieferdach wurde erneuert sowie die Fenster im Obergeschoss.

 

Kommende Termine

  • Mittwoch 26.11.
    • Kunstimbiss. Kurzführung
      DEGAS. Klassik und Experiment - Degas als Historienmaler
      13:00h
    • Die Mittwochsmaler
      16:00h
    • DEGAS. Klassik und Experiment
      16:00h

DEGAS beim SWR:

Sehen Sie den Beitrag zur DEGAS-Ausstellung im Kulturmagazin „Kunscht!“ auf der Website des

SWR

Meister-Rahmen für Meister-Werke

Button: Spendenkampagne, Mahlerey-Cabinet Karoline Luise
  • Eintritt

    regulär € 12 / ermäßigt € 9 / Schüler € 3 / Familien € 24

    Freunde der Staatlichen Kunsthalle haben freien Eintritt.
    Inhaber des Museumspasses haben freien Eintritt.

     

     
    Erweiterte Öffnungszeiten zu DEGAS
     

    Di -So. 10 - 18 Uhr,
    montags geschlossen
    jeden Donnerstag ist DEGAS bis 21 Uhr geöffnet;
    Ausnahmen:
    Donnerstag, 25.12.:
    Die DEGAS-Ausstellung ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
    Donnerstag, 1.1.2015:
    Die DEGAS-Ausstellung ist von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

    Sonderöffnungszeiten:
    Samstag, 6. Dezember:
    Die DEGAS-Ausstellung ist von 10 bis 24 Uhr geöffnet.
    Montag, 5. Januar 2015:
    Die DEGAS-Ausstellung ist von 10-18 Uhr geöffnet.

     


    Hotline: (0721) 926 26 96

    info@kunsthalle-karlsruhe.de

  • Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

    Hans-Thoma-Straße 2-6

    76133 Karlsruhe

     

    Telefon: (0721) 926 33 59

    Telefax: (0721) 926 67 88

    info@kunsthalle-karlsruhe.de

     

    Anfahrt planen

Immer aktuell

Newsletter abonnieren