Forschung

Forschungsprojekt
Das „Mahlerey-Cabinet“ von Karoline Luise von Baden
(1723 – 1783) im europäischem Kontext


VolkswagenStiftung fördert internationales Forschungsvorhaben in Karlsruhe mit 385.000 Euro

Für ein groß angelegtes Forschungsprojekt der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, des Generallandesarchivs Karlsruhe und der Universität Mendrisio hat die VolkswagenStiftung im März 2013 eine Fördersumme von 385.000 Euro bewilligt. Die Stiftung unterstützt sammlungsbezogene Forschungen sowie internationale Kooperationen zwischen Museen und Universitäten.

 

Zum 300. Gründungsjubiläum der Stadt Karlsruhe 2015 plant die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe eine Große Landesausstellung über Karoline Luise von Baden (1723 – 1783) als Kunstsammlerin. Zur Vorbereitung dieser Ausstellung beginnt nun ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, das sich der Erforschung ihrer Sammelpraxis widmet.

Karoline Luises „Mahlerey-Cabinet“ war mit über 200 Gemälden, darunter Meisterwerke von Rembrandt und Jean Siméon Chardin, eine Sammlung von europäischem Rang. Die überaus vielseitig talentierte und gebildete Markgräfin knüpfte zahlreiche Kontakte zu Intellektuellen, Künstlern, Sammlern und Kunsthändlern in vielen Ländern Europas. Sie kaufte vor allem holländische Werke des 17. Jahrhunderts sowie französische Malerei ihrer Zeitgenossen.

 

Die von Karoline Luise erworbenen Werke prägen die Sammlung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe bis heute. In der Ausstellung 2015 werden die neu gewonnenen Erkenntnisse einem breiten Publikum präsentiert. Dabei geht es nicht nur um die Rekonstruktion des heute nur noch teilweise in Karlsruhe erhaltenen „Mahlerey-Cabinet“. Vielmehr sollen der Geschmack der Markgräfin und ihr Nachdenken über Kunst in umfassender Weise anschaulich gemacht werden, auch durch Bilder, die für sie erstrebenswert, jedoch unerreichbar waren oder solche, die sie aus nachvollziehbaren Gründen abgelehnt hat.

Reichen Quellenbestand durch Zusammenarbeit erschließen

Ziel des gemeinsamen Forschungsprojektes ist die kunst- und ideengeschichtliche Analyse der Gemälde- und Graphiksammlung Karoline Luises auf der Grundlage einer einzigartig dichten, in vielerlei Hinsicht noch unausgeschöpften Quellenüberlieferung im Generallandesarchiv Karlsruhe. Der im Großherzoglichen Familienarchiv bewahrte schriftliche Nachlass umfasst in 154 Bänden den Schriftwechsel mit mehr als 750 Partnern. Dieser Bestand zählt zu den bedeutendsten seiner Art in Europa. Die Korrespondenz der Markgräfin mit Briefpartnern von Paris bis St. Petersburg spiegelt ihre geistige Regsamkeit, zeigt aber auch paradigmatisch die Mechanismen des Kunstmarkts im 18. Jahrhundert auf.

 

In enger wissenschaftlicher Kooperation werden die drei Einrichtungen nun bis 2015 die Quellen auswerten und die Fachkompetenzen interdisziplinär nutzen. Professor Dr. Christoph Frank von der Universität Mendrisio, Spezialist für die Geschichte von Sammlungen im Europa der Aufklärung und versierter Kenner Karoline Luises, steht für das Projekt in engem Austausch mit den Wissenschaftlern der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe sowie den Experten des Generallandesarchivs Karlsruhe. Aus den bewilligten Mitteln können über die Laufzeit von 24 Monaten insgesamt drei wissenschaftliche Mitarbeiter/innen beschäftigt werden.

Forschungsergebnisse für Öffentlichkeit und Fachpublikum

Ein vorrangiges Erkenntnisinteresse der Forscher wird es sein, nach den Kriterien zu fragen, die für die Kaufentscheidungen Karoline Luises wichtig waren: Welche Rolle spielten die Berater und Kunstagenten der Markgräfin, über welche anderen Informationsquellen, wie etwa Sammlungskataloge, gelehrte Journale und Bücher, verfügte sie? Auf diese Weise sollen Karoline Luises ästhetische Grundsätze und ihre Erwerbungsstrategien herausgearbeitet und mit der Tätigkeit anderer europäischer Sammlerinnen und Sammler verglichen werden.

 

„Das Forschungsprojekt setzt bei der regionalen Überlieferung in der Kunsthalle und im Generallandesarchiv an, wird aber darüber hinaus die europaweiten Kommunikationsnetze der Markgräfin, die Karlsruhe zu einem europäischen Musenhof machte, in den Blick nehmen. Es ist besonders erfreulich, dass die Förderlinie „Forschen in Museen“ der VolkswagenStiftung die Möglichkeit eröffnet, die Übersetzungsfunktion des Museums zur Vermittlung neuerer Forschung wahrzunehmen. Es ist uns von daher möglich, die Große Landesausstellung mit neuester Forschung zu fundieren“, erklärt die Direktorin der Staatlichen Kunsthalle, Prof. Dr. Pia Müller-Tamm.

 

Die Kunsthalle versteht sich seit rund 100 Jahren nicht nur als bestandswahrende, sondern auch als forschende und Forschung anregende Institution. Das gilt in ähnlicher Weise für das Generallandesarchiv Karlsruhe, dessen Leiter, Prof. Dr. Wolfgang Zimmermann, hinzufügt: „Die Ergebnisse des Forschungsprojekts werden im Online-Informationssystem „Kunstdiskurs und Sammeltätigkeit der Aufklärungszeit“ zugänglich gemacht und damit Impulse für vergleichbare Studien im internationalen Kontext geben.“

 

Die Fördergelder der VolkswagenStiftung ermöglichen auch eine interdisziplinäre Tagung mit Referenten aus verschiedenen Ländern, die dem Fachpublikum und der interessierten Öffentlichkeit schon 2014 erste wissenschaftliche Ergebnisse zugänglich machen soll.

Die drei Partner sind sich schon heute sicher: Forschungsprojekt und Ausstellung werden nicht nur ein neues Licht auf Markgräfin Karoline Luise werfen, sondern auch die Bedeutung der Residenz Karlsruhe im späten 18. Jahrhundert in ihren europäischen Bezügen sichtbar machen.

 

 

Wissenschaftliche Tagung „Aufgeklärter Kunstdiskursund höfische Sammelpraxis“
Das Mahlerey-Cabinet Karoline Luises von Baden im europäischen Kontext
10. – 12. September

Öffentliche Abendvorträge

Von den Grenzen Europas. Karoline Luise, ihre Agenten und Korrespondenten

Mittwoch, 10. September, 19 Uhr, Generallandesarchiv, Karlsruhe

Prof. Dr. Christoph Frank (Università della Svizzera Italiana, Mendrisio)

Tempel der Kunst. Sammlungen und ihr Publikum im 18. Jahrhundert.

Donnerstag, 11. September 2014, 19 Uhr, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Prof. Dr. Bénédicte Savoy (Technische Universität Berlin)

Für die Teilnahme am gesamten Programm der Tagung von 10. bis 12. September ist eine Anmeldung (thorsten.huthwelker@la-bw.de) unbedingt erforderlich.

Programm der wissenschaftlichen Tagung "Aufgeklärter Kunstdiskurs und höfische Sammelpraxis"

Provenienzforschung

Provinienzforscherin Tessa Rosebrock fand die Erben der restituierten Grafiken von Marcus de Bye
Tessa Rosebrock mit Grafiken von Marcus de Bye


Auf der internationalen Konferenz über Holocaust-Vermögenswerte, die im Dezember 1998 in Washington stattfand, wurden von 44 Ländern elf Prinzipien verabschiedet, die zur Lösung offener Fragen im Zusammenhang mit durch die Nationalsozialisten beschlagnahmten Kunstwerken beitragen sollen.

Washingtoner Prinzipien

 

Seitdem sehen sich öffentliche Museen, Bibliotheken und Archive insbesondere in Deutschland der Aufforderung gegenübergestellt, ihre Sammlungen auf möglicherweise verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut zu durchsuchen. Dieser Verpflichtung kommt die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe nach. Für die Provenienzforschung am Haus ist seit April 2010 die Kunsthistorikerin Tessa Rosebrock zuständig. Diese Wissenschaftlerstelle wurde für drei Jahre finanziell von der Arbeitsstelle für Provenienzrecherche/-forschung in Berlin unterstützt. Seit Oktober 2013 werden die Mittel vollständig vom Land Baden-Württemberg gestellt.

Arbeitsstelle für Provenienzforschung

 

Unter Provenienzforschung versteht man die wissenschaftliche Untersuchung der Herkunft von Kunstwerken und ihrer Geschichte bevor sie ins Museum gelangen. Ein lückenloser Beleg der Eigentümerschaft ist in diesem Zusammenhang oberstes Ziel. Überprüft werden Sammlungseingänge in die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe seit 1933, die vor 1945 entstanden sind. Im Vordergrund stehen dabei Gemälde, die während des Zweiten Weltkriegs von der Generalverwaltung der oberrheinischen Museen erworben wurden.

 

Durch intensive Beschäftigung mit den Objekten und die systematische Aufarbeitung von Quellenmaterial in eigenen und fremden Archiven wird ergründet, auf welchem Weg eine Arbeit das Künstleratelier verlassen hat, ob und auf welche Weise sie den Kunsthandel durchlief und wer ihre Eigentümer waren. Unvollständige Provenienzen sollen komplettiert und eventuelle illegitime Eignerwechsel aufgedeckt werden.

 

Die aus der Forschungsarbeit hervorgehenden Ergebnisse finden Eingang in die hauseigenen Bestandskataloge, von denen zwei in näherer Zeit publiziert werden. Außerdem werden sie in die Objektdatenbank IMDAS eingepflegt.

 

Kommende Termine

  • Sonntag 21.09.
    • Kunstmäzene der Vergangenheit
      11:00h
    • Tor, Tor, Toor! Das Spiel der Spiele in der Kunst
      Erweitertes Angebot in der Jungen Kunsthalle
      14:00h
    • Führung in Gebärdensprache
      14:00h

Wir bauen für Sie um:

Aufgrund von Um- und Aufbaumaßnahmen für die kommende DEGAS-Ausstellung sind in der Kunsthalle ab 30.9.2014 mehrere Räume geschlossen. Wir bitten um Ihr Verständnis. Mehr Informationen

Meister-Rahmen für Meister-Werke

Button: Spendenkampagne, Mahlerey-Cabinet Karoline Luise
  • Eintritt

    € 8 / ermäßigt € 6

    Familien € 16
    Schüler € 2
    Für Kinder bis 5 Jahren ist der Eintritt frei.

    Gruppen ab 10 Personen erhalten den ermäßigten Eintrittspreis.

     
    Öffnungszeiten

    Di–So, Fei 10–18 Uhr


    Hotline: (0721) 926 26 96

    info@kunsthalle-karlsruhe.de

  • Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

    Hans-Thoma-Straße 2-6

    76133 Karlsruhe

     

    Telefon: (0721) 926 33 59

    Telefax: (0721) 926 67 88

    info@kunsthalle-karlsruhe.de

     

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