500 Jahre Geschichte

Sehr viel älter als das Gebäude der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe ist ihre Sammlung. Sie geht zurück auf das Geschlecht der Markgrafen von Baden. Als Christoph I. kurz nach 1500 die später sogenannte „Markgrafentafel“ in Auftrag gab, entschied er sich für einen namhaften Künstler in Straßburg: Den Dürer-Schüler Hans Baldung Grien.

 

Das für den Beginn der Kunsthallen-Sammlung stehende Gemälde zeigt den Landesherrn mit seiner Gemahlin Ottilie von Katzenelnbogen und ihren 15 Kindern in Anbetung der „Anna selbdritt“. Im Angesicht der Heiligen Anna, der Schutzpatronin der Familie, wird die familiäre Eintracht, um die Christoph mit ebenso großem Einsatz rang wie um die Einheit seiner Markgrafschaft, als Programm entworfen.

Von Stiftern zu Sammlern

Ein Urenkel Christophs I., Markgraf Friedrich V. von Baden-Durlach, sammelte vor allem qualitätvolle Druckgraphik und Zeichnungen. Er erwarb in Straßburg das Skizzenbuch Hans Baldung Griens und ein großes Konvolut von Zeichnungen. Zu den Erwerbungen Friedrichs V. gehörten das weltweit größte Konvolut von Scheibenrissen sowie rund 420 Drucke niederländischer Manieristen, etwa 100 Blätter von Hendrick Goltzius, rund 150 Stiche nach Peter Paul Rubens und Anthonis van Dyck und insgesamt weit mehr als 1500 Arbeiten zeitgenössischer Künstler.

 

Auch Friedrich VI. von Baden-Durlach widmete sich dem Erwerb von Graphik. Friedrich VII. Magnus hingegen bewahrte die Sammlung beim Ausbruch des Pfälzischen Erbfolgekrieges 1688 vor der Zerstörung, indem er sie aus der „Karlsburg“ in Durlach nach Basel brachte. Das Inventar der Sammlung umfasste zu diesem Zeitpunkt mehr als 700 Gemälde unter anderem Jan van Hemessens „Lockere Gesellschaft“ und Hans Burgkmairs Bildnis des Gelehrten und Urhebers des „Narrenschiffs“, Sebastian Brant.

 

Zu einem passionierten, für das Profil der heutigen Sammlung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe prägenden Kunstkenner entwickelte sich Markgraf Hermann von Baden-Baden, der zunächst gegen die Truppen Ludwigs XIV. gekämpft hatte und später in diplomatischer Mission unterwegs war.

 

Rund 20 Werke, die heute in der Kunsthalle aufbewahrt werden, stammen aus dem Nachlass des kaiserlichen Feldherrn, der sich mit Bildern seiner Zeitgenossen umgab. Seinem Kunstverstand verdankt die Kunsthalle unter anderem Jacob Jordaens’ monumentales Gemälde „Moses schlägt Wasser aus dem Felsen“.

Die Markgräfin Karoline Luise

Den wichtigsten und fruchtbarsten Akzent in der Sammlungsgeschichte der Markgrafen jedoch setzte eine Frau, die 1751 in die Durlacher Linie eingeheiratet hatte: Karoline Luise, Prinzessin von Hessen-Darmstadt, wurde 28-jährig mit Markgraf Karl Friedrich vermählt. Im Jahr 1715 hatte dessen Großvater Karl Wilhelm die Stadt Karlsruhe gegründet und mit der Errichtung seines neuen Schlosses begonnen.

 

Karoline Luise, talentiert und gebildet, knüpfte zahlreiche Kontakte zu Gelehrten ihrer Zeit. Die Markgräfin sammelte vor allem Werke einer in Format und Thema eher intimen Feinmalerei. Der niederländische Realismus sagte ihr mehr zu als die Repräsentationsgesten des Barock oder die höfisch verspielte Kunst des Rokoko. Sie schickte ihre Berater nach Werken aus, die „très finis“ sein sollten.

 

Vor allem flämische Werke des 17. Jahrhunderts sowie französische Malerei ihrer Zeitgenossen fanden so Eingang in ihr Kabinett. Bei François Boucher gab sie 1759 zwei Schäfer-Szenen in Auftrag. Von Jean Baptiste Chardin erwarb sie fünf Gemälde, von denen heute noch vier Stillleben zur Sammlung der Kunsthalle zählen.

Maler als Direktoren der Kunsthalle

Unter der Leitung des Galeriedirektors Carl Ludwig Frommel wuchs Mitte des 19. Jahrhunderts der Bestand neuerer Kunst. Er kaufte die großformatigen Vorzeichnungen seiner mit Aufträgen der Monumentalmalerei betrauten nazarenischen Zeitgenossen Moritz von Schwind, Friedrich Overbeck und Julius Schnorr von Carolsfeld.

 

Durch die Ernennung von Hofmalern, die alle zwei Jahre Pflichtbilder abzugeben hatten und forciert durch die Gründung der Großherzoglichen Kunstschule 1854, wuchs der Anteil in Baden entstandener Kunst innerhalb der Sammlung stark an.

 

Mit der Berufung Johann Wilhelm Schirmers als Direktor der „Kunstschule“ und des Historienmalers Carl Friedrich Lessing zum Nachfolger Frommels als Direktor der Kunsthalle gelangten seit 1858 vor allem Historien- und Landschaftsbilder in die Sammlung.

 

1880 begann der erste Kunsthistoriker im Amt des Direktors, Professor Wilhelm Lübke, mit einer chronologischen Ordnung der Sammlung nach Schulen. Ihm verdankt die Kunsthalle die Erwerbung des monumentalen Gemäldes „Gastmahls des Plato“ von Anselm Feuerbach.

 

Im Jahr 1899 übernahm zum letzten Mal ein Maler, Hans Thoma, die Leitung des Hauses. In seine Amtszeit fällt eine der wichtigsten Erwerbungen des Hauses, der Ankauf von Matthias Grünewalds Tauberbischofsheimer Altar. Der französische Impressionismus lag indes jenseits dessen, was Thoma als erwerbenswert befand. Im Alter von 81 Jahren legte er 1920 sein Amt nieder.

Sammeln nach Kriterien der Wissenschaft

Dem Maler Thoma folgte mit Willy Storck ein Kunsthistoriker in der Position des Kunsthallen-Direktors, was von nun an die Regel sein sollte. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern empfahl er dem Ministerium absolute Zurückhaltung beim Ankauf badischer Künstler der Gegenwart, und trat dagegen für den Erwerb deutscher Impressionisten ein.

 

Storcks Mitarbeiterin Lilli Fischel wurde 1928 zur Kuratorin ernannt und leitete in dieser Position das Haus bis zu ihrer politisch motivierten Entlassung 1933. Die Kunsthistorikerin zeigte unter anderem eine Ausstellung mit Werken von Vincent van Gogh und erwarb Werke des deutschen Impressionismus und der Neuen Sachlichkeit. Als Spezialistin für Altdeutsche Malerei ergänzte sie aber auch die Karlsruher Sammlung durch bedeutende Tafeln mittelalterlicher Malerei.

 

Der Maler Hans Adolf Bühler, Fischels von den Nationalsozialisten eingesetzter Nachfolger, disqualifizierte sich bald durch den Verkauf eines bedeutenden Bildes von Edvard Munch.

 

Seit September 1934 leitete der Kunsthistoriker Kurt Martin die Gemäldegalerie bis in die Nachkriegszeit. Indem er das Haus unter dem Vorwand einer kompletten Neuordnung kurz nach Antritt seiner Stelle schloss, bewahrte er wichtige Werke vor dem Zugriff der Nationalsozialisten und prägte die Sammlung nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem durch den Erwerb von Kunst des 20. Jahrhunderts.

 

Kurt Martin folgten Jan Lauts, Horst Vey und Klaus Schrenk im Amt des Direktors der Kunsthalle Karlsruhe. Ihnen allen gelang es auf ihre Weise, zahlreiche bedeutende Werke der Moderne wie auch der älteren Kunst zu erwerben und die Kunsthalle als eine der führenden Galerien Deutschlands zu etablieren. Im Frühjahr 2009 übernahm Pia Müller-Tamm das Amt.

Direktoren
Willy Storck
Willy Storck
Lilli Fischel
Lilli Fischel
Adolf Bühler
Adolf Bühler
Kurt Martin
Kurt Martin
Jan Lauts
Jan Lauts
Horst Vey
Horst Vey
Klaus Schrenk
Klaus Schrenk
 

Kommende Termine

  • Freitag 24.10.
    • Vorsicht Kunst! Farbwege, Farbräume
      17:30h
  • Sonntag 26.10.
    • Die Kunst und das liebe Vieh.
      Über Hunde und Pferde in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts
      11:00h
  • Dienstag 28.10.
    • Ferienmalen
      10:30h

Wir bauen für Sie um:

Wir bitten um Ihr Verständnis, dass in der Kunsthalle aufgrund von Um- und Aufbaumaßnahmen für die kommende DEGAS-Ausstellung noch mehrere Räume geschlossen sind. Das Erdgeschoss ist bereits wieder geöffnet. Mehr Informationen

Vorfreude auf DEGAS:

Sehen Sie das Interview mit Kurator Alexander Eiling auf der Website von Baden-TV

  • Eintritt

    € 6 / ermäßigt € 4

    Familien € 10
    Schüler haben freien Eintritt
    Für Kinder bis 5 Jahren ist der Eintritt frei.

    Gruppen ab 10 Personen erhalten den ermäßigten Eintrittspreis.

    Für Inhaber des Museumspasses und für die Freunde der Staatlichen Kunsthalle ist der Eintritt frei.

     

     
    Öffnungszeiten

    Di–So, Fei 10–18 Uhr


    Hotline: (0721) 926 26 96

    info@kunsthalle-karlsruhe.de

  • Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

    Hans-Thoma-Straße 2-6

    76133 Karlsruhe

     

    Telefon: (0721) 926 33 59

    Telefax: (0721) 926 67 88

    info@kunsthalle-karlsruhe.de

     

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