Albrecht Dürer - Die Hexe

Die Hexe

Albrecht Dürer

Maße:
H 14,3 cm  
Jahr:
um 1500
Ort:
nicht ausgestellt

Kunsthalle x KUNST + kaviar

0:00
0:00

Wie stellen wir uns eine Hexe vor? Gehen Sie kurz in sich. Wie sieht sie aus vor Ihrem inneren Auge. Alt vielleicht. Mit Hakennase. Wirrem Haar. Ein Körper, der Angst macht. Doch woher stammt dieses Bild eigentlich?

Am Anfang der Angst

Ist es Disney? Sind es Märchenbücher? Oder reicht diese Vorstellung tiefer?

Albrecht Dürers Darstellung der Hexe gehört zu den frühesten bildlichen Ausformungen dieses Motivs. Um 1500 verdichten sich hier Vorstellungen, die nicht aus der Volksfantasie stammen, sondern aus theologischen, juristischen und gesellschaftlichen Diskursen. Die Hexe ist kein Märchenwesen. Sie ist ein Konstrukt.

Kupferstich Die Hexe von Albrecht Dürer um 1500. Zu sehen sind Kinder die eine weibliche, nackte Person auf einem Ziegenbock tragen.

Hexenhammer

Nur wenige Jahre zuvor, 1487, erschien der sogenannte Hexenhammer, der Malleus Maleficarum, verfasst von Heinrich Kramer und Jakob Sprenger.

Dieses Werk behauptete nicht nur die Existenz von Hexerei, sondern erklärte Frauen zu ihrem Ursprung. Weibliche Körper galten als anfällig, verführbar, triebgesteuert. Weibliches Wissen wurde zur Gefahr erklärt. Vor allem dann, wenn es außerhalb kirchlicher Kontrolle lag.

Ausschnitt des Kupferstiches Die Hexe von Albrecht Dürer um 1500. Eine weibliche, nackte Person mit offenen wehenden Haaren sitzt rücklings auf einem Ziegenbock

Verkehrte Welt?

Treten Sie näher und wagen Sie einen genauen Blick. Ist es Ihnen aufgefallen? Dürers Hexe sitzt rückwärts auf ihrem Bock. Dieses Motiv ist zentral. Die verkehrte Haltung steht für eine verkehrte Welt. Für den Bruch mit göttlicher Ordnung. Für Abweichung von Normen, Moral und Natur.

Dürers Kupferstich von um 1500 zeigt die Hexe zwischen Unwetter, Tieren, oft sind es Böcke, Katzen und Schlangen und somit keine besonders positiv besetzten Geschöpfe, und Kindern. Diese erscheinen hier als Putten und nicht als die realen Kinder, dieser deutlich vom Alter gekennzeichneten Frau.

Und genau hier liegt ihr Verbrechen. Die Frau ist hier nicht mehr fruchtbar im gesellschaftlich akzeptierten Sinn. Sie entzieht sich der Rolle der Mutter, der Ehefrau, der Gehorsamen. Damit wird sie als nutzlos, ja als bedrohlich markiert.

Ausschnitt des Kupferstiches Die Hexe von Albrecht Dürer um 1500. Eine kindliche Figur mit Flügeln stützt einen schwebenden Ziegenbock

Weibliches Wissen

Auffällig ist, dass viele der früh verfolgten Frauen Hebammen, Heilerinnen oder kundige Frauen waren. Sie verfügten über Wissen zu Geburt, Natur, Körper und Krankheit. Wissen, das über Generationen weitergegeben wurde. Genau dieses Wissen machte sie verdächtig.

In einer Zeit, in der männlich dominierte Medizin und kirchliche Autorität an Einfluss gewannen, wurde weibliche Erfahrung zur Konkurrenz.

Detail des Kupferstiches Die Hexe von Albrecht Dürer um 1500. Eine kindliche Figur mit Flügeln stützt einen schwebenden Ziegenbock

Dürers Darstellung zeigt keine individuelle Person. Sie zeigt ein Typusbild. Die Hexe steht hier für alles, was sich nicht einordnen lässt. Für weibliche Autonomie, für Wissen ohne vermeintliche Legitimation, für eine Natur, die sich der Kontrolle entzieht. Die Angst vor der Hexe ist deshalb weniger Angst vor Magie als Angst vor Machtverlust.

Dieses Bild prägt bis heute, wie wir uns Hexen vorstellen. Nicht als das, was sie waren, sondern als das, wozu man sie gemacht hat.

Touren zu diesem Werk

Detail des Holzschnittes Die Hexen von Hans Baldung Grien. Mehrere weibliche Personen sind zusammen um einen Kessel abgebildet
Community-Tour

Kunsthalle x KUNST + kaviar


kurzweilig
ca. 30 min
zur Tour

Daten und Fakten

Titel Die Hexe
Künstler*in Albrecht Dürer
Entstehungszeit um 1500
Inventarnummer I 841
Maße Blatt H 14,3 cm  
Material Papier
Technik Kupferstich
Gattung Kupferstich
Abteilung Kupferstichkabinett
Newsletter

Auch während der sanierungsbedingten Schließung informieren wir Sie hier über die Geschehnisse hinter den Kulissen der Kunsthalle.