Die Hexe
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Wie stellen wir uns eine Hexe vor? Gehen Sie kurz in sich. Wie sieht sie aus vor Ihrem inneren Auge. Alt vielleicht. Mit Hakennase. Wirrem Haar. Ein Körper, der Angst macht. Doch woher stammt dieses Bild eigentlich?
Am Anfang der Angst
Ist es Disney? Sind es Märchenbücher? Oder reicht diese Vorstellung tiefer?
Albrecht Dürers Darstellung der Hexe gehört zu den frühesten bildlichen Ausformungen dieses Motivs. Um 1500 verdichten sich hier Vorstellungen, die nicht aus der Volksfantasie stammen, sondern aus theologischen, juristischen und gesellschaftlichen Diskursen. Die Hexe ist kein Märchenwesen. Sie ist ein Konstrukt.
Hexenhammer
Nur wenige Jahre zuvor, 1487, erschien der sogenannte Hexenhammer, der Malleus Maleficarum, verfasst von Heinrich Kramer und Jakob Sprenger.
Dieses Werk behauptete nicht nur die Existenz von Hexerei, sondern erklärte Frauen zu ihrem Ursprung. Weibliche Körper galten als anfällig, verführbar, triebgesteuert. Weibliches Wissen wurde zur Gefahr erklärt. Vor allem dann, wenn es außerhalb kirchlicher Kontrolle lag.
Verkehrte Welt?
Treten Sie näher und wagen Sie einen genauen Blick. Ist es Ihnen aufgefallen? Dürers Hexe sitzt rückwärts auf ihrem Bock. Dieses Motiv ist zentral. Die verkehrte Haltung steht für eine verkehrte Welt. Für den Bruch mit göttlicher Ordnung. Für Abweichung von Normen, Moral und Natur.
Dürers Kupferstich von um 1500 zeigt die Hexe zwischen Unwetter, Tieren, oft sind es Böcke, Katzen und Schlangen und somit keine besonders positiv besetzten Geschöpfe, und Kindern. Diese erscheinen hier als Putten und nicht als die realen Kinder, dieser deutlich vom Alter gekennzeichneten Frau.
Und genau hier liegt ihr Verbrechen. Die Frau ist hier nicht mehr fruchtbar im gesellschaftlich akzeptierten Sinn. Sie entzieht sich der Rolle der Mutter, der Ehefrau, der Gehorsamen. Damit wird sie als nutzlos, ja als bedrohlich markiert.
Weibliches Wissen
Auffällig ist, dass viele der früh verfolgten Frauen Hebammen, Heilerinnen oder kundige Frauen waren. Sie verfügten über Wissen zu Geburt, Natur, Körper und Krankheit. Wissen, das über Generationen weitergegeben wurde. Genau dieses Wissen machte sie verdächtig.
In einer Zeit, in der männlich dominierte Medizin und kirchliche Autorität an Einfluss gewannen, wurde weibliche Erfahrung zur Konkurrenz.
Dürers Darstellung zeigt keine individuelle Person. Sie zeigt ein Typusbild. Die Hexe steht hier für alles, was sich nicht einordnen lässt. Für weibliche Autonomie, für Wissen ohne vermeintliche Legitimation, für eine Natur, die sich der Kontrolle entzieht. Die Angst vor der Hexe ist deshalb weniger Angst vor Magie als Angst vor Machtverlust.
Dieses Bild prägt bis heute, wie wir uns Hexen vorstellen. Nicht als das, was sie waren, sondern als das, wozu man sie gemacht hat.
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Daten und Fakten
| Titel | Die Hexe |
|---|---|
| Künstler*in | Albrecht Dürer |
| Entstehungszeit | um 1500 |
| Inventarnummer | I 841 |
| Maße Blatt | H 14,3 cm |
| Material | Papier |
| Technik | Kupferstich |
| Gattung | Kupferstich |
| Abteilung | Kupferstichkabinett |
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