Bildnis Madame Jeantaud
Beschreibung
Edgar Degas war einer der populärsten und eigenwilligsten Künstler des 19. Jahrhunderts. Stellte er auch oft mit den französischen Impressionisten aus, so beschritt er doch künstlerisch eigene Wege. Das außergewöhnliche „Bildnis der Madame Jeantaud“ ist hierfür ein Beispiel. Es zeigt Berthe Marie Jeantaud, die Gattin eines Ingenieurs und Militärkameraden, den Degas während des Deutsch-Französischen Kriegs kennengelernt hatte. Degas siedelte das Motiv in einem dämmrigen Innenraum an, in dem die Porträtierte mit zwei Hunden auf einer hellen Chaiselongue sitzt. Sie blickt die Betrachtenden mit einem zurückhaltenden, aber freundlichen Ausdruck an.
Farblich beschränkte sich Degas auf eine schmale, brauntonige Palette, die er mit großzügigem Duktus verteilte. Lediglich beim Gesicht der Dame achtete er auf die Wiedergabe von Details. Ihre Züge modellierte er plastisch heraus. In anderen Bereichen des Bildes geriet die Farbe wiederum fast ins Fließen, so etwa im Bereich der übereinandergelegten Hände oder der Beine, die nur ansatzweise definiert wurden.
Degas bediente sich einer eher klassischen Komposition – erkennbar an den sich überschneidenden Diagonalen bei Möbel und Körper. Doch wird der Bildraum durch Horizontalen und Vertikalen stark gegliedert, was typisch für Degas‘ bewusste Bildkonstruktion ist. Dieser Rhythmus wiederholt sich im etwa Fensterkreuz links neben der Frau, das nur mit wenigen impulsiven Pinselstrichen angedeutet wird. Degas trug die Farbe so dünn auf, dass die helle Leinenstruktur des Untergrunds fast durchweg erkennbar bleibt und so dem Bild – entgegen seiner strengen Konstruktion – einen skizzenartigen, flüchtigen und modernen Charakter verleiht.
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Edgar Degas
Galerie Georges Petit, Paris 1924
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Le Grand Siècle
Galerie Paul Rosenberg, Paris 1936
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Galerie Rosenberg and Helft, London 1937
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French Painting of the Last Half of the Nineteenth Century
North Carolina Museum of Art, Raleigh 1956
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Degas. Die Portraits
Kunsthaus Zürich 02.12.1994-05.03.1995
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Degas. Die Portraits
Kunsthalle Tübingen 18.03.-18.06.1995
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Unsere Moderne
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe 29.04.-03.10.2011
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Degas's Method
Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen 06.06.-01.09.2013
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Degas. Klassik und Experiment
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe 08.11.2014 - 01.02.2015, verlängert bis 15.02.2015
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Degas. A New Vision
National Gallery of Victoria 24.06.-18.09.2016
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Degas. A New Vision
Museum of Fine Arts Houston 14.10.2016-09.01.2017
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Cézanne. Metamorphosen
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe 28.10.2017-11.02.2018
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Kunsthalle@ZKM. Ein neuer Blick auf die Sammlung
Highlight-Präsentation ZKM ab 29.04.2023
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1971: Katalog Neuere Meister
Hrsg.: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe; Bearb.: Lauts, Jan
19. und 20. Jahrhundert -
1971: Katalog Neuere Meister
Hrsg.: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe; Bearb.: Lauts, Jan
19. und 20. Jahrhundert -
1988: Ausgewählte Werke der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe
Lüdke, Dietmar; Reising, Gert; Simons-Kockel, Katrin
150 Gemälde -
1989: Reihe "museum"
Hrsg.: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Westermann-Führer -
2005: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Voigt, Kirsten Claudia
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2014: Degas
Eiling, Alexander (Hg.)
Klassik und Experiment -
2016: Degas
Loyrette, Henri
A New Vision -
2017: Cézanne
Eiling, Alexander (Hg.)
Metamorphosen
Kunsthalle x Jaqueline Scheiber
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Hier spricht ein Blick, der sich nicht verschenkt.
Madame Jeantaud sitzt bei dämmriger Lichtstimmung in einem Raum. Die helle Chaiselounge teilt sie mit zwei Hunden, heimliche Verbündete. Degas hält die Farben in dumpfen Brauntönen und lässt nur Jeantauds Gesicht klar hervortreten.
Das Bild erreicht uns wie eine gedämpfte Stimme. Madame Jeantauds Blick ist sanft, aber bestimmt. Ein flüchtiger Moment, der die Umgebung und ihre Umstände nur vermuten lässt.
Wer spricht hier: Die Dargestellte, die sich höflich zurückhält, oder das Bild selbst?
Vielleicht ist es genau diese Spannung, die bei längerer Betrachtung greifbar wird – wie eine freundliche, aber gedämpfte Stimme, deren Worte wir wie aus einem Nebenzimmer versuchen zu verstehen.