Stehender Arbeiter
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1972: Käthe Kollwitz
Otto Nagel u. Werner Timm
Die Handzeichnungen
Kunsthalle x Jaqueline Scheiber
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Hier spricht ein Körper.
Der Körper erklärt nichts. Der Körper argumentiert nicht. Der Körper steht im leeren Raum, die Arme hängen herunter, ich erkenne sein Gesicht: Müde und verhärmt.
Ballt dieser Körper die Fäuste oder zuckt er erschöpft mit den Schultern? Schultern die tragen, was sie tragen müssen, die Last zieht den Körper nach unten. Was zeichnet sich an seinen Armen ab, welche Erfahrungen hat dieser Körper gemacht?
Käthe Kollwitz‘ „Stehender Arbeiter“ erzählt nicht primär von der schweren Arbeit an sich, der Fokus liegt darauf, was Arbeit mit einem Körper macht. Wir suchen im Bild vergebens nach einem Helden: Schnörkellos zeichnet Kollwitz Härte und Auswirkung.
Damit bündelt die Darstellung die leiseste Form politischer Sprache: Sichtbarkeit. Der Arbeiter verschwindet nicht, bekommt stattdessen durch Kollwitz‘ kräftigen Strich Leben eingehaucht und bleibt unmittelbar.