Kunsthalle x KUNST + kaviar (9/9) Joseph und die Frau des Potiphar Details der Station
Maria Katharina Prestel - Joseph und die Frau des Potiphar
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Joseph und die Frau des Potiphar

Maria Katharina Prestel

Maße:
H 51,7 cm  B 37,5 cm  
Jahr:
1779-1781
Ort:
nicht ausgestellt

Kunsthalle x KUNST + kaviar

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Bevor wir unser nächstes Werk betrachten, erinnern wir uns kurz an die Geschichte, um die es hier geht.

Diese kommt im Alten Testament vor und erzählt von Joseph, einem jungen und gut aussehenden Mann, der im Dienst des ägyptischen Beamten namens Potiphar steht.

Braun getönte Aquatinta-Grafik von Maria Katharina Prestel nach Gérard de Lairesse, den biblischen Stoff „Joseph und die Frau des Potiphar“ darstellend. In einem architektonisch gegliederten Raum mit Säulen und Vorhängen flieht Joseph bekleidet nach links. Die rechts auf einer Liege sitzende Frau greift nach seinem dunklen Umhang, um ihn zurückzuhalten. Vor ihnen blickt ein kleiner Hund aufmerksam zu Joseph auf.

Gleiche Szene, anderer Schwerpunkte

Die Ehefrau des Potiphar findet Gefallen an Joseph und bedrängt ihn. Joseph sagt immer wieder nein, sie macht weiter. Eines Tages stellt sich die Frau des Potiphar krank, lässt Joseph zu ihr kommen und wird aufdringlich. Er flieht und verliert dabei sein Gewand.

Die in Nürnberg und London tätige Künstlerin Maria Katharina Prestel greift die bekannte Szene erneut auf und verschiebt ihren Schwerpunkt grundlegend.

Körperliche Nähe spielt hier kaum noch eine Rolle. Beide Figuren sind vollständig bekleidet. Nur die entblößten Beine der Frau lassen eine leise Spur von Erotik erahnen.

Der Raum ist großzügig und wirkt beinahe kühl. Klassizistisch, klar, aufgeräumt. Intimität kommt nicht auf. Die emotionale Dichte des Barock ist verschwunden. Stattdessen dominiert Distanz. Ordnung. Kontrolle.

Detail der braun getönte Aquatinta-Grafik von Maria Katharina Prestel nach Gérard de Lairesse, den biblischen Stoff „Joseph und die Frau des Potiphar“ darstellend. Das Detail zeigt den hinausstürmenden Joseph, der an seinem Gewand festgehalten wird.

Joseph Rettung und ihr Schicksal?

Richten Sie Ihren Blick auf Joseph. Sein Fluchtweg ist eindeutig markiert. Er wirkt nicht mehr zögernd oder bedrängt. Sein Entkommen scheint bereits festgelegt. Die Szene lässt kaum Zweifel daran, wie sie gelesen werden soll.

Auch hier spielt Josephs Gewand eine zentrale Rolle. Doch seine Bedeutung hat sich verschoben. Es wird nun zum Beweisstück. Die Frau des Potiphar wird Joseph der versuchten Vergewaltigung beschuldigen und das Gewand als Argument vorlegen.

Joseph landet im Gefängnis. Später wird er freigesprochen. Zumindest für ihn geht die Geschichte gut aus. Und was ist mit ihr.

Detail des Gesichts der Frau des Potiphar aus der braun getönten Aquatinta-Grafik von Maria Katharina Prestel nach Gérard de Lairesse, den biblischen Stoff „Joseph und die Frau des Potiphar“ darstellend.

Die Verkörperung des weiblichen Lasters

Die Frau des Potiphar wird endgültig zur Verkörperung des weiblichen Lasters. Joseph hingegen zur Personifikation männlicher Tugend. Die Ordnung ist
wiederhergestellt. Die Gerechtigkeit hat gesiegt. Oder etwa nicht. So einfach ist es nicht.

Vom Tempel zum Kerker der Seele

Denn wenn ein Mann ausfällig wird, eine Frau verfolgt, belästigt oder vergewaltigt, wird dies auch heute noch häufig relativiert oder entschuldigt. Die Verantwortung wird verschoben. Die Frau habe provoziert. Sie habe verführt. Er könne nichts dafür.

Die Wurzeln dieses Denkens reichen weit zurück. Sie liegen im patriarchalen Weltbild ebenso wie in der ausgeprägten Körperfeindlichkeit des Christentums.

Während antike Vorstellungen Körper, Geist und Seele als Einheit verstanden, erklärten frühe christliche Theologen den menschlichen Körper zum sündigen Fleisch. Aus dem Tempel der Seele wurde der Kerker der Seele.

Besonders deutlich zeigt sich dies in den Schriften der Kirchenväter. Augustinus ordnet Frauen dem Körperlichen zu. Geschaffen zur Fortpflanzung, nicht zur geistigen Gemeinschaft.

Was uns Alte Meister*innen heute noch zeigen

Geist, Vernunft und Gottesebenbildlichkeit gelten als männlich konnotiert. Der Mann steht für Geist. Die Frau für Körper. Und weil der Körper als sündhaft gilt, wird weibliche Existenz selbst zum Problem.

Die Kontrolle weiblicher Sexualität erscheint als Voraussetzung gesellschaftlicher Ordnung. Wenn wir diese alten Geschichten heute neu lesen, verändert sich auch unser Blick auf die Bilder der Vergangenheit.

Sie helfen uns zu verstehen, welche Denkweisen, Bilder und Narrative bis heute fortwirken. Und warum die Kunst der Alten Meister:innen uns noch immer etwas angeht.

Touren zu diesem Werk

Detail des Holzschnittes Die Hexen von Hans Baldung Grien. Mehrere weibliche Personen sind zusammen um einen Kessel abgebildet
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kurzweilig
ca. 30 min
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Daten und Fakten

Titel Joseph und die Frau des Potiphar
Künstler*in Maria Katharina Prestel
Erfinder*in Gerard de Lairesse
Entstehungszeit 1779-1781
Inventarnummer II 2693-2-9
Maße Blatt H 51,7 cm  B 37,5 cm  
Maße Darstellung H 32,7 cm  B 21,0 cm  
Maße Rahmenlinie H 38,2 cm  B 26,4 cm  
Material Vergépapier
Technik Strichätzung Aquatinta Auswischreservage Tönung in Graubraun Feder in Schwarz Grafit Aquarell
Gattung Aquatinta
Abteilung Kupferstichkabinett
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