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Schriftzug über einem transparenten Lageplan: Das Werk ist nicht in der Ausstellung zu sehen.
Rachel Ruysch - Blumenstrauß
Weitere Abbildungen

Blumenstrauß

Rachel Ruysch

Maße:
H 65,3 cm  B 54,7 cm  
Jahr:
1715
Ort:
nicht ausgestellt

Beschreibung

Blumenstillleben gehören im 18. Jahrhundert zu begehrten Luxusgütern. In den üppigen Sträußen standen heimische Pflanzen oft neben exotischen Arten, die teuer importiert werden mussten. Rachel Ruyschs Gemälde zeigt Papageientulpen, Löwenmäulchen und Hahnenkamm – Blüten, die in den Niederlanden nicht natürlich vorkamen.

Die Künstlerin hatte die besondere Möglichkeit, diese seltenen exotischen Pflanzen genau zu studieren. Ihr Vater Frederik Ruysch war ein bekannter Botaniker und der erste Direktor des botanischen Gartens in Amsterdam. Er förderte die Talente seiner Töchter Rachel und Anna Ruysch in einer Zeit, in der Frauen kaum Zugang zu künstlerischen Berufen hatten. Eine kostspielige Ausbildung bei dem angesehenen Stilllebenmaler Willem van Aelst legte den Grundstein für Rachel Ruyschs späteren Erfolg.

Das Karlsruher Bild zeigt den charakteristischen Stil, den Ruysch ab 1700 entwickelte. Bezeichnend hierfür sind die intensiv strahlenden Farben der Blüten sowie ein mittig gesetzter Lichtakzent. Die Künstlerin arrangierte in dieser Zeit besonders viele unterschiedliche Blumen und steckte sie dicht zusammen. Typisch für diese Schaffensphase ist die hoch aufragende Tulpe, die der Komposition eine Bewegung nach oben verleiht.

Als Ruysch das Gemälde im Alter von 51 Jahren schuf, konnte sie bereits auf eine beeindruckende und außergewöhnliche Karriere zurückblicken. Trotz der zahlreichen Einschränkungen, denen Frauen damals im Kunstbetrieb ausgesetzt waren, gehörte sie zu den gefragtesten künstlerischen Persönlichkeiten ihrer Zeit.

Pro Jahr schuf sie nur zwei bis drei Gemälde, die Höchstpreise erzielten und bis zu einem Jahr im Voraus beauftragt werden mussten. Seit 1708 arbeitete sie als Hofmalerin des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz-Neuburg in Düsseldorf. Daher ist es möglich, dass der Karlsruher Blumenstrauß ursprünglich für diesen Mäzen bestimmt war. Nach seinem Tod 1716 gelangte das Gemälde jedoch nicht in dessen Sammlung.

Als Gegenstück zu diesem Blumenstrauß malte Ruysch 1717 das »Fruchtstillleben mit Hirschkäfer und Nest« (Inv. 377). Beide Arbeiten kamen später durch die Markgräfin Karoline Luise von Baden in die Sammlung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe.

Kunsthalle x Jakob Schwerdtfeger

Zum Audiotranskript zur Kunstsnackepisode von Rachel Ruysch.

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Absoluter Jackpot

Rubens, Rembrandt, Ruysch: Die Künstlerin Rachel Ruysch war eine anerkannte Malerin aus dem 17. Jahrhundert, deren Werke teilweise teurer gehandelt wurden als die von Rembrandt. Dieser Kunstsnack handelt von ihrem Gemälde Blumenstrauß, das sowohl ihre feine Malweise als auch ihr künstlerisches Talent besonders hervorhebt.

Abbildung des Gemäldes Blumenstrauß von Rachel Ruysch aus dem Jahr 1715. Es zeigt einen bunten und üppigen Blumenstrauß.

Blumen als Statussymbol

„Wir sehen viele unterschiedliche Blumensorten. (…) Das Gemälde ist von 1715 und wir sehen darauf auch Pflanzen, die damals in den Niederlanden nicht natürlich vorkamen. Pflanzen, die selten und kostbar waren, wie beispielsweise Papageientulpen, Löwenmäulchen oder Hahnenkamm. Rachel Ruysch malt also Pflanzen aus den unterschiedlichsten Regionen. Das macht dieses Bild zu einer Art Statussymbol, denn es war nicht billig diese Blumen alle zu bekommen.“

Abbildung des Gemäldes "Blumenstrauß" von Rachel Ruysch. Zu sehen sind viele bunte Blumen vor dunklem Hintergrund.

Momente der Vergänglichkeit

„In dem Werk geht es wie bei nahezu jedem Stillleben um Vergänglichkeit. Die Blumen blühen, teilweise überreif. Sie stehen kurz vor dem Verwelken. Die Insekten tun dazu noch ihr übriges. Man sollte bei diesen Stillleben auch über die eigene Endlichkeit nachdenken. In der Kunstgeschichte spricht man daher auch von einem klassischen Vanitas-Stillleben – Vanitas ist einfach nur das schlaue Wort für Vergänglichkeit, klingt aber super.“

Abbildung von Ruyschs Fruchtstillleben. Zu sehen ist ein Haufen von Früchten vor einem dunklem Hintergrund.

Female empowerment

„Das große malerische Können von Rachel Ruysch ist auch ihren Zeitgenoss*innen nicht entgangen. Sie ist eine der ganz wenigen Frauen, die im 17. und 18 Jahrhundert überhaupt als Künstlerin tätig war und dann aber gleich richtig. Sie war so erfolgreich und beliebt, dass ihre Bilder teilweise teurer gehandelt wurden als Werke von Rembrandt. Sie arbeitete mehrere Monate an einem Gemälde. Rachel Ruysch musste nämlich nur wenige Bilder pro Jahr malen, weil sie einen Pool an wohlhabenden Auftraggeber*innen hatte. (…) Ihren Erfolg hat sich Rachel Ruysch hart erarbeitet. Aber sie hatte auch Glück – allerdings im Glücksspiel. Sie hat nämlich ein beachtliches Vermögen gewonnen in der staatlichen Lotterie der Niederlande. „

Weitere digitale Angebote zu Rachel Ruyschs "Blumenstrauß"

Abbildung des Gemäldes "Blumenstrauß" von Rachel Ruysch. Zu sehen sind viele bunte Blumen vor dunklem Hintergrund.

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Community-Tour

Kunsthalle x Jakob Schwerdtfeger


Kunstcomedian Jakob Schwerdtfeger präsentiert in einer digitalen Tour Kunstsnacks zu den Werken der Ausstellung KunsthalleKarlsruhe@ZKM.
kurzweilig
ca. 180 min
zur Tour

Daten und Fakten

Titel Blumenstrauß
Künstler*in Rachel Ruysch
Entstehungszeit 1715
Inventarnummer 376
Maße Bildträger H 65,3 cm  B 54,7 cm  T 2,8 cm  
Maße Rahmen H 76,0 cm  B 66,0 cm  T 5,5 cm  
Material Leinwand
Technik Ölfarbe
Gattung Gemälde
Abteilung Alte Malerei (vor 1800)
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