Zur Bedeutung des Feiertags Heilige Drei Könige

Ein Beitrag von Prof. Dr. Harald Schwillus, Halle (Saale)

Der 6. Januar ist in Baden-Württemberg, wie auch in einigen anderen Bundesländern, ein Feiertag. Sein korrekter kirchlicher Name als kirchliches Fest ist jedoch „Fest der Erscheinung des Herrn“ bzw. „Epiphanie“ oder „Epiphanias“ (nach dem aus dem Griechischen stammenden lateinischen Wort für „Erscheinung“: „epiphania“). Mit diesem Begriff wurde in der Antike auch das Erscheinen einer Gottheit oder der Besuch eines als Gott verehrten Herrschers bezeichnet.

Seinen rituellen Ursprung hat dieses Fest wohl im alten Ägypten, wo in der Nacht vom 5./6. Januar die Geburt des Zeitengottes Äon mit dem feierlichen Schöpfen des Wassers aus dem Nil gefeiert wurde. An diesen Brauch knüpfte wohl im 3. Jahrhundert eine christliche Gruppierung an, die damit die Taufe Jesu im Jordan verband. Sie interpretierte sie als die eigentliche Geburt des Messias in Jesus Christus – eben der Erscheinung des Herrn in der Geschichte. 

In der Folge übernahmen sowohl die griechisch geprägte Kirche im Osten des Römischen Reiches als auch die lateinisch geprägte im Westen diesen Feiertag, akzentuierten ihn aber in Bezug auf Weihnachten (25. Dezember) unterschiedlich. Dabei gewinnt die Erzählung des Besuchs der Weisen bzw. Magier beim neugeborenen Jesuskind aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 2,1-12) zunehmend an Bedeutung: Die Ostkirche erinnert daher an Weihnachten an die Geburt Jesu Christi und die Anbetung durch die Weisen, behält jedoch den 6. Januar als Tauftermin Jesu und Zeitpunkt seines ersten Wunders in besonderer Weise bei; während die Westkirche am 25. Dezember die Geburt des Herrn feiert und am 6. Januar sowohl die Anbetung durch die Weisen als auch die Taufe Jesu und sein erstes Wunder als Zeichen seiner Erscheinung in den Vordergrund stellt.

Im Laufe der Frömmigkeitsgeschichte wurden die Weisen aus dem Matthäusevangelium immer mehr als Könige gedeutet, die als Vertreter der nichtjüdischen Welt dem neugeborenen ‚König‘ in Bethlehem die Ehre erweisen. Sie werden damit zum Zeichen dafür, dass sich Gott nach christlicher Glaubensüberzeugung in einem schutzlosen neugeborenen Baby für die Menschen aller Kulturen, Sprachen und Ethnien in gleicher Weise nahbar gemacht hat.

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