23. Mai 2026 bis
16. Aug. 2026
Nanne Meyer
Gezieltes Umherirren
Das Hauptgebäude der Kunsthalle Karlsruhe ist sanierungsbedingt für die kommenden Jahre geschlossen.
Im ZKM | Zentrum für Kunst und Medien, der Orangerie und in der Jungen Kunsthalle finden in dieser Zeit Ausstellungen statt.
Kurz zusammengefasst
Die Ausstellung widmet sich dem umfangreichen zeichnerischen Werk der in Hamburg geborenen und in Berlin lebenden Zeichnerin Nanne Meyer (*1953). Unter dem spielerisch-poetischen Titel Gezieltes Umherirren eröffnen ihre Arbeiten im historischen Gebäude der Karlsruher Orangerie unerwartete Wege zum Schauen, Sich-Verlieren und Neu-Finden.
Mehr als 500 Arbeiten sind zu sehen, darunter zahlreiche neue Werkgruppen, die eigens für Karlsruhe entstanden sind. Wer die Ausstellung besucht, begegnet keiner geradlinigen Erzählung. Stattdessen öffnen sich immer neue Verbindungen: Linien werden zu Wegen, Flecken erinnern an Landschaften, Orangen an Planeten oder Sonnen. Vieles scheint im Entstehen begriffen, manches löst sich wieder auf. Gerade darin liegt die besondere Qualität der Kunst Meyers, die seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Positionen der zeitgenössischen Zeichnung zählt. Schrift und Sprache sind essentielle Bestandteile ihres Schaffens.
Seit den späten 1970er Jahren arbeitet die Künstlerin fast ausschließlich auf Papier. Zeichnen ist für sie eine Form des Denkens und beginnt immer bei der eigenen Wahrnehmung, wobei Assoziationen eine große Rolle spielen. Sie verwendet häufig vorgefundenes Material, wie Landkarten, stockfleckige Papiere und Fehldrucke aus der Produktion eigener Publikationen.
Was gewöhnlich übersehen oder aussortiert wird, wird bei ihr zum Ausgangspunkt neuer Arbeiten. Dabei verbindet sich zeichnerische Präzision mit einem offenen, oft überraschenden Blick auf die Welt und deren existenzielle Fragen nach dem eigenen Standort und nach Orientierung im Prozess von Werden und Vergehen. Gezieltes Umherirren entspricht dem Arbeitsprozess Nanne Meyers: Sie ist eine Zeichnerin, die mit Stift und Pinsel Denkmöglichkeiten öffnet und sich dabei unbekannten Prozessen und einem unvorhersehbaren Ausgang stellt. Ihre Zeichnungen entwickeln sich tastend, manchmal suchend. Die Ausstellung lädt die Besucherinnen und Besucher dazu ein, sich ohne feste Richtung durch die Räume zu bewegen und neue Wege des Schauens zu entdecken.
Für Karlsruhe hat sich die Künstlerin intensiv mit der historischen Orangerie beschäftigt. Das Gebäude verbindet auf besondere Weise Architektur, Licht und Natur. Viele der neuen Arbeiten kreisen um das Motiv der Orange – als Frucht, Farbe und Bildform. Mal erscheinen Orangen wie kleine Sonnen oder Planeten, mal erinnern verschimmelte Früchte an fremde Landschaften oder kosmische Oberflächen. Naturbeobachtung, Humor und poetische Bilder greifen dabei ineinander.