Epochemachend: Boucher & Rokoko

Der Rokoko-Künstler

Von der höfischen Elite gefeiert und bei Sammler*innen beliebt, brachte es François Boucher zu einer beachtenswerten Karriere. Bis heute gilt er als einer der bedeutendsten Vertreter des Rokoko.

Bouchers Werke fanden Anklang am französischen Königshaus unter Ludwig XV. und dessen Mätresse Madame de Pompadour. Der gute Ruf strahlte auf die Pariser Elite und andere europäische Höfe aus. Seine Kunst traf den Geschmack der Zeit und prägte diesen zugleich. Schon früh wurde Boucher als Inbegriff des Rokoko beschrieben.

Gefeiert, gelobt, getadelt

François Boucher (1703–1770) war ein produktiver und vielseitiger Künstler. Gemälde und Grafiken stehen neben Dekorationen, Bühnenbildern und Kostümentwürfen, Wandbehängen, Möbelbezügen und Porzellanen nach seinen Entwürfen. Sie zeichnete eine unverwechselbare Bildsprache aus, für die Boucher große Anerkennung erhielt. Gelobt wurde sein Ideenreichtum, seine eleganten und heiteren Bildmotive und deren kunstvolle Ausführung. Bouchers leichter und sicherer Pinsel- und Zeichenstrich setzte Maßstäbe für die Qualität von Kunstwerken und wurde von anderen Künstler*innen bewundert.

Trotz seines großen Erfolgs wurde Boucher bereits von Zeitgenoss*innen kritisiert. Eine der eindringlichsten Kritikerstimmen war der Philosoph Denis Diderot (1713–1784), der Bouchers künstlerisches Talent ebenfalls schätze, seine Kompositionen aber als realitätsfern empfand. Dieser Vorwurf einer künstlichen Bildsprache sollte die Wahrnehmung des Rokoko prägen. Es wurde später als dekadent, frivol, oberflächlich und affektiert abgetan und mit „schlechtem Geschmack“ verbunden. Erst im 19. Jahrhundert wurde es von Künstler*innen wiederentdeckt und für seinen vergnüglichen, leichten und verspielten Charakter geschätzt.

Rocaille und Rokoko

Foto einer Riesenmuschel von 1758 aus dem Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe.

Ausgehend von Frankreich fand die Stilrichtung Rokoko im 18. Jahrhundert europaweit Verbreitung. Das Rokoko erhielt seinen Namen von der Rocaille, einem geschwungenen Ornament. Der Begriff aus dem Französischen bedeutet „Muschelwerk“. Er geht auf den Einsatz von Muscheln und Versteinerungen als Dekoration zurück: Grotten, Brunnen, Gärten oder Gegenstände der Innenausstattung wurden mit diesen Naturalien verziert.

Mit ihrem ungewöhnlichen Aussehen und Formenreichtum wurden Muscheln und Schalen zum künstlerischen Vorbild. Sie inspirierten asymmetrische, geschwungene Ornamente und fließende Kompositionen, die zum grundlegenden Merkmal des Rokoko wurden. Auch François Boucher begeisterte sich für Muscheln. Er besaß eine eigene Naturaliensammlung, die für ihn Schulungsobjekt war und seine Inspiration anregte – nicht nur als Formenrepertoire für dekorative Elemente, sondern auch als Gestaltungsprinzip ganzer Kompositionen.

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