Anna Elisabeth Ruysch - Dickicht mit Blumen und Tieren

Dickicht mit Blumen und Tieren

Anna Elisabeth Ruysch

Maße:
H 56,0 cm  B 52,0 cm  
Jahr:
um 1700
Ort:
nicht ausgestellt

Beschreibung

Anna Elisabeth Ruysch war die jüngere Schwester der bekannten niederländischen Malerin Rachel Ruysch. Während Rachel Ruysch bereits zu Lebzeiten große Anerkennung für ihre Stillleben erhielt, blieb Anna Ruysch weit weniger berühmt.

Wie ihre Schwester wurde auch sie vermutlich in Amsterdam von Willem van Aelst ausgebildet, einem der angesehensten Stilllebenmaler des 17. Jahrhunderts. Anschließend arbeitete Anna Ruysch wohl einige Jahre in der erfolgreichen Werkstatt der Schwester. Hier wirkte sie an deren Aufträgen mit und fertigte auch Kopien nach ihren Gemälden an. Im Jahr 1688 heiratete Anna Ruysch den Farbenhändler Isaak Hellenbroek. Nach seinem Tod übernahm sie dessen Geschäft und widmete sich nur noch selten der Malerei.

Nur wenige Werke können heute zweifelsfrei Anna Ruysch zugeschrieben werden. Das Waldstillleben aus der Sammlung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zählt dazu, da es am rechten unteren Bildrand eine gut lesbare Signatur trägt.

Das Gemälde zeigt eine inszenierte Natur, in der Pflanzen, Tiere und Insekten mit großer Detailgenauigkeit dargestellt sind. Trotz der naturwissenschaftlichen Präzision wären diese Pflanzen und Tiere in dieser Kombination nicht in freier Natur zu finden. Solche Arrangements waren in der Zeit sehr beliebt, besonders bei Sammler*innen mit naturkundlichem Interesse. Als Vorlage diente der Künstlerin ein Gemälde des Stilllebenmalers Abraham Mignon, das sie mit nur wenigen Änderungen übernahm.

Das Gemälde wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von Markgräfin Karoline Luise von Baden angekauft. Damit gehört es zum historischen Grundstock der Sammlung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Zu dieser Zeit war das Werk fälschlicherweise Rachel Ruysch zugeschrieben. Die kunst- und botanikinteressierte Markgräfin hatte bereits drei weitere Stillleben der berühmten Schwester erworben. Dazu zählen der »Blumenstrauß« (Inv. 376) aus dem Jahr 1715 und das »Fruchtstillleben mit Hirschkäfer und Nest« (Inv. 377) von 1717, die bis heute Teil der Sammlung sind.

Wibke geht über die Ländereien der Kunsthalle

Der Regen klatscht gegen das Fenster. Ich knipse eine weitere Lampe an. Mehr Licht! Aber auch innerlich fühle ich mich gerade düstergraumüde. Es ist Nachmittag. Ich bereite mir einen Tee zu und beschließe, einen Spaziergang zu machen: auf in die Kunst, möge sie mich beleben!

Aus dem Dickicht meiner Gedanken drücke ich mich ins Dickicht mit Blumen und Tieren. Der rote Mohn lockt mich, die gelb-weiß leuchtenden Margeriten, die blauen Kornblumen.

Detailausschnitt aus Ruyschs Gemälde: Ein Eichhörnchen sitzt im dunklen Walddickicht zwischen Blumen, im Hintergrund sind zwei Schlangen und Schnecken zu erkennen.

Mein Blick erfreut sich an den Farben der Blumen, die das ansonsten in dunklen Farben gehaltene Bild beleben – und fällt auf das Eichhörnchen mit seinem eigenartig ernsten Koboldgesicht. Vorsichtig schiebt es sich aus den Brombeeren hervor, sichtlich auf der Hut. Nicht zu Unrecht! Sieht man näher hin, entdeckt man Schlangen mit drohend (?) geöffnetem Maul, die auf das flauschige Hörnchen zu lauern scheinen.

Detailausschnitt aus Ruyschs Gemälde: Zwei Vögel sitzen im dunklen Walddickicht.

In den Blumen lässt sich allerlei Getier entdecken: Tausendfüßler, Käfer, ein Nachtfalter. Unten kriechen Schnecken. Im Geäst des Baumes brütet ein Vogel, einen Ast darüber sitzt ein weiterer.

Detailausschnitt aus Ruyschs Gemälde: Reife Brombeeren und Pilze sind neben einem Eichhörnchen im Walddickicht zu sehen.

Ich sehe reife Brombeeren und Eicheln. Beinahe rieche ich ihren herben Duft. Och, und dort, das sind doch Pilze vor der tastenden Pfote (sagt man Pfote?) des Eichhörnchens.

Da scheinen alle Jahreszeiten im Bild zu sein, wenigstens Frühling und Herbst. Solche Tage kennt man, die zwischen den Jahreszeiten zu changieren scheinen. Gerade heute ist ein solcher Tag, denn vorm Fenster scheint nun die Sonne.

Am liebsten möchte ich mich nun auf die Symbolik des Bildes stürzen, um vielleicht besser zu verstehen, was die Künstlerin, Anne Elisabeth Ruysch, mit ihrem Bild erzählt. „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen!“ ruft es aus meinem Hirn. Ich begnüge mich mit dem, was ich gesehen habe, und flaniere weiter – mit dem Gedanken an reife Brombeeren, die mich jetzt sehr verlocken würden.

Weitere digitale Angebote zu Anna Elisabeth Ruyschs „Dickicht mit Blumen und Tieren“

Das Werk im Kunsthallen-Blog

Die heimliche Gründerin der Karlsruher Kunsthalle

In einem Blogbeitrag wird reflektiert, wie Karoline Luise von Baden durch ihr visionäres Sammeln und ihre Leidenschaft für Kunst zur „heimlichen Gründerin“ der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe wurde und damit ein bleibendes Vermächtnis für das kulturelle Erbe schuf.

Touren zu diesem Werk

Detailausschnitt aus Dous Gemälde: Eine Küchenmagd steht am Fenster, umgeben von Vorräten. Daneben steht ein fein gekleideter Junge, der einen Hasen hochhält.
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Kunsthalle x Die Herbergsmütter: Ute


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ca. 20 min
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Detailausschnitt aus Wijnants Gemälde: Zu sehen ist eine Hügellandschaft bei der sich ein Ort mit Kirchturm abzeichnet.
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Kunsthalle x Die Herbergsmütter: Wibke


kurzweilig
ca. 15 min
zur Tour

Daten und Fakten

Titel Dickicht mit Blumen und Tieren
Künstler*in Anna Elisabeth Ruysch
Entstehungszeit um 1700
Inventarnummer 378
Maße Bildträger H 56,0 cm  B 52,0 cm  
Maße Rahmen H 71,0 cm  B 66,1 cm  T 7,5 cm  
Material Leinwand
Technik Ölfarbe
Gattung Gemälde
Abteilung Alte Malerei (vor 1800)
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