Schwarzweiß ist Farbe genug?

Der Verzicht auf Farbe in Film und Fotografie ist in modernen Produktionen und Aufnahmen immer eine Option. Die frühe Fotografie hingegen hatte keine andere Wahl: Ihr Farbspektrum beschränkte sich auf Grau- und Brauntöne.

Experimente mit Salzen und Säuren brachten einfarbige Ergebnisse hervor. Der Durchbruch in der Farbfotografie gelang aber erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Viele Aufnahmen wurden daher nachträglich koloriert – aufwendig durch eigenhändiges Ausmalen oder mittels Färbeverfahren und Schablonentechnik.  

Eine Abbildung eines farbenprächtigen Blumenstraußes wie im Gemälde Jean Michel Picarts aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, dem Zeitalter des Barock, konnte mittels Schwarzweißfotografie nicht gelingen. Der Reiz des Blumengemäldes liegt nicht nur in der „lebensnahen“ Wiedergabe, sondern in dem feinen Zusammenspiel der Farben. Die Intensität der Farbe zieht die Blicke auf sich.

Abbildung der Fotografie "Rosenstillleben" von Adolphe Braun
Adolphe Braun: Rosenstillleben, ca. 1854–56. © Serge Kakou, Paris

Zeitgenössische Fotografen wie Adolphe Braun sahen das vermeintliche Manko der „farblosen“ Aufnahmen ausgeglichen durch ihre Eigenschaft, die Dinge ungemein präzise darzustellen – nicht nur lebensnah, sondern natur- und detailgetreu.

Brauns Blumenaufnahmen dienten einem ganz praktischen Zweck: Er fotografierte Blumen als Vorlagen für Industriezeichner, die florale Muster für Stoffe, Porzellan oder Tapeten entwarfen. Unabhängig von ihrem ursprünglichen Zweck als Vorlage besitzt Brauns Rosenbild einen eigenen ästhetischen Wert. Das Schwarzweiß nehmen wir nicht mehr als störend wahr, vielmehr ist es zu einem Merkmal der Kunstfotografie geworden. Die aktuellen Beispiele moderner Schwarzweißfilme und –fotos zeigen, dass Schwarzweiß noch heute als künstlerisches Stilmittel zum Einsatz kommt und so verstanden wird.

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